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03.05.2004 · Allgäu

Besondere Werte im See versunken

Magnus Peresson führt zu Schätzen - Häuser, Brücken und vor allem Erinnerungen

Schwangau (pas). - Auch Regen hielt über 50 Entschlossene nicht zurück, mit Magnus Peresson die versunkene Welt im Forggensee zu besuchen. Diesmal den Weiler Forggen, nach dem der See, der heuer 50 Jahre alt wird, benannt wurde. Das 50-jährige Seejubiläum sei für ihn kein Anlass zu Freudenfeiern, stellte Peresson zu Beginn der Führung klar. Denn es versanken für die Gegend besondere Werte im See. Und mit ihnen einige Erlebnisse, die für ihn als Kind und junger Mann direkt mit den Schwangauer Lechauen verbunden waren -ein Teil seines früheren Lebens. Allerdings nicht immer schöne, wie er sich an den Brückenresten bei den aufgelassenen Häusern bei Brunnen erinnerte. So mussten die Schulkinder aus dem versunkenen Deutenhausen quer durch die Lechauen und über diesen Steg zur Schule nach Waltenhofen laufen. Ein mehr als einstündiger Schulweg. Ungemütlich bei schlechtem Wetter und gefährlich bei einem plötzlichen Hochwasser des Lechs zur Schneeschmelze. Da drängten sich die durchnässten Kinder erst einmal um den Schulofen, erinnerte sich Peresson. Frauen und Kinder schufteten in der versunkenen Ziegelei in Brunnen, eine schwere Arbeit mit feuchtem Lehm. Platten im Bodenbelag von St. Coloman erinnern noch daran. Einige Fußabdrücke von Kindern und Frauen zeugen von dieser Fron. Peresson schilderte Forggen mit seiner paradiesischen Umgebung; reich an Blumen und Tieren. Allerdings beschränkte sich der Lebensbereich der Einwohner damals auf einen Umkreis von etwa eineinhalb Stunden Fußmarsch. Denn der Weiler lag abseits der wichtigsten, das ganze Jahr über benutzbaren Verbindungswege. Große Familien - den Rekord hielt eine mit 24 Kindern - lebten in den wenigen Häusern des Weilers. Davon, dass das Wild bis vor die Häuser kam, erzählt eine Mär vom Müller der Forggenmühle. Er soll einen kapitalen Hirsch durch das Fenster aus seiner Wohnstube geschossen haben.

Sagen und Legenden Auch einige Geschichten über die vorchristliche Verehrung der Tier- und Pflanzenwelt erzählte der fachkundige Führer. So führte Persson seine Gruppe schließlich noch zu einem sagenhaften, aber schon vor ewiger Zeit in den Lechfluten versunkenen reichen Dorf. In Sagensammlungen aus den vergangenen Jahrhunderten kann man darüber nachlesen. Nach Peressons Interpretation handelt es sich dabei um die Überreste der römischen "Villa rustica" in der Brunnener Bucht. Vielleicht verloren diese mit Überfluss ausgestatteten römischen Gebäude ihre Bedeutung mit dem Bau der am Westufer des Sees noch sichtbaren Via Claudia Augusta.

Gläserner Reichtum Deshalb überdeckte mit der Zeit eine dünne Erdschicht die römischen Häuserreste. Nach Platzregen oder bei Feldarbeiten traten im Laufe der Jahrhunderte dort immer wieder Schätze zutage, die die bäuerliche Bevölkerung erstaunten. Zum Beispiel Münzen, Tiegel, Zierrat, Gefäße, Glas oder bunte Glastropfen als Folge römischer Bestattungsriten. Gerade das Glas war ein Wertmesser für einen besonderen Reichtum. Denn vor gut drei Jahrhunderten besaßen die Bauernkaten keine Glasfenster. Im Jahr 1974, erst 20 Jahre nach dem Aufstau des Sees, spülten dessen Wasserbewegungen das Geheimnis dieser versunkenen Schätze ans Tageslicht: Peresson wurde von Bauern zu rätselhaften Grundmauern gerufen, die sich aus dem Grund des abgelassenen Forggensees erhoben. Er selbst hat dann 1976 bei den wissenschaftlichen Ausgrabungen der "Villa rustica" in der Brunnener Bucht mitgeholfen. Gerade aus diesem Grund warnte er moderne Schatzsucher vor der Hoffnung, hier weiter Schätze zu finden. Denn es wurde alles noch Auffindbare geborgen. Wenn jetzt die empfindlichen Metallsuchgeräte der "modernen Räuber" anschlügen, dann bestenfalls bei Kronkorken, die durstige Wassersportler in den See gekippt haben.

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Artikelinfos
Veröffentlichung03.05.2004
Aktualisierung01.09.2007 04:53
OrtAllgäu
Schlagwörter
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