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17.03.2009 · Unterallgäu (br)

«Der Blinddarm wird auch in Zukunft in Ottobeuren operiert»

Interview - Verwaltungsratsvorsitzender Hans-Joachim Weirather über die Zukunft der Krankenhäuser im Landkreis

Unterallgäu · Für eine verstärkte Zusammenarbeit und gleichzeitig eine stärkere Spezialisierung der beiden Unterallgäuer Kreiskliniken in Ottobeuren und Mindelheim hatte sich der Verwaltungsrat der Kliniken vor wenigen Wochen in einer Klausurtagung ausgesprochen. Dies löste «erhebliche Irritationen» beim Förderverein der Kreisklinik Ottobeuren aus, wie auch mehrere kritische Nachfragen bei der Jahresversammlung des Vereins zeigten (MZ berichtete). Wir haben uns mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden darüber unterhalten.

Herr Weirather, die Mitglieder des Fördervereins der Kreisklinik Ottobeuren sorgen sich um die Zukunft «ihres» Krankenhauses.

Weirather: Diese Sorgen sind wirklich absolut unbegründet. Wir werden konsequent an beiden Kreiskliniken im Unterallgäu festhalten. Entweder sind wir an beiden Standorten erfolgreich oder gar nicht. Dies ist möglich, weil der Landkreis Unterallgäu in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht hat, auch wenn diese sehr schmerzlich waren. Wir hatten vor nicht allzu langer Zeit immerhin noch vier weitere Krankenhäuser - in Babenhausen, Türkheim, Pfaffenhausen und Memmingen.

Experten gehen davon aus, dass der dramatische Strukturwandel im Gesundheitswesen dazu führen wird, dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren noch einmal etwa 20 Prozent der jetzigen Krankenhäuser geschlossen werden.

Wie will das Kommunalunternehmen bei diesen Prognosen trotz der immer enger werdenden finanziellen Spielräume und der verkürzten Verweildauer der Patienten bestehen?

Weirather: Wir müssen darauf hinarbeiten, dass unsere Häuser innerhalb des Kommunalunternehmens noch enger zusammenwachsen und sich aufeinander abstimmen. Das medizinische Angebot an beiden Standorten in gleicher Weise vorzuhalten, werden wir uns nicht mehr leisten können. Wir müssen Synergieeffekte nutzen - und das auch über Gebietsgrenzen hinaus.

Was heißt das konkret? Werden Abteilungen geschlossen?

Weirather: Nein. Der Verwaltungsrat hat eindeutig beschlossen, dass weder Ottobeuren noch Mindelheim in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt werden, im Gegenteil. Wir stärken zum Beispiel die Ottobeurer Kardiologie durch eine enge Vernetzung mit dem neuen invasiven Angebot in Mindelheim. Der neue Magen-Darm-Spezialist und der neue Kardiologe werden ihre Kompetenz an beiden Standorten einbringen. Darüber hinaus wollen wir die Altersmedizin, in der Ottobeuren seit Jahren höchst erfolgreich ist, weiter ausbauen.

Stichwort «elektive Chirurgie»: Wenn künftig nur noch planbare Operationen in Ottobeuren durchgeführt werden, bedeutet das eine deutliche Einschränkung des bisherigen Angebotes - oder sehe ich das falsch?

Weirather: Das Gegenteil ist richtig. Wir brauchen Ottobeuren als «Haus der medizinischen Grundversorgung» auch in Zukunft; akute chirurgische Eingriffe werden weiter in Ottobeuren vorgenommen. Keine Sorge: Der Blinddarm wird auch in Zukunft in Ottobeuren operiert. Beim Stichwort «elektive Chirurgie» geht es um eine Fortentwicklung des Angebotes. Ob das nun Hüft- oder Kniegelenksoperationen sind oder ob es das Thema «Inkontinenz» betrifft. Da sind wir gut in Ottobeuren, das wollen wir auch weiterentwickeln.

Kritisiert wurde auch, dass in Mindelheim in diesem Jahr 1,6 Millionen Euro für einen neuen Herzkathetermessplatz investiert werden und Ottobeuren leer ausgeht.

Weirather: Das stimmt nicht. Wir warten gerade auf den Zuwendungsbescheid für die Zentralsterilisation, die wir in Ottobeuren für rund eine Million Euro modernisieren werden. Dies wird auf jeden Fall kommen - auch wenn uns der Freistaat finanziell nicht unterstützt. Nicht vergessen darf man auch, dass wir in Ottobeuren in den letzten eineinhalb Jahren zum einen den Röntgenbereich erneuert und auf digitales Röntgen umgestellt und das Erdgeschoß für die Chirurgie umgebaut haben. Hierfür haben wir insgesamt 1,3 Millionen Euro ausgegeben. Ich sage es noch einmal: Unsere beiden Häuser gehören zusammen, müssen zusammenarbeiten und dürfen nicht getrennt voneinander gesehen wer-den.

So können wir in eine gute Zukunft blicken.

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Artikelinfos
Veröffentlichung17.03.2009
Aktualisierung02.06.2011 12:29
Ort Unterallgäu (br)
Schlagwörterinterview, kreisklinik
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