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25.05.2012 · Kempten

Ex-Minister Otto Wiesheu spricht über die wirtschaftliche Lage in der Hochschule Kempten

Ex-Minister Otto Wiesheu mahnt diszipliniertes Verhalten aller Beteiligten an

Vortrag · 20 Jahren nach seinem letzten Besuch hat sich der ehemalige Staatssekretär im Kultusministerium, Otto Wiesheu, wieder ein Bild von der Hochschule in Kempten gemacht. Er lobte die intensive Kooperation mit den Unternehmen in der Region.

Ex-Minister Otto Wiesheu spricht über die wirtschaftliche Lage in der Hochschule Kempten
Auf dem Hochschul-Gelände testete Ex-Minister Otto Wiesheu ein Elektroauto. Präsident Professor Dr. Robert F. Schmid (links) brachte ihn auf den neuesten Stand der Forschungen zur E-Mobilität. Bild: Jörg Schollenbruch
In seinem Vortrag im Audimax bewertete der Präsident des Wirtschaftsbeirats der Union die allgemeine Finanzlage Deutschlands und beleuchtete speziell die Energiewende. Den Ausstieg aus der Atomkraft hält er nach wie vor für überstürzt.

Lions Club Müßiggengel und die Hochschule waren Mitveranstalter im „Forum Cambodunum“. Rund 110 Zuhörer verfolgten am Dienstagabend die Einschätzungen des ehemaligen Bayerischen Wirtschaftsministers. Der brach zuvorderst eine Lanze für die soziale Marktwirtschaft.

Dieses erfolgreiche System brauche allerdings einen verlässlichen Rahmen. „In London und New York wollen sie gar keine Regeln. Das ist derselbe Blödsinn wie bei Karl Marx, bloß von der anderen Seite her“, monierte der 67-Jährige. Auf diese Weise habe die Finanzmarktkrise entstehen können mit Papieren, hinter denen keinerlei Werte mehr standen.

Regeln müssten freilich auch von Staaten beachtet werden. Im Vertrag von Maastricht sei eine „no-bail-out-Klausel“ festgeschrieben gewesen, wonach nicht die Gemeinschaft für die Verbindlichkeiten einzelner Mitglieder herangezogen werden dürfe.

Die Gegenwart zeige leider andere Entwicklungen. Der Internationale Währungsfonds habe bei mehr als 40 Ländern demonstriert, dass Staatsinsolvenzen abgewickelt werden können. Anderenfalls werde man nur weiter erpresst.

Die „kalte Progression“ in Deutschland prangerte Wiesheu genauso an wie ein unfreundliches Klima für Investitionen. Um die führende Stellung der Bundesrepublik in Europa nicht zugefährden, plädierte er für verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten der Betriebe.

„Preiswert, umweltfreundlich und dauerhaft“, lauten dem CSU-Mann zufolge die Kriterien für Energie. Wenn Strom zu teuer werde, wanderten Betriebe ab, wie kürzlich ein Faserhersteller aus dem Augsburger Raum. Da müsse man auch die Solarförderung in Frage stellen, die den Strom teurer mache.

„Ich hoffe, dass zeitgerechte Lösungen kommen“, wandte er sich an die anwesenden Forscher der Hochschule: „Wir stehen vor größeren Herausforderungen als in den vergangenen 20 Jahren.“

„Regeln gegen das Auseinanderdriften von Arm und Reich“, wünschte sich Michael Weiß, Chef der Meckatzer Löwenbräu, in der anschließenden Diskussion. Dem stimmte Wiesheu zu: „Nach meinem Geschmack sind Gehälter über zehn Millionen nicht in Ordnung.“

Nachhaltige positive Entwicklung könne sich trotzdem in Provisionen für Manager niederschlagen.


„Wenn die Rating-Agenturen bereit wären, für ihre Beurteilungen auch die Haftung zu übernehmen, hätte ich mehr Respekt vor ihnen.“

Otto Wiesheu

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Artikelinfos
Autorse
Veröffentlichung25.05.2012
Aktualisierung16.04.2013 09:22
Ort Kempten
Schlagwörtervortrag, forschung, hochschule
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