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12.10.2011 · Lindenberg

Ehemalige Schüler geben Poetry-Slam-Workshop am Gymnasium Lindenberg

Abkupfern bei Goethe ist erlaubt

Moderne Lyrik · Scheinbar ziellos schlendern die Jugendlichen auf der Bühne umher. Auf einen Schlag verwandeln sie sich in Tiere, stampfen auf den Boden, kreischen, fiepsen, beschnuppern sich gegenseitig, springen sich an.

Abkupfern bei Goethe ist erlaubt
Abkupfern bei Goethe ist erlaubtBild: benjamin schwa?rzler

Einer von ihnen zeigt sogar soviel Herzblut, dass er kurz auf die Toilette muss: Er hat sich gestoßen, der rote Lebenssaft tropft aus seiner Nase. Nur wenige Minuten später steht Mario Semmler wieder mittendrin im Großstadtdschungel - immerhin besitzt er Bühnenerfahrung: Der 17-Jährige ist einer der wenigen in diesem Workshop, die schon einmal an einem Poetry Slam teilgenommen haben.

Die ehemaligen Schüler Alex Burkhard (23), Michael Otto (23) und Ralph Reithmeier (22) sind an das Gymnasium Lindenberg zurückgekehrt. Gemeinsam leiten sie einen zweiteiligen Poetry-Slam-Workshop, zu dem sich 16 Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 12 angemeldet haben. Sie wollen hier kreatives Schreiben lernen – und zum Abschluss eigene Texte im Musiksaal der Schule präsentieren.

Der Workshop ist in mehrere Teile untergliedert. Zu Beginn lernen die Jugendlichen, was ein Poetry Slam ist, wie so ein Dichterwettstreit abläuft, welche Besonderheiten es gibt. Außerdem das Handwerkszeug des kreativen Schreibens, die verschiedenen Stilformen. Diesen Part übernimmt Alex Burkhard, der den Workshop eingefädelt hat.

Der Lindenberger ist Mitglied des Münchner Vereins „Planet Slam“, der mit finanzieller Unterstützung des Kultusministeriums solche Angebote an Schulen in ganz Bayern macht. „Es ist nicht schlimm, wenn es nicht perfekt ist. Es geht darum, verschiedene Stile kennenzulernen“, sagt Burkhard, als er die Schüler eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Wer hat die Kekse aus der Dose geklaut?“ schreiben lässt. Absatzweise gibt es Stimmungen von romantisch bis dramatisch vor, Perspektiven wie die Ich-Form oder Ausdrucksweisen wie Monolog und Zwiegespräch. Am Schluss, bei der Pointe, darf geschrieben werden, was in den Sinn kommt. „Eine gute Pointe muss nicht immer lustig sein.

Gerne auch dramatisch – dass alle sterben, weil die Kekse vergiftet waren“, mahnt der Student, der mit einer spontanen Goethe-Rezitation auch den Bezug zum klassischen Deutschunterricht herstellt. „Baut Naturgewalten ein“, nennt er als Tipp, um besondere Dramatik zu schaffen.

Ralph Reithmaier hingegen ist für den theatralischen Teil zuständig. Er gibt seine Schauspielerfahrung weiter, um den künftigen Poeten auch eine ausdrucksstarke Präsentation ihrer Texte zu ermöglichen. „Niemand liest auf der Bühne einfach nur ab“, sagt er – und lässt die Schüler verschiedene Rollen improvisieren, damit sie an Gestik und Mimik feilen, ihrem Geschriebenen auch Ausdruck verleihen.

Das Angebot seiner ehemaligen Schüler nahm Schulleiter Hermann Endres gerne an. „Durch einen Poetry Slam nimmt der Deutschunterricht Kontakt mit dem Leben unserer Jugend auf“, freut sich der Direktor. Er sei fasziniert davon, dass das „etwas in die Jahre gekommene“ Thema Lyrik bei den Jugendlichen wieder eine Rolle spiele.

Poetry Slam am Samstag, 15. Oktober, ab 19.30 Uhr im Musiksaal des Gymnasiums Lindenberg. Es werden nur die Teilnehmer des Workshops auftreten, die hier ihre eigenen Texte präsentieren können. Die Teilnahme daran ist für sie allerdings nicht verpflichtet.

 

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Artikelinfos
AutorBenjamin Schwärzler
Veröffentlichung12.10.2011
Aktualisierung07.10.2014 08:57
Ort Lindenberg
Schlagwörterworkshop, literatur, gedicht, schauspiel
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