Wochenende
Hollywood in Erkheim - Der Geräusche-nach-macher

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Türschlagen, Reifenquietschen, Schritte, Blätterrauschen oder Vogelgezwitscher. Es gibt keinen einzigen Moment im Leben ohne Geräusche. Damit das in Filmen und im Fernsehen möglichst auch so ist, gibt es Joo Fürst. Er ist Geräuschemacher. all-in.de hat ihn in Erkheim besucht.

Geht es nach Joo Fürst, gibt es ca. sieben Milliarden Geräuschemacher auf unserem Planeten. Sich selbst bezeichnet er lieber als 'Geräusche-nach-macher'. Und das tut er in einer alten Scheune in Arlesried bei Erkheim.

Inmitten dessen, was andere schlicht als Chaos bezeichnen würden, sitzt Joo Fürst an Computern und Mischpulten und vertont Filme für Kino und Fernsehen. Überall um ihn herum liegen Nägel, alte Blechdosen, Erdnussschalen. Auf dem Fußboden mehrere Lagen Bretter und unzählige unterschiedliche Schuhe.

'Das ist kein Chaos. Alles, was man hier sieht, ist mein Arbeitsmaterial. Die Dinge haben genau dort, wo sie liegen, ihren Platz', sagt Fürst und zieht wie zum Beweis ein Stück Plastikfolie von irgendwo her. 'Seht ihr, ich wusste genau, dass die da liegt', lacht er.

Königsdisziplin: Schritte

Dass das stimmt, sieht man spätestens, wenn man ihm bei der Arbeit zuschaut. 'Das Schwierigste sind die Schritte', sagt er und 'läuft' mit der Figur in dem Film mit. Mann oder Frau, leicht oder schwer, schnell oder langsam? Welche Schuhe trägt die Figur? In welcher Stimmung geht sie über welchen Untergrund? Beton? Schnee? Rasen? Schritte hören sich niemals gleich an.

Dann folgen Bewegungsgeräusche, also das Rascheln von Kleidung beispielsweise. 'Die sind sehr wichtig', sagt Fürst, 'wenn die fehlen, dann fehlt uns auch was beim Zuschauen'.

Den Ton vor Ort fertig aufzunehmen, scheint nahezu unmöglich: 'Da am Set hat man gerne mal 150 bis 200 Leute. Die reden alle durcheinander, dann spielen da fünf bis sechs Schauspieler, es gibt viele Umgebungsgeräusche, die nicht in den Film sollen. Da wird der Ton am besten nachher in Studio gemacht', erklärt der gebürtige Österreicher.

Gerade vertont er eine Szene aus dem Film: 'Was machen Frauen morgens um halb vier'. Darin holt eine Bäckerin ein großes Backblech aus dem Regal und stellt es vor sich ab. Sie streicht Brezeln mit Lauge ein und bestreut sie mit Salz. Alles läuft völlig tonlos ab. Joo Fürst haucht der Szene jetzt Leben ein.

Die Szene dauert nur wenige Sekunden aber in ihr stecken mehr Geräusche, als man denkt: die Schritte der Bäckerin, das Scheppern des Backbleches beim abstellen, Streichgeräusche beim Behandeln der Brezeln. Schließlich noch das Rascheln, das die Kleidung von sich gibt.

Kein Geräusch in dieser Szene wurde beim Filmdreh berücksichtigt, jedes davon kommt aus Joo Fürsts Studio.

Hollywood kommt ins Unterallgäu

Nach Hollywood will Fürst nicht. Hollywood kommt aber manchmal zu Joo Fürst. Wie damals, als er für den Film 'Underworld' die Geräusche machen durfte. Auch der erfolgreiche Film 'Sommer in Orange' wurde von Fürst vertont.

Joo Fürst und seine wenigen deutschen Kollegen haben einen sehr alten Beruf. 'Im Prinzip hat sich vom griechischen Amphitheater von vor über 2000 Jahren bis zu den heutigen 3D Blockbustern nicht viel geändert: Da sitzt noch immer ein Mensch, der Geräusche nachmacht', sagt der Geräusche-Nachmacher.

'Wenn in irgendeinem Film eine Tür knallt, dann knallt sie bei einem Geräuschemacher im Studio'. Und vielleicht in einer alten Scheune in Arlesried.

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