Ehrenamt
Selbst erfahrene Hilfe weitergegeben

Im Leben von Hanni Hofer aus Oberkammlach haben sich im Laufe von 54 Jahren schon viele Türen geöffnet. Ganz reale natürlich, und «Herzenstüren», die ihr Leben bereichern und ihm vielleicht auch eine bestimmte Richtung gegeben haben. Ihre Mutter zum Beispiel, die ihr damals nicht ohne Pragmatismus die Tür zu ihrem heutigen Traumberuf aufgehalten hat. Eigentlich hatte Hanni Hofer Erzieherin werden wollen. Die Mutter riet zur Krankenschwester - einem Beruf, der sie bis heute im Blindenheim in Pfaffenhausen glücklich macht. Und ihre Mutter war es auch, die ihr - das wurde ihr erst kürzlich so richtig bewusst - auch die Tür zu einem erfüllenden Ehrenamt aufgetan hat: Seit rund vier Jahren engagiert sich Hanni Hofer als Hospizhelferin für das Haus St. Josef in Mindelheim.

«Ganz, ganz große Stütze»

1988, als ihre Mutter im Sterben lag, war sie von diesem Ehrenamt noch weit entfernt. «Ich habe schon viele Menschen sterben sehen. Aber da war ich einfach Tochter», erklärt sie ihre damalige Hilflosigkeit. Eine «ganz, ganz große Stütze» sei ihr in dieser Zeit ihre Schwester gewesen. «Sie hat gesagt: ,Ich geh den Weg mit Dir und der Mama.» Die Hilfe, die sie damals selbst erfahren hat, versucht sie heute an die Sterbenden und ihre Angehörigen weiterzugeben. Gerade erst hat sie wieder einen Einsatz gehabt und einen Todkranken in seinen letzten Tagen täglich ein Stück begleitet. Aber geht nicht gerade da, am Lebensende, eine Tür endgültig zu? Hanni Hofer schüttelt sanft lächelnd den Kopf, man sieht, dass sie nach den richtigen Worten sucht. «Natürlich geht eine Tür zu», sagt sie nach kurzem Überlegen.

«Aber als Christ darf ich sagen: Es gibt ein ewiges Leben. Es gibt eine Tür zum Leben am Lebensende.»

Dank zum Abschied

Zu einem guten Abschied gehört für Hanni Hofer, danke zu sagen. «Da muss man keine großen Worte machen. Ich sage zum Beispiel einfach: ,Danke, dass ich Sie begleiten durfte.» Die Sterbebegleitung habe sie dankbarer und zufriedener gemacht und die Sicht auf das eigene Leben verändert. Angesichts des Leids, das ihr oft begegnet, könne man «demütig werden». Und dann sind da natürlich die Menschen: «In der Begegnung mit ihnen werden mir Türen aufgetan. Das finde ich schön, spannend und vielfältig.»

Als die eigenen vier Kinder noch kleiner waren, hat Hanni Hofer eine Stillgruppe geleitet, aus der enge Freundschaften hervorgegangen seien, die sie «absolut nicht missen möchte». Und dann gibt es da noch einen Türöffner, wenn man so will einen übergeordneten, ihren Glauben: «Er ist für mich Türöffner und gibt mir Halt, wie ein Türstock, an den man sich anlehnen kann.» Ohne ihn, da ist sie sich sicher, wäre vielleicht manche Türen in ihrem Leben verschlossen geblieben. Die realen und die Herzenstüren.

 

Hanni Hofer ist vielfältig engagiert und hat deswegen einen vollen Kalender. Doch sie genießt ihre Tätigkeiten und schöpft daraus auch viel Freude und Kraft. Foto: Baumberger

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