Sozialtag
Kardinal Marx verteidigt in Mindelheim die katholische Soziallehre

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«Jedem Vollzeitbeschäftigten steht in unserem Land ein Einkommen zu, von dem er mit Anstand leben kann.» Diese Forderung erhob Landrat Hans-Joachim Weirather beim Sozialtag der katholischen Verbände. Mehr soziale Gerechtigkeit und Fairness im Miteinander forderten bei einer Podiumsdiskussion im Forum auch Kardinal Reinhard Marx, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, IHK-Vizepräsident Wolfgang E. Schultz, DGB-Regionsvorsitzender Werner Gloning und Landescaritasdirektor Karl-Heinz Zerrle. Unüberhörbar die Forderung vom Podium: «Das Image sozialer Berufe muss dringend aufpoliert werden.»

In der kommunalen Sozialpolitik dürfe es nicht nur um Existenzsicherung gehen, auch menschliche Zuwendung sei gefragt, mahnte Landrat Weirather. Getreu dem Motto «Fordern und Fördern», müsse aber auch jeder Einzelne Verantwortung tragen. Wie der Landkreischef machte sich auch Gloning für einen Mindestlohn stark. Zudem warnte er davor, immer mehr professionelle Arbeit auf Ehrenamtliche abzuschieben.

Strömungen und Entwicklungen wie die Globalisierung mit christlichen Maßstäben zu gestalten ist für Barbara Stamm derzeit die größte soziale Herausforderung. Richtschnur allen Handelns der Politik müsse die Menschenwürde sein, so die Präsidentin des Bayerischen Landtages. Mit ihrer Meinung wusste sie sich ganz an der Seite von Kardinal Marx, der in seiner Rede immer wieder auf die katholische Soziallehre verwies.

Besitzstandwahrung, warnte der Oberhirte, sei weder für die Politik noch für die Kirche der richtige Weg in die Zukunft.

Seinem Ärger über Auswüchse in der Sozioökonomie machte IHK-Vizepräsident Wolfgang E. Schultz Luft. 45 Prozent des Bundesetats, etwa 143 Millionen Euro würden für Arbeit und Soziales ausgegeben, informierte der Memminger Unternehmer. Das sei viel zu viel, und noch mehr würde die Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter verschlechtern, kritisierte er. Versorgung müsse täglich neu erarbeitet werden. Kapitale Forderungen, nach Mindest- oder Grundlohn hält Schultz für völlig unangemessen.

Sinnvolle Beschäftigung für Menschen mit Handicap mahnte Landescaritasdirektor Karl-Heinz Zerrle an. Auch ein Behinderter müsse soviel verdienen, dass er davon seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann.

«Brauchen uns nicht schämen»

In einem viel beachteten Impulsreferat verteidigte Marx die katholische Soziallehre gegen alle ideologischen Anfeindungen. «Wir brauchen uns für sie nicht zu schämen», betonte er. Sie sei keine Spinnerei, sondern ein Sieg der Vernunft und sollte den Verbänden wieder Lust bei der Erfüllung ihrer Aufgaben machen. Die Kirche, so der Erzbischof von München und Freising, könne keine Patentrezepte anbieten, aber Wege in die richtige Richtung aufzeigen. «Eine Kirche, die ängstlich nur darauf achtet, dass alles so bleibt, wie es ist, hat geistig bereits kapituliert.

» Energisch verurteilte der Kardinal «grenzenlose Marktgläubigkeit». Sie habe mit sozialer Marktwirtschaft nichts gemein und vermittle nur falsche Leitbilder. Gestärkt wissen will der Vorsitzende der Bayerischen Bischofskonferenz die Rechte der Familie.

 

 

 

 

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