Verkehr
Sicherheit er-fahren auf dem Übungsplatz der Verkehrswacht Mindelheim

Der Morgennebel hat sich kaum über die Baumwipfel erhoben, die Sonne gerade ihre ersten Strahlen gen Erde geschickt. Es ist ungewöhnlich früh für die etwa 20 jungen Menschen, die am Rande des großen geteerten Platzes in Altensteig bei Dirlewang im Halbkreis stehen. 'Sicherheit durch fahrerisches Können', skandiert der Herr, der vor ihnen steht. 'Das sollen Sie heute hier er-fahren.'

Manfred Groß hat diese Worte schon oft gesagt. Bis zum April dieses Jahres war er 32 Jahre lang Vorsitzender der Verkehrswacht Mindelheim. Das Programm 'Könner durch Er-fahrung', führt er mit diversen Helfern bereits seit 27 Jahren durch.

'Die Verkehrswacht Bayern hat dieses Programm aus der Erkenntnis heraus entwickelt, dass junge Fahrer in sehr großem Maße an Unfällen beteiligt sind', erklärt er. Junge Leute, die ihre Fahrerlaubnis seit weniger als zwei Jahren besitzen, können hier einen halben Samstag lang ihr fahrerisches Können austesten und mehr über ihr Fahrzeug lernen, als die Fahrschule ihnen beibringen kann.

Das wollen wir ausprobieren und setzen uns selbst hinters Steuer. Entgegen der Erwartung werden wir nicht mit aufwändigen Brems- oder Schleudereinlagen konfrontiert, sondern mit einer Geschicklichkeitsübung, bei der das Auto mit der Motorhaube ganz leicht einen Pylonen berühren soll ohne dass dieser umkippt.

Auch die folgenden Übungen sind zwar durchaus knifflig, für den Zuschauer jedoch eher unspektakulär. 'Das hier ist kein 'Fahrsicherheitstraining'. Wir nennen es bewusst 'Fahrfertigkeitstraining', denn es geht hauptsächlich darum, den jungen Leuten ein besseres Gefühl für ihr Fahrzeug zu vermitteln', stellt Groß klar. 'Und das fängt bei vermeintlich einfachen Dingen wie dem richtigen Einschätzen der Fahrzeugdimensionen an.'

Für Fahranfänger kostenlos

Über die Jahre hat sich das Programm immer recht vieler Teilnehmer erfreut. Kein Wunder, kostet es doch die jungen Leute absolut nichts. Im Gegenteil – unter allen bayerischen Teilnehmern werden sogar hochwertige Preise wie Bausparverträge, Ferienaufenthalte oder Autos verlost.

Dass das nicht ohne einen gewissen finanziellen Aufwand zu bewältigen ist, liegt nahe. Die Mindelheimer Verkehrswacht befindet sich diesbezüglich in einer äußerst komfortablen Situation: 'Der Freistaat Bayern gibt uns für jedes Fahrtraining einen Zuschuss. Darüber hinaus sind wir sehr glücklich, dass die hiesige Sparkasse das Projekt mitfinanziert', zeigt Groß sich erfreut.

Doch nicht nur in finanzieller Hinsicht können die Verkehrserzieher auf Unterstützung bauen. Auch von offizieller Seite wird seit Jahren zum Erfolg des Projektes beigetragen. Der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather lädt alle einjährigen Führerscheinbesitzer schriftlich ein, das Training kostenlos zu absolvieren.

'Wir bemühen uns seit Jahren um eine immer bessere Führerscheinausbildung', erklärt Weirather. 'Und trotzdem müssen wir sehen, dass das oftmals nicht genug ist. In diese Lücke wollen wir mit Programmen dieser Art gehen, denn letztendlich geht es ja darum, den jungen Menschen traumatische Unfallerlebnisse zu ersparen.'

Damit wir lernen, diese zu vermeiden, dürfen wir letztendlich doch noch ein wenig Gas geben. Zügig fahren wir auf Fahrlehrer Karl-Heinz Fetschele zu, von dem uns nur eine Reihe oranger Verkehrsleitkegel trennt. Im letzten Moment hebt er den linken Arm, wir reißen das Lenkrad herum, das Auto wirft einen Kegel um und wir kommen neben Fetschele zum Stehen. 'Beide Arme ans Lenkrad, dann tut man sich viel leichter mit lenken', kommt prompt die Kritik. 'Das versuchen wir gleich nochmal.'

Fatale Unfälle vermeiden

'Oftmals kommen bei den Trainings Verhaltensweisen zutage, die mit der Fahrschulausbildung wenig zu tun haben', erzählt Groß. 'Eigenheiten eben' Wie das Lenken mit einer Hand, während die andere lässig auf dem Ganghebel liegt. Und diese führten nur allzu oft zu fatalen Unfällen, so Groß.

Doch auch hier kann ein Training helfen: 'Die Unfallforschung des ADAC hat im Rahmen einer Untersuchung festgestellt, dass diejenigen Fahranfänger, die an einem Fahrfertigkeitstraining teilgenommen haben, zu einem Drittel seltener an Unfällen beteiligt sind.'

Auch Landrat Weirather ist von dem Nutzen der Kurse überzeugt: 'Ich selbst hatte derlei Angebote zu meiner Fahrschulzeit leider noch nicht zur Verfügung. Aber auch wenn ich nicht beispielhaft vorangehen kann denke ich, dass gerade die noch ausbildungsfähigen jungen Menschen von diesem Angebot regen Gebrauch machen sollten.'

Inzwischen ist der Nebel verschwunden, die Sonne strahlt in aller Kraft und die letzten Kursteilnehmer üben noch im Schatten Einparken, nachdem die praktischen Übungen vorbei sind. Ehrenvorsitzender Groß betont, wie wichtig ihm die 'gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr' sei.

Was oftmals fehle, sei die Gelassenheit der Fahrer. 'Wenn ein anderer einen Fehler macht, dann sollte man nicht versuchen, sein Recht durchzusetzen, sondern den Fehler des anderen mit dem eigenen Fahrverhalten auszugleichen.' Wer das beherzigt, so Groß, der sei am ehesten vor Unfällen geschützt.

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