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16.10.2014 · Kempten

Interview: Geschäftsführerin von "EUREGIO via salina" spricht über Hintergründe und Nutznieser der EU-Fördermittel

Europa lässt Millionen springen

Förderprogramme · Wer es richtig angeht, kann aus Brüssel viel Geld abzapfen. Kerstin Duchardt wundert sich als Geschäftsführerin der Euregio via salina, dass nicht mehr Mittel abgerufen werden

Euregio-Landkarte
30 Euregios gibt es entlang der deutschen Grenze. Das Allgäu bildet die Euregio via salina zusammen mit dem Tiroler Außerfern und Teilen von Vorarlberg.

Da beißt es bei vielen Allgäuern aus. Mit dem europäischen Programm LEADER können die meisten Kommunalpolitiker oder Vereinsvorsitzenden ja durchaus was anfangen. Aber INTERREG? Dabei sind LEADER und INTERREG zwei ähnliche regionale Fördertöpfe, die über Gelder in Millionenhöhe verfügen. Es würde sich also durchaus lohnen, sich mit INTERREG zu beschäftigen. Das tut inzwischen sehr intensiv Kerstin Duchardt. Sie ist seit 1. Januar Geschäftsführerin der Euregio via salina. Denn diese grenzüberschreitenden Euregios können das Programm INTERREG anzapfen. Wie das genau funktioniert und wer davon profitieren kann - darüber sprachen wir mit Kerstin Duchardt, die ihren Geschäftssitz in Kempten hat:

Frau Duchardt, welche Förderfonds innerhalb der Europäischen Union gibt es, um die Regionen gegenüber den Metropolen zu stärken?

Duchardt: Es gibt insgesamt fünf Strukturfonds der Europäischen Kommission: Den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER), den Europäischen Sozialfonds (ESF), den Europäischen Fischereifonds (EFF) und den Kohäsionsfonds.

Und wo verstecken sich jetzt dabei LEADER und INTERREG?

Duchardt: Bei uns in der Region gibt es vor allem zwei Fonds, die intensiv zu Förderzwecken genutzt werden: der EFRE und der ELER. Die bekanntesten Programme daraus sind beim ELER-Fonds LEADER und beim EFRE-Fonds INTERREG.

Beschreiben Sie doch bitte, was hinter INTERREG steckt.

Duchardt: INTERREG - oder wie es offiziell heißt, die Europäische Territoriale Zusammenarbeit - ist Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union. Seit mehr als 20 Jahren werden damit grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Regionen und Städten unterstützt, die das tägliche Leben beeinflussen. Das kann zum Beispiel im Verkehr, beim Arbeitsmarkt, im Umweltschutz oder im Tourismus der Fall sein.

Grenzüberschreitend: Ist das der Hauptunterschied zu LEADER?

Duchardt: Das könnte man so sagen. LEADER fördert jeweils Projekte innerhalb einer Region, zum Beispiel auf Landkreis- oder Allgäu-Ebene. INTERREG ist zwingend an die Zusammenarbeit von mindestens zwei Regionen aus verschiedenen Staaten gebunden. Zudem muss bei LEADER die Initiation aus der Bevölkerung kommen, der Bottom-up-Ansatz. Bei INTERREG ist das keine Vorgabe.

Wie kommt jetzt die Euregio via salina ins Spiel?

Duchardt: Die Euregio via salina gibt es seit 1997. Sie ist die Dachorganisation für drei Vereine: Regio Allgäu, Regionalentwicklung Außerfern (Tirol) und Regio Kleinwalsertal (Vorarlberg). Wir als Euregio können Fördergelder bei Kleinprojekten aus INTERREG direkt bewilligen.

Ist die Euregio via salina eine spezielle Einrichtung innerhalb der EU?

Duchardt: Nein, ganz und gar nicht. Europaweit gibt es um die 200 Euregios, davon etwa 30 an den deutschen Länderaußengrenzen.

Wie viel Geld ist denn nun im INTERREG-Topf drin und wie viel konnte für die Region geholt werden?

