Tierschutz
Pferd mit Messer verletzt: Halter im Unterallgäu haben Angst vor einem Tierquäler

Ohne Scheu kommt ein Pferd auf den unbekannten Besucher auf der Weide zu. Der tägliche Kontakt zum Menschen macht das Tier zutraulich. Pferde sind über Jahrhunderte als Haus- und Nutztiere vom Menschen gezüchtet worden. Diese Freundlichkeit nutzen offensichtlich immer wieder Täter aus, die die Tiere verletzten, wie unlängst auf einer Weide bei Pfaffenhausen.

Der Fall hat alle Pferdehalter in der Region alarmiert: Ein bislang Unbekannter hatte ein Pferd schwer verletzt. Der Täter traktierte das Tier im Genitalbereich offenbar mit einem Messer. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten sprach von einer mutwilligen Tat.

Noch laufen die Ermittlungen. Denkbar sei auch, fügte der Polizeisprecher an, dass die Verletzungen fehlinterpretiert werden und es sich um eine Verletzung handelt, die sich das Pferd selbst zugefügt hat.

Die Mindelheimer Polizei geht derzeit von einem Einzelfall aus. Es deute nichts darauf hin, dass sich das wiederhole, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeidienststelle Mindelheim, Thomas Wegst. Die Täter sind entweder generell Pferdehasser oder sie haben einen Streit mit dem Pferdehalter und rächen sich stellvertretend am Pferd, als wehrlosem Opfer.

Pferdehalter sind alarmiert

Am Sonntag war Grillfest des Reitvereins in Pfaffenhausen und niemand wusste von dem Vorfall. Margret Lutzenberger, Vorsitzende des Reitvereins erfuhr von dem verletzten Pferd auch erst aus der Zeitung. 'Mein Mann hat vor kurzem ein fremdes Auto beobachtet, das langsam an unserer Pferdekoppel vorbeigefahren ist, anscheinend um die Pferde zu beobachten. Das muss nichts bedeuten, aber jetzt, mit dieser neuen Information überlegt man schon: Hat das etwas damit zu tun?'

Lutzenberger erzählt auch, dass bei den Stammtischen des Kreisverbands über das Thema 'Pferdeschänder' gesprochen wurde. Dabei gibt es immer wieder Beobachtungen vor den Vorfällen mit langsam fahrenden Autos bei den Pferdekoppeln. 'Wenn jemand, sei es Spaziergänger, Radler oder Landwirt etwas Seltsames an Pferdekoppeln beobachtet, soll er doch bitte umgehend den Pferdehalter oder die Polizei informieren,' so die Bitte von Margret Lutzenberger.

Sie hat zwei Wallache, nach denen sie jeden Tag mindestens einmal schaut, auch wenn sie mal unterwegs ist, kommt sie spätabends nochmals auf die Koppel um nach dem Rechten zu sehen. Haben die Pferde genug Wasser, genug Futter und ist sonst alles in Ordnung?

Eine Bekannte, die von ihrem Haus aus die Koppel sehen kann, rief einmal bei ihr an, weil nachts ein Auto bei der Koppel gehalten hatte, sie hätte die Scheinwerfer gesehen. 'Das war ich ja selbst,' so Lutzenberger, 'aber beruhigend zu wissen, dass jemand schaut.'

Auch Heidi Kappes-Hold hat Pferde. Das Gestüt ist so groß, dass ein Mitarbeiter bei den Ställen wohnt, und Wohnhäuser grenzen an die Weiden, sodass immer Menschen in der Nähe sind. 'Bei mir ist noch nie etwas in dieser Richtung passiert,' sagt sie und auch sie bittet darum, auffällige Autos oder generell auffällige Beobachtungen an Pferdekoppeln zu melden, sich das Kennzeichen zu merken.

Fälle nahe Mindelheim, in Buchloe und Kaufbeuren

Verletzungen beim Pferd, bei denen unklar ist, wie das Pferd sich diese zugezogen hat, sollten in Absprache mit dem Tierarzt bei der Polizei gemeldet werden. Die Pferdebesitzer in Pfaffenhausen werden auch weiterhin ihre Pferde draußen auf der Weide lassen und keine speziellen Sicherheitsvorkehrungen treffen. Aber ganz sicher sind sie in nächster Zeit wachsamer.

Im vergangenen Jahr hat es drei Fälle von Pferdeschändungen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West gegeben. Heuer sind es bereits ebenso viele. Dabei fällt auf, dass die Tatorte 2016 nah beieinander liegen. Zweimal schlug der Täter bei Mindelheim zu, . 2015 war Buchloe und Kaufbeuren betroffen.

Alle Vorfälle sind bisher nicht geklärt und alle sind auf Koppeln geschehen. Ob ein Zusammenhang besteht, kann die Polizei nicht sagen. Sie geht von sexuell motivierten Taten aus. Betroffen davon sind in der Region bisher ausschließlich Pferde.

Den Pferdehaltern rät die Polizei zu erhöhter Aufmerksamkeit. Koppeln sollten möglichst nicht leicht zugänglich sein. Gut wären auch Metallzäune wie um Kuhweiden. Das könnte helfen, die Tiere besser zu schützen. In jedem Fall sollte man von Fahrzeugen die Kennzeichen aufnotieren, die in der Nähe von Koppeln nichts zu suchen haben. Mit solchen Hinweisen sollte man auch nicht zögern, die nächste Polizeidienststelle zu informieren.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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