Handwerk
Traditionelles Handwerk: Tischlergeselle Niklaas Krasnenko auf der Walz

Die Abenteuerlust blitzt ihm aus den Augen, wie er da so in seiner Kluft vor der Werkstatt steht: schwarzer Hut, kragenloses weißes Hemd, Manchesterweste- und Schlaghose, schwarze Schuhe, den Stenz (Stock) fest in der Hand.

Doch um als Geselle auf Wanderschaft zu gehen, braucht es mehr als jugendlichen Überschwang, das wird im Gespräch mit Niklaas Krasnenko schnell klar. Niklaas ist Mitglied der Vereinigung der rechtschaffenen fremden Zimmer- und Schieferdeckergesellen und seit Ende des vergangenen Jahres 'auf Reisen', wie er es nennt.

An sich nichts Ungewöhnliches, wenn ein 22-Jähriger nach der Ausbildung die Welt kennenlernen will. Doch wenn er dabei auf Handy und eigenes Auto verzichtet, größtenteils nur per Anhalter oder zu Fuß unterwegs ist und sich außerdem verpflichtet, drei Jahre und einen Tag nicht nach Hause zu kommen, dann ist das nicht alltäglich.

Noch dazu wenn man den Verhaltenskodex der Vereinigung (Schacht) kennt, nach dem Niklaas versprochen hat zu handeln: 'Die Wahrheit zu sagen. Versprechen zu halten. Die Verantwortung für persönliche Fehler übernehmen, im Beruf und täglichen Leben. Zu sein, wer man zu sein behauptet, zu tun, was man zu tun ankün­digt. Das sind die Tugenden der Rechtschaffenheit.'

Das würde den meisten zuviel abverlangen. Und wie sieht er es? 'Jeder ist für sich selbst verantwortlich und muss das Beste aus seinem Leben machen', sagt Niklaas. 'Mich interessiert was andere Menschen denken und fühlen. In welchen verschiedenen Kulturen sie leben. Es ist andauernd etwas anderes hip und modern, das ist aber nicht wichtig. Es gibt feste Werte wie Kameradschaft oder Verantwortung – das zählt.

Unsere Regeln innerhalb des Schachts haben alle Sinn und Zweck, deshalb kann man sie auch leicht befolgen.' Die Reaktionen in seiner Familie hoch oben im Norden, in Dithmarschen, waren durchwachsen. Der Vater war begeistert, dass der jüngste seiner fünf Söhne auf Wanderschaft geht. Die Mutter wollte ihn nicht gehen lassen, war doch ein Bruder schon seit einem Jahr auf der Walz.

Doch letztendlich häkelte sie ihm seine schwarze Ehrbahrkeit (eine Art Krawatte), an dem das goldene Handwerkswappen seiner Zunft befestigt ist, und ließ ihn ziehen. Auch die Freundin war 'eher weniger begeistert'. Doch Niklaas ist sich sicher: 'Wenn die Beziehung was taugt, hält sie das aus.' Im ersten Jahr seiner Wanderschaft darf er nur deutschsprachige Länder bereisen, ab dem zweiten Jahr steht ihm die ganze Welt offen, denn der Schacht unterhält überall so genannte Herbergen, Treffpunkte und Anlaufstelle für alle Mitglieder, reisende Fremde oder Einheimische.

Und so ist er nach einer etwas unbequemen Nacht im Foyer der Raiba bei der Schreinerei Hölzle in Erkheim gelandet. Deren Inhaber Dieter Häring ist begeistert. 'Ich kann nur jedem raten, einen Wandergesellen aufzunehmen. Das ist für alle ein großer Gewinn!'

Für Niklaas ist die Sache nach einem knappen halben Jahr Wanderschaft klar: ' Frei und unabhängig zu sein, das ist das Beste. Man kann mit sehr wenig auskommen. Entweder man will, oder man will nicht. Seinen eigenen Weg gehen zu können, das ist richtiger Luxus.' Weitere Info unter www.rechtschaffene-zimmerer.de

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