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28.07.2006 · Allgäu

Dunkle Hölzer und klare, zeitlose Linien

„Die gute Form“: Ausstellung in Sonthofen präsentiert Schreiner-Gesellenstücke auf hohem Niveau

Sonthofen/Oberstaufen (vk). - Klare, fast strenge Linien bestimmen die schlichte Anrichte aus dunklem Nussbaum, deren einziger „Zierat“ die Füße und die Griffleisten aus Edelstahl sind. Ein „zeitloses Nobelmöbel“ habe er schaffen wollen, erklärt Jungschreiner Markus Lingg sein Gesellenstück. Der Innungssieger aus Oberstaufen hatte offenbar das richtige „Händchen“: Er gewann den ersten Preis des Wettbewerbes „Die gute Form“. Bereits zum vierten Mal hatte die Schreinerinnung Allgäu ihren Nachwuchs aufgefordert, sich mit ihrem Gesellenstück um den Preis zu bewerben. Und alle 25 Absolventen des Jahrgangs entschieden sich für die - freiwillige - Teilnahme. „Die Leistungsdichte ist gestiegen“, stellte Christian Raps von der Innung fest und verwies auf den Trend zu „sehr klaren Linien“ und dunklen Hölzern wie Nussbaum oder Kirsche, gern kombiniert mit Glas oder Edelstahl. „Weg vom Landhausstil, hin zum Bauhausstil“, ergänzt Walter Hummel aus Thalkirchdorf, der den erfolgreichen Gewinner ausgebildet hat. Michael Ruppert aus Kempten, der zweite Preisträger, liegt ebenfalls im Trend mit einem Sideboard aus Nuss- und Birnbaum, dessen gerade Form noch nicht einmal durch Scharniere oder gar einen Griff gestört werden sollte. Ruppert, der bei der Schreinerei Hug in Waltenhofen gelernt hat, verfiel daher darauf, die Türen durch das Drehen an den verbindenden Edelstahlstangen zu öffnen. Kaum verwunderlich, dass sein Werk „unverkäuflich“ ist.

80 Stunden für „Hifi-Schränkle“Ebenfalls Nussbaum, aber kombiniert mit hellem Ahorn und wiederum Edelstahl, wählte der dritte „ausgezeichnete“ Jungschreiner Andreas Adelgoß aus Sonthofen. Er produzierte in den vorgeschriebenen rund 80 Stunden ein „Hifi-Schränkle“ mit interessantem und funktionalem Innenleben wie einem gut versteckten Kabel-Anschluss. Warum er ein solches Möbel geschaffen habe? Für Adelgoß, der in der Schreinerei Haug in Bad Hindelang seine dreijährige Ausbildung durchlief, keine Frage: „Weil i das halt brüch“. Nicht nur der „Gute-Form-Sieger“ Markus Lingg hatte ein „gutes Gefühl“, als er wie seine Jahrgangskollegen die Urkunde aus der Hand von Skistar und Jury-Mitglied Petra Haltmayr entgegennehmen konnte.

„Da funktioniert alles“Auch Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl war bei der Siegerehrung in der Sparkasse Allgäu äußerst fasziniert als „Heimwerker mit wenig Talent“, der nicht nur über die schönen Formen staunte: „Da funktioniert sogar alles!“ In der Tat: Die Jury, der neben Haltmayr auch Sparkassendirektor Gerhard Dorn, Berufsschuldirektor Dieter Friede, der Landtagsabgeordnete Alfons Zeller und Innungs-Ehrenobermeister Otto Sauter angehörten, bewertete nicht nur die Form, sondern auch die Proportionen, die Griffigkeit, Materialkunde sowie die Funktion. Sparkassen-Chef Dorn lobte den Enthusiasmus und die Akribie der jungen Leute, die „mit Herz und Hand“ geschafft hätten. Innungs-Obermeister Xaver Bach bedankte sich bei den Lehrmeistern für ihre Einsatzbereitschaft, und Alfons Zeller bezeichnete die „hervorragenden“ Möbel „eigentlich schon als Meisterstücke“. i Die Ausstellung der Kommoden, Telefonbänkchen, Vitrinen oder Schreibtische ist noch bis zum 4. August im Hauptgebäude der Sparkasse in Sonthofen zu den Schalteröffnungszeiten zu sehen. Die Besucher haben die Möglichkeit, ihr ganz persönliches „schönstes Stück“ zu wählen und damit die Chance auf einen Alpenrundflug.

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Artikelinfos
Veröffentlichung28.07.2006
Aktualisierung03.09.2007 11:06
OrtAllgäu
Schlagwörter
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