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19.08.2010 · Memmingen | Von Volker Geyer

Amerika schaut auf Memmingen

Medien - «New York Times» zeigt am Beispiel der Maustadt, wie Deutschland die Krise meistert

Memmingen · Wer Menschen in New York danach fragt, ob sie Memmingen kennen, wird in den allermeisten Fällen Schulterzucken ernten. Allerdings ist die Chance, dass doch jemand mit Memmingen etwas anfangen kann, jetzt größer als je zuvor. Denn die größte Tageszeitung der USA, die «New York Times», hat am Beispiel Memmingen dargestellt, wie gut sich Deutschland nach der weltweiten Wirtschaftskrise bereits wieder erholt hat.

Hausfrauen im Fokus

Memminger Rathaus
Memminger Rathaus Bild: Klaus Kiesel
Verfasser des Zeitungsartikels ist Nicholas Kulish, Korrespondent der «New York Times» in Berlin. In seinem Beitrag schreibt der 35-Jährige, dass der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands in kleineren Städten wie Memmingen besonders gut zu sehen sei. Aber warum ist seine Wahl gerade auf Memmingen gefallen?

Ausgangspunkt war ein Ausspruch von Angela Merkel. Laut der Kanzlerin wäre es zu keiner Finanzkrise gekommen, wenn die Bankmanager so gerechnet hätten wie eine schwäbische Hausfrau, die nicht über ihre Verhältnisse lebt.

Amerika schaut auf Memmingen
Nicholas Kulish Bild: fred conrad
«Also wollte ich mich in Sachen Wirtschaftskrise mal in einer schwäbischen Stadt umhören», sagt Kulish. Für Memmingen habe er sich entschieden, weil es hier - neben Hausfrauen - eben starke mittelständische Unternehmen gebe. So besuchte er unter anderem die Firma Magnet-Schultz. Deren Umsatz war infolge der Krise von 200 Millionen Euro in 2008 auf 142 Millionen in 2009 abgestürzt.

Dennoch habe der Betrieb mithilfe der Kurzarbeiter-Regelung nur 57 von rund 1750 Mitarbeitern entlassen müssen. «Die Regierung hat mit der Verlängerung der Kurzarbeit richtig gehandelt, weil dadurch eine schwierige Zeit überbrückt werden konnte», lobt Firmenchef Wolfgang E. Schultz in Kulishs Artikel die Politik im eigenen Land. Zugleich unterstreicht er, dass er bereits 40 von den 57 Entlassenen wieder eingestellt habe.

«Wir konnten auch alle Auszubildenden übernehmen und sind jetzt erneut auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern», sagt Schultz gegenüber unserer Zeitung und betont, dass er sich über den Besuch des Korrespondenten sehr gefreut habe. «Das ist wirklich toll. Eine bessere Werbung können wir uns gar nicht vorstellen», ist auch Zweite Bürgermeisterin Claudia Knoll begeistert.

Kulish hat aber nicht nur mit Firmenbossen gesprochen, sondern eben auch mit besagten Hausfrauen. Dabei habe er selbstbewusste Menschen erlebt, die stolz auf das deutsche Wirtschaftssystem seien. «Aber nicht überheblich gegenüber anderen Ländern», hebt der Journalist hervor. Allerdings habe er in vielen Interviews von Misstrauen gegenüber der Europäischen Union (EU) und den Entscheidungen im Europa-Parlament erfahren.

So sagte ihm etwa eine alleinerziehende 33-Jährige: «Mir würde es gefallen, wenn wir so unabhängig wären wie die Schweiz.»

Gute Ausbildung

Nach Erscheinen des Artikels hat Kulish im Übrigen zahlreiche Mails aus den USA erhalten. Die Menschen wollten wissen, wie es möglich ist, dass es in Deutschland - proportional zur Einwohnerzahl gesehen - mehr industrielle Arbeitsplätze gibt als in den Vereinigten Staaten. Kulishs Antwort: «Das liegt wohl am guten Ausbildungssystem.»

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AutorVon Volker Geyer
Veröffentlichung19.08.2010
Aktualisierung16.04.2013 12:51
Ort Memmingen | Von Volker Geyer
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