Medizin
Warten auf ein Spenderherz

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Zuerst fällt sie kaum auf, die unscheinbare Tasche, die Matthias Schön stets bei sich trägt. Sie könnte gut seine Autopapiere enthalten, vielleicht die Autoschlüssel, den Ausweis und ein Foto seiner Lieben daheim. Nichts davon ist richtig. An dieser Tasche hängt sein Leben. Sie steckt voller Medizintechnik - ein Akku, der unermüdlich Stromstöße abgibt. Diese laufen über ein Kabel in seinen Brustbereich und versorgen die große Herzkammer mit Blut. Auch sein Herz ist eine Maschine, ein Kunstherz.

Bis vor Kurzem kannte der 46-Jährige keine größeren Erkrankungen. Er arbeitete bei Daimler in Untertürkheim bei Stuttgart, war zufrieden mit seinem Leben. Im November 2010 war es ihm dann beim Treppensteigen plötzlich schwindlig geworden. Ein paar Tage später wurde ihm am Arbeitsplatz schwarz vor Augen. Ein Arzt wurde hinzugezogen. Weitergehende Untersuchungen folgten. Dann stand die bittere Wahrheit fest: Matthias Schön leidet an einer schwerwiegenden Herzerkrankung. Ein harmloses verschlepptes Fieber sei die Ursache, erzählt er.

Im Januar musste er sich einer Herzoperation in Freiburg unterziehen. Die Erkrankung hatte sich als so gravierend herausgestellt, dass das Herz nicht mehr zu retten war. Weil aber kein Spenderorgan zur Verfügung stand, blieb nur die Notlösung Kunstherz.

Mit diesem lebt Schön seither erstaunlich selbstständig. Sein Leben hängt an dieser Apparatur, an diesem Kabel im Bauch. Inzwischen kann er sogar schon wieder Auto fahren.

Alle zwei Tage ist Matthias Schön Kurzzeitgast des Kreisklinikums Mindelheim. Oberarzt Dr. Tilmann Pohl untersucht den Patienten. Vor allem sieht er sich die Wunde genau an, durch die das Stromkabel in den Körper geführt wird. Das ist, wenn man so will, die Achillesferse dieser Lösung. Der Ärztliche Direktor der Kreiskliniken, Privatdozent Dr. Peter Steinbigler, sagt, die Wunde müsse so infektfrei wie möglich gehalten werden. Eine Entzündung könnte schlimmste Folgen haben. Alle zwei Tage wird deshalb ein neuer Wundverband angelegt. Schön nimmt die Krankheit erstaunlich gefasst. Dr. Steinbigler sagt, es sei äußerst wichtig, dass Patienten in einer solchen Lage psychisch stabil sind. «Man muss positiv eingestellt sein.»

Das ist letztlich auch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass jemand überhaupt für ein Spenderherz in Frage kommt. Noch steht Schön aber wie rund 600 bis 700 Patienten auf der Warteliste für ein neues Herz. Etwa 350 können pro Jahr versorgt werden. «Wir würden uns von ärztlicher Seite her wünschen, dass die Spendenbereitschaft höher wäre», sagt Steinbigler. Noch gilt allerdings der Grundsatz: Organspender ist nur, wer dazu ausdrücklich seine Einwilligung gegeben hat.

Die Überlebensrate wird mit fortschreitender Hochleistungsmedizin immer besser. 65 Prozent der herztransplantierten Patienten leben fünf Jahre und länger. Inzwischen gibt es bereits Patienten, sagt Steinbigler, die seit 30 Jahren mit einem fremden Herzen ein erfülltes Leben führen können. Schön hat gute Chancen auf ein langes Leben - wenn er denn ein geeignetes Spenderherz bekommt.

Ausweise Spenderausweise der Deutschen Stiftung Organtransplantation gibt es bei Ärzten, in Apotheken und bei Banken. Infos unter www.dso.de

 

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