Duchardt: Eine Förderperiode umfasst immer sieben Jahre. Die letzte war von 2007 bis 2013. In dieser Zeit flossen gut 16 Millionen Euro ins Allgäu, Außerfern und Vorarlberg, der Förderanteil der EFRE-Mittel INTERREG durch die EU lag dabei bei fast elf Millionen Euro. Für die nächste Förderperiode 2014-2020 stehen dem EFRE in Deutschland insgesamt 10,7 Milliarden Euro zur Verfügung, für Bayern ist ein Anteil von 494,7 Millionen Euro vorgesehen.

Sie sprechen von Förderanteil. Das heißt, die Region muss selbst auch Geld beisteuern? Wie ist da der Schlüssel?

Duchardt: Es kommen pro Projekt jeweils 50-60 Prozent der Kosten von der EU, je nachdem, ob der Antragsteller auf bayerischer oder österreichischer Seite sitzt. Den Rest müssen die Projektpartner selbst aufbringen. In der letzten Förderperiode waren das in unserer Region genau 5,234 Millionen Euro.

Können Sie das mal an einem konkreten Beispiel erklären?

Duchardt: Nehmen wir den Neubau des Info-Pavillons auf dem Edelsberg bei Nesselwang. Das ist ein beliebter Ausflugsberg, über den ein grenzüberschreitender Wanderweg geht. Das Projekt hat insgesamt 18.000 Euro gekostet. 60 Prozent, also 10.800 Euro, steuerte die EU bei. 7.200 Euro waren Eigenleistung. Wobei der Markt Nesselwang 6.200 Euro zahlte und das Tiroler Jungholz 1.000 Euro.

Wie sieht es für die aktuelle Förderperiode aus? Haben Sie da schon Projekte in der Planung?

Duchardt: In Planung sind bereits mehrere Projekte. Allerdings hat die Europäische Kommission die bereitgestellten Gelder für die Förderperiode 2014-2020 noch nicht frei gegeben. Das wird wohl im zweiten Quartal 2015 passieren. Dann erst können wir wieder Fördergelder beantragen.

Wenn ich jetzt eine ganz tolle Idee hätte. Was muss ich beachten, damit ich EU-Geld bekommen kann?

Duchardt: Sie müssen wissen, dass Einzelpersonen oder einzelne Unternehmen nicht förderfähig sind, denn sonst würde die EU-Förderung den Wettbewerb verzerren. Es darf sich hinter einem Projekt auch keine Absicht der Gewinnerzielung verstecken. Bei LEADER ist eine Gewinnerzielungsabsicht übrigens möglich. Sie brauchen für INTERREG einen österreichischen und einen bayerischen Partner für Ihr Projekt. Und sie müssen die Gesamtsumme vorfinanzieren. Das Fördergeld erhalten Sie nach Abschluss erstattet.

Wer jetzt also eine gute Idee hat, sich aber mit den ganzen Formalien nicht auskennt, was macht derjenige am besten?

Duchardt: Der kommt am besten zu mir. Meine Aufgabe ist es, Menschen aus der Region zu beraten und sie bei der Antragstellung bis hin zur Abwicklung und Endabrechnung bei INTERREG zu unterstützen. Dieser Service ist kostenfrei. Wenn die Idee nicht für INTERREG geeignet ist, kann ich den Fragesteller zum Beispiel an den LEADER-Manager am Landwirtschaftsamt Kempten weiterverweisen.

Wie sind Sie am besten zu erreichen?

Duchardt: Mein Büro ist in Kempten in der Allgäuer Straße 1 neben dem Forum Allgäu. Telefonisch erreichbar bin ich unter (0831) 5753720 oder per E-Mail: duchardt@allgaeu.info oder im Internet unter www.euregio-via-salina.de

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Artikelinfos
AutorStefan Binzer
QuelleAllgäuer Zeitung
Veröffentlichung16.10.2014
Aktualisierung13.11.2014 09:23
Ort Kempten
Schlagwörterinterview, eu, fördermittel, euregio
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