Agrarreform
Kreisobmann der Landwirte: EU muss bei aktuellen Plänen nachbessern

Ein 'Bürokratie-Monster' bewege sich auf die Unterallgäuer Bauern zu, befürchtet Landwirt Gerhard Miller, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands. Das 'Monster' verstecke sich in den jüngst vorgestellten Plänen zur Agrarpolitik der Europäischen Union (EU).

"Diese Vorschläge bedeuten für die 2000 Unterallgäuer Landwirte überzogene Auflagen und noch mehr unnötigen Papierkram", sagt Miller.

Mit den Plänen, die Miller kritisiert, soll die Landwirtschaftspolitik ab 2014 neu geordnet werden. Neu soll dann das sogenannte Greening sein. Diese 'Begrünung' bedeutet, dass künftig Direktzahlungen an Bauern an weitere Umwelt- und Klimaschutzaspekte geknüpft werden sollen: Nur wer beispielsweise sieben Prozent seiner Ackerflächen in Randstreifen, Blühwiesen, Bienenweiden oder Ähnliches umwandelt, soll dann den vollen Förderbetrag ausbezahlt bekommen. Ansonsten drohen 30 Prozent Kürzungen.

'Das ist nicht nur bürokratisch gesehen ein totaler Wahnsinn', ärgert sich Miller, 'sondern damit werden im Unterallgäu zwangsweise 1340 Hektar Ackerland stillgelegt', rechnet er vor. 'Das wären quasi 48 Betriebe, wenn man davon ausgeht, dass ein Durchschnittsbetrieb rund 28 Hektar bewirtschaftet.'

Miller hält die Regelung für 'vollkommen unsinnig."

Durch Baumaßnahmen und Ausgleichflächen würden der Landwirtschaft sowieso schon viele Nutzflächen entzogen. 'Gleichzeitig steigt aber die Nachfrage nach Lebensmitteln, und wir sollen mehr erneuerbare Energien erzeugen', so Miller.

'Viel Arbeit, sehr kostenträchtig'

Das Greening beinhaltet noch einen zweiten Punkt, der für Miller im Unterallgäuer Raum nicht umsetzbar ist: Wenn ein Landwirt nicht mindestens drei Pflanzen aussäe, solle ein weiterer Teil der Fördersumme zurückbehalten werden. Durch diese Vorschrift wolle die EU die Vielfalt erhalten.

'Die meisten Landwirte bei uns pflanzen aber nur zwei Früchte an – Grünland und Mais – und müssten dann mit aller Gewalt noch irgendetwas Drittes anbauen. Das ist aber viel Arbeit und sehr kostenträchtig', so Miller. Dabei täten die Bauern hierzulande sowieso schon viel mehr für die Umwelt als ihre ausländischen Kollegen: 'Durch freiwillige Umweltprogramme wird mehr erreicht als durch staatliche Verpflichtungen.' Und: 'Wir setzen immer jede Verordnung bis auf die letzte Kommastelle um, und in anderen Ländern wird bei den landwirtschaftlichen Prämien beschissen. Die lachen sich ins Fäustchen.'

Auch die geplante Regelung, dass bäuerliche Kleinstbetriebe mehr Subventionen (500 bis 1000 Euro pro Jahr) bekommen sollen, bringt laut Miller den hiesigen Bauern nichts: 'Dies suggeriert, dass kleine Allgäuer Höfe mehr Geld kriegen. Aber das stimmt nicht.

Auch die haben ihre fünf bis zehn Hektar Land.' Sie fielen damit aus dem vorgesehenen Rahmen, der nur für Betriebe mit einer Fläche von maximal vier Hektar gelten solle, so Miller. 'EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos kommt aus Rumänien, dort gibt es solche Kleinstbetriebe. Mit der Regelung will er ’was für seine Landsleute tun', vermutet Miller.

Der Erkheimer Landwirt verlangt nun von Bundesministerin Ilse Aigner und ihrem bayerischen Kollegen Helmut Brunner, 'aber auch von unseren regionalen Europa-Abgeordneten, dass sie in Brüssel deutliche Korrekturen durchsetzen'.

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