Insekten
Hassmanns kleines Dschungelcamp

Die Mehlwürmer kündigen sich schon an, bevor man vor ihnen steht. Ein säuerlicher Geruch informiert die Nase über die Anwesenheit der kleinen, gelben Larven, die sich zuhauf in einem Plastikbehälter tummeln. Es überrascht nicht, dass sich mancher Besucher in der Abteilung für Reptilienfutter im «Allgäu Zoo» in Mindelheim an die TV-Show «Ich bin ein Star, holt mich hier raus» erinnert fühlt. Dort sahen sich die Kandidaten in den vergangenen Tagen immer wieder mit Raupen, Käfern und anderem Getier konfrontiert. Der Unterschied allerdings: Die Insekten in Mindelheim landen nur im Magen anderer Tiere, beispielsweise Echsen.

Den etwas gewöhnungsbedürftigen Geruch erklärt der Erkheimer Dieter Hassmann, Eigentümer der Zoohandlung an der Landsberger Straße, in einem Satz: «Die Würmer schwitzen.» In direkter Nachbarschaft befinden sich in einem anderen Plastikbehälter die etwas größeren Schwarzkäferwürmer, darunter surren Heuschrecken in der Länge einer Visitenkarte. Schaben und Heimchen (Heuschreckenart) krabbeln in ihren Gefängnissen aus Plastik herum. Bei Bedarf, sagt Hassmann, könne er auch Kakerlaken ordern.

Mit all diesen Tieren sei es kein Problem, ein eigenes Dschungelcamp aufzumachen, sagt Hassmann mit einem Lachen. Ansonsten habe er mit dem TV-Format aber nicht viel am Hut. Gesehen habe er die Sendung bisher kaum, etwas gegen sie habe er aber auch nicht. Käfer essen und Kakerlaken auf dem Körper herumkrabbeln lassen - so, wie es die Kandidaten in der Sendung tun: Das wäre nichts für ihn, sagt Hassmann.

Auch wenn er als bekennender Asien-Fan bereits ausgiebige Erfahrungen mit entsprechenden Insekten auf der Speisekarte gesammelt habe. Eigentlich sei es mehr die Natur gewesen, die ihn auf den fernen Kontinent zog. Dennoch gehöre es dazu, auch die lokale Küche zu untersuchen. Mit frittierten Heuschrecken oder Ameiseneiern kann Hassmann aber nicht so richtig etwas anfangen - der Fettgeschmack übertünche schließlich alle anderen Aromen des Insektes.

«Bei Augen hörts bei mir auf»

Generell ekeln würde er sich aber nicht. «Nur bei Augen hörts bei mir auf», sagt Hassmann und greift wie zum Beweis mit beiden Händen in den Mehlwurm-Bottich. «Die haben einen hohen Eiweiß- und Proteinanteil», sagt er mit einem Lächeln und tut für einen Moment so, als würde er einen Biss riskieren.

Aber nein, roh habe er die Würmer bisher noch nie probiert und das werde aller Voraussicht nach auch so bleiben. Das Leben ist eben keine TV-Show. (eisl)

 

Das große Krabbeln ist für Dieter Hassmann ganz alltäglich. In seinem «Allgäu-Zoo» verkauft er zum Beispiel Mehