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29.08.2005 · Allgäu

Das Herz von Volksmusik und Brauchtum

Ganz Schwangau trauert um Josefine Sauerwein - wesentliche kulturelle Stütze im Ort

Schwangau (pas). - Josefine Sauerwein starb am 27. August. Den Verlust für ihre Familie ist kaum zu ermessen. Doch auch alle Bürger Schwangaus und alle, die sie darüber hinaus kannten, trauern um "die Fini". So wurde die fleißige Geschäftsfrau in Schwangau genannt. Sie gehörte zum öffentlichen Leben in der Gemeinde. Bis zu ihrem Tod galt sie als eine wesentliche kulturelle Stütze im Ort. Der Tod von Josefine Sauerwein ist für alle Bürger Schwangaus ein Verlust. Die zierliche, charmante und außerordentlich warmherzige Frau setzte sehr viel der ihr eigenen Energie, Willens- und Überzeugungskraft ein, wenn es darum ging, Brauchtum und Volksmusik in Schwangau zu erhalten oder neu zu gestalten. Vor allem ihr ist es zu verdanken, dass viele Jugendliche in Schwangau wieder Zugang zur Volksmusik gefunden haben. Für zwei typisch einheimische Ereignisse, die seit Jahrzehnten stattfinden, ist Fini Sauerweins Symbol: Für das Alpenländische Adventssingen in der Pfarrkirche und für das Mariensingen in St. Coloman. Den Ruhm für echte Volksmusik, den Ruf für stille Besinnung, für eine tiefe Verehrung und für die goldene Freude über große Kirchenfeste drücken beide Veranstaltungen mit ausgesuchten Volksliedern und sie begleitenden Sprechtexten aus. Selbstverständlich sorgte "die Fini" für die Auswahl der Interpreten; denn beide Konzerte lagen ihr besonders am Herzen.

Die treibende Kraft Doch sie organisierte nicht nur, sondern die begabte Musikerin spielte auch selbst in den unterschiedlichen Gruppierungen der "Oberschwankirchner Harfen- und Stubenmusik" mit. Nur Eingeweihte wussten, dass die gut aussehende Hackbrett- oder Harfenspielerin die treibende Kraft aller dieser Musikereignisse war. Denn Josefine Sauerwein wollte nie im Mittelpunkt stehen. "Ich musiziere, um anderen damit Freude zu machen", winkte sie alle Komplimente bescheiden ab. Ihr ganzes Temperament konnte aber derjenige erfahren, der sich der Bedeutung der Volksmusik nicht bewusst war oder diese gar mit der volkstümlichen, kommerziellen Musik verwechselte. Fini Sauerwein hat mit diesen beiden kirchlichen Volksmusik-Konzerten bleibende Werte, ja eine Verpflichtung, für Schwangau geschaffen. Zusätzlich zu ihrem musikalischen Schaffen befasste sich Josefine mit dem Brauchtum und der Tracht. Sie galt - zusammen mit einigen Schwangauer Trachtlerfrauen - als Spezialistin für die Ausschmückung der Kirche zu ihren Volksmusik-Konzerten und zu Marienfesten. "Die Sauerweinfrauen haben den schönen Schmuck geschaffen", konnten die Bewunderer dann immer hören. Ihr Können, den großen, kunstvollen Kräuterboschen den Traditionen gemäß zu Maria Himmelfahrt zu binden, hat sie in diesem Jahr an ihre Mithelferinnen weitergegeben. Josefine Sauerwein fand in alten Unterlagen Hinweise auf eine ehemalige Schwangauer Tracht. Sie entwarf daraus ein schmuckvolles, ein schönes Gewand, das nun die besondere Aufmerksamkeit bei allen hohen Festen auf sich zieht. Josefine Sauerwein war selbst ein Vorbild für das Leben mit dem Brauchtum. Ein perfektes Dirndl gehörte zu ihrem Alltag. Selbstverständlich waren ihr das Mitwirken bei Festgottesdiensten zusammen mit dem Kirchenchor und das Musizieren bei besonderen Gedenktagen und Kirchen- und Gemeindefesten. Mehrmals trat sie mit den Oberschwankirchnern bei besonderen Festen und Empfängen der bayerischen Staatsregierung auf. Im vergangenen Jahr erhielt sie für ihre Verdienste den Ehrenpreis der Hans-Seidel-Stiftung für besondere Verdienste in der bayerischen Volksmusik-Jugendarbeit.

Morgen Trauerfeier Der Trauergottesdienst für Josefine Sauerwein und die anschließende Beerdigung finden am Mittwoch, 31. August, um 14 Uhr in Schwangau-Waltenhofen statt.

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Artikelinfos
Veröffentlichung29.08.2005
Aktualisierung01.09.2007 13:19
OrtAllgäu
Schlagwörter
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