Backen
Sabrina Huber aus Mindelheim macht Tortenträume wahr – und isst am liebsten schlichten Käsekuchen

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Mitten auf der Kaffeetafel, direkt neben der Teekanne, hat jemand eine knallrote Handtasche vergessen. Aber da kommt die Besitzerin ja schon. Doch statt zur Tasche greift sie zu einem Messer – und schneidet die Tasche auf. <%IMG id='1605565' title='Motivtorten'%>

Die ist – anders als es das Markenemblem vermuten lässt – nämlich kein Werk von Chanel, sondern eine Motivtorte von Sabrina Huber aus Mindelheim. Ebenso wie die Teekanne übrigens, die statt Tee Buttercreme enthält.

Die 32-Jährige hat schon als Kind leidenschaftlich gern gebacken und ihr Hobby vor rund zwei Jahren mehr oder weniger zwangsweise zum Beruf gemacht. Ursprünglich wollte sie nämlich einfach nur die tollen Torten nachbacken, die sie im Internet entdeckt hatte. 'Aber so viel kann man ja gar nicht essen', sagt die Mutter von vier Kindern. 'Und es geht auch ins Geld.'

Deshalb hatte sie die Idee, die aufwändigen Torten auf Wunsch für Freunde und Bekannte zu backen. Die sollten nur die Materialkosten übernehmen, während sie ihre Arbeit als Übung verbuchte und nicht in Rechnung stellte. Dieses Angebot sprach sich schnell herum – auch bis zum Gewerbeaufsichtsamt, das dem Ganzen einen Riegel vorschob: Um weiter ihrem Hobby frönen zu können, musste Sabrina Huber ein Gewerbe anmelden.

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Einfach drauflosbacken darf die gelernte Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte deswegen aber noch lange nicht: Weil sie keine Konditorin ist, geschweige denn Konditormeisterin, darf sie die Torten für ihre Kunden nicht selbst backen, sondern lediglich beim Bäcker gekaufte Ware verzieren.

Und auch das nicht etwa in der heimischen Küche, sondern in einer extra angemieteten Gastro-Küche in Bad Wörishofen: Mit Backofen, Herd und allem drum und dran – das Sabrina Huber freilich gar nicht nutzt, weil sie auch die Zuckermasse, den sogenannten Fondant, für ihre Kreationen nicht selbst herstellen darf.

'Eigentlich brauch ich ja bloß einen Tisch', sagt sie – und natürlich jede Menge Werkzeug, das sie von zuhause mitbringt, weil das wiederum nicht zur Grundausstattung einer Profi-Küche gehört.

In ihrer eigenen sind vier Schubladen prall gefüllt mit Ausstechern, Modellierwerkzeug sowie Silikonmatten und -formen: Damit lässt sich der Fondant wahlweise in filigrane Spitze, verschiedenste Ornamente, einen Reißverschluss oder auch ein Baby verwandeln, das die Tauf-Torte krönt

'In den Videos sieht man immer wieder was Neues', sagt Sabrina Huber und lacht. 'Und es kommen ja auch immer neue Trends.' Bei den Frauen sind Handtaschen von Chanel derzeit sehr gefragt, bei Kindern die aktuellen Stars aus dem Kinderfernsehen: So wurden eine Barbie-Puppe und eine Torte mit viel blauem und weißem Fondant zu Eiskönigin Elsa.

Leuchtend gelb ist dagegen der Minion, der schreiend vor einem Stück Geburtstagstorte sitzt. Und kürzlich hat Sabrina Huber die Hauptfiguren der Serie 'JoNaLu', die beiden Mäuse Jo und Naja sowie Marienkäfer Ludwig, für eine Torte modelliert.

Beigebracht hat sie sich das alles selbst – und im Laufe der Jahre beispielsweise gelernt, dass sich Fondant viel leichter verarbeiten lässt als Marzipan, weil er nicht so schnell reißt. 'Auf’s erste Mal klappt das nicht', gibt Sabrina Huber zu. 'Das braucht echt Übung – und Geduld.' Mit der Eisprinzessin etwa war sie fast fünf Stunden beschäftigt und auch ihre eigene Hochzeitstorte – dreistöckig mit Pfingstrosen – hat sie einiges an Zeit und Nerven gekostet:

'Das war die Schlimmste in meinem ganzen Leben. Ich hab so geschwitzt', sagt sie, lacht und zeigt auf ihrem Handy eine Hochzeitstorte, die sie auch mal gerne machen würde: Sie ist ebenfalls dreistöckig und kommt mit Ankern und Seilen ganz maritim daher. 'Das ist dann schon Profiliga', sagt sie, 'aber so hochkompliziert, wie das ausschaut, ist das gar nicht.'

Richtig schwer seien oft die Sachen, die eigentlich ganz einfach ausschauen. Demnach dürfte die tortegewordene Rolex, mit der sie ihren Mann zum Geburtstag überrascht hat, eigentlich kein Problem gewesen sein.

Zurzeit dekoriert sie durchschnittlich eine Torte pro Woche. 'Für mich ist das super', sagt Sabrina Huber. 'Ich kann meinem Hobby nachgehen, mir was dazuverdienen und mir meine Zeit frei einteilen. Das ist super praktisch.'

Sie selbst übrigens gestaltet die Torten zwar leidenschaftlich gerne, essen muss sie sie aber nicht: 'Der Fondant, der ist ja pappsüß, des kannst ja nicht essen', sagt sie und greift deshalb statt zur Chanel-Handtasche lieber zum Käsekuchen.

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