Fußball
Ex-Profi Franz Roth vom FC Bayern München spielte vor 30 Jahren beim TSV Mindelheim

Gerade zwei Wochen ist es her, dass ein ehemaliger Nationalspieler und Ex-Bayern-Profi sein Debüt in der Bezirksliga Süd gab: Mario Basler löste eine auf dem Golfplatz verlorene Wette ein und streifte sich das Trikot des BCA Oberhausen über.

Eine einmalige Geschichte? Mitnichten, denn eine ähnliche Sensation gab es Anfang der achtziger Jahre beim TSV Mindelheim. Vor 30 Jahren trug ein Ex-Profi von Bayern München das Trikot des TSV Mindelheim in der Bezirksliga Süd. Dem damaligen Vorsitzenden des TSV Mindelheim, Friedrich Riebel, war der spektakulärste Coup der Vereinsgeschichte gelungen.

Mitte Juli 1981 meldete die Mindelheimer Zeitung, dass Franz << Bulle >> Roth beim TSV Mindelheim angeheuert habe. Zu den Gerüchten über das Gehalt äußerte sich Friedrich Riebel damals folgendermaßen: << Roth kostet nicht mehr und nicht weniger als die anderen Spieler. >> Es war offensichtlich eine Mischung aus Cleverness, Überredungskunst und dem Rat eines Sportarztes, die zu dieser Überraschung geführt hatten.

<< Ich habe Franz gleich nach seinem Karriereende bei einem Besuch in seinem Laden angesprochen, ob er nicht bei uns mitkicken möchte >>, erinnert sich Riebel an seinen ersten Versuch 1980. Damals habe er eine Absage bekommen, nicht zuletzt, weil der ehemalige Profi gerade erst sein Geschäft aufbaute.

Neue Situation

Doch ein Jahr später hatte sich eine neue Situation ergeben: Roth blieb auch nach dem Abschied vom Profifußball unter den Fittichen von Bayern-Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Und der machte ihm deutlich, dass sich ein ehemaliger Profi nicht einfach auf die faule Haut legen könne. Dies sei gesundheitsschädlich. Der Arzt legte Roth nahe, weiter regelmäßig Sport zu treiben.

Bezirksliga-Fußball schien Roth das Richtige, und obwohl auch andere Vereine hinter ihm her waren, entschied er sich für den TSV Mindelheim. Am 15. August 1981 begann die neue Saison mit einem Auswärtsspiel beim TSV Haunstetten. Franz Roth stand erstmals bei einem Pflichtspiel für den TSV auf dem Rasen. Mindelheim gewann mit 3:1, Roth erzielte bei seinem gelungenen Einstand gleich einen Treffer. Eine Woche später kam es in Mindelheim zum Derby gegen den FC Bad Wörishofen.

An den Kassenhäuschen bildeten sich Schlangen: 800 Zuschauer sahen den Mindelheimer 5:2-Sieg.

Im Laufe der Saison gab es einen Zweikampf zwischen dem FC Kempten und dem TSV Mindelheim um den Titel, der am Ende spannend wie ein Krimi war. Das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft in der Bezirksliga Süd fand in Kaufbeuren statt und lockte 2000 Fans an. Mindelheim verlor 0:1 nach Verlängerung und musste den Traum vom Aufstieg begraben.

1984 letztes Tor für den TSV

In der Saison 1982/83 kam der TSV Mindelheim über einen fünften Platz nicht hinaus.

Doch ein Jahr später, in der Saison 83/84, war es dann soweit: Der TSV Mindelheim wurde mit einem Vorsprung von vier Punkten vor dem TSV Landsberg Meister der Bezirksliga Süd und stieg in die Landesliga auf. Das letzte Tor der Meistersaison schoss beim 1:1 gegen Neugablonz Franz Roth. Es sollte sein letzter Pflichtspieltreffer für den TSV sein.

Drei Jahre kickte Roth in Mindelheim, wurde zum Publikumsliebling und zum Schrecken der Gegner. Bei seinen gefürchteten Freistößen hatten die Gegner immer Probleme beim Aufbau der Mauer. Und wenn der << Bulle >> den Ball trat, dann zerfiel diese meist rasant, denn der Ball kam schon damals mit über 130 Stundenkilometern angerauscht.

Der Grund, warum sich dann die Wege trennten: << In der Landesliga fielen ganz andere Wege an, der Samstag wäre dann ganz weggefallen. Und viele Kunden kommen halt in mein Sportgeschäft, um von mir persönlich bedient zu werden >>, sagt Roth, der im Frühjahr seinen 65. Geburtstag feierte. Der Ex-Nationalspieler steht auch heute noch in seinem Geschäft und diskutiert mit seinen Kunden über die herrlichste Nebensache der Welt: den Fußball

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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