Kriminalität
Molotow-Cocktail bei Betzigau: Zusammenhang mit tödlichem Ölfleck-Anschlag?

Es sind Straftaten, die weit über die Grenzen der Region für Schlagzeilen gesorgt haben: Unbekannte hatten in den vergangenen Jahren immer wieder mit Öl gefüllte Flaschen auf verschiedene Straßen geschleudert.

Vor knapp drei Jahren, am 17. April 2011, verunglückte auf einer so entstandenen Ölspur zwischen dem Unterallgäuer Markt Rettenbach und Ottobeuren ein 37-jähriger Motorradfahrer tödlich. Vergangenes Wochenende warf ein Unbekannter einen (Oberallgäu). Ein Zusammenhang mit anderen Straftaten wird geprüft.

Die Kripo ermittelte nach dem Ölfleck-Anschlag lange Zeit mit Hochdruck. Hunderte Spuren wurden untersucht, rund 1400 Männer gingen zum freiwilligen DNA-Speicheltest. In Fernsehsendungen wurde die Bevölkerung zur Hilfe bei der Klärung des Verbrechens aufgerufen. Bis heute aber konnte kein Täter überführt werden. Im Lauf der Ermittlungen war lediglich bekannt geworden, dass es Anschläge mit gefüllten Ölflaschen bereits mehrfach in den unterschiedlichsten Gebieten Südbayerns und in Baden-Württemberg gegeben hatte.

"Der Fall wird nicht zu den Akten gelegt", sagt der Kemptener Kripo-Chef Andreas Erb. Jeder Mord - und in diese Richtung ermittelt die Kripo - werde nach einem gewissen Zeitraum "neu angepackt". Will heißen: Andere Kollegen gehen die Sache nochmals an - kommen vielleicht auf andere Rückschlüsse oder finden das eine oder andere passende Puzzlestück zur Lösung eines Verbrechens.

Die Ermittlungsgruppe Ölfleck tappt aber derzeit genauso im Dunkeln wie jene Beamten, die einen Täter suchen, der in den vergangenen Monaten über 15-mal Radschrauben an Pkw und Lastwagen gelockert hatte - vor allem im Bereich Ostallgäu und in Oberbayern. In einem Fall wurde bei einem dadurch verursachten Unfall eine 56 Jahre alte Beifahrerin verletzt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Ölfleck-Anschlägen und den Tätern, und dadurch eine große Gefahr für andere darstellen? Es gebe dazu keine Erkenntnisse, sagt Kripo-Mann Erb. Bei den Ermittlern sind die Ölfleck-Akten nach dem Vorfall bei Betzigau am Wochenende wieder aufgeschlagen worden. Ein Unbekannter hatte den Molotow-Cocktail auf eine Kreisstraße geworfen. Als die Polizei eintraf, war das Feuer bereits erloschen.

Die Beamten fanden lediglich Brandflecken und Glasscherben. Auf die drei verschiedenen Tatkomplexe (Ölflecken, gelockerte Schrauben, Molotow-Cocktail) angesprochen, sagt Kriminalist Erb: "In jedem Fall waren absolute Spinner am Werk." Ein Motiv sei nicht nachvollziehbar. Man habe die unterschiedlichen Taten miteinander verglichen, daraus aber keine neuen Schlüsse ziehen können.

Im Hinblick auf die Ölfleck-Anschläge hatte eine Kripo-Fachabteilung "Operative Fahndungsanalyse" ein Psychogramm der Täter erstellt. Demnach handelt es sich nicht unbedingt um Motorradhasser, sondern es gehe den Unbekannten in erster Linie darum, Macht auszuüben. "Der Täter berauscht sich in solchen Fällen an dem Machtgefühl", sagt Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Institut Niedersachsen.

Der tödliche Ölfleck-Anschlag jährt sich in gut zwei Monaten zum dritten Mal. Selbst die Kripo vermag nicht zu sagen, ob das Verbrechen je geklärt wird. Auf jeden Fall bleibt ein Unbehagen - vielleicht auch Angst. Vor allem bei Motorradfahrern, die bald in die Saison starten wollen.

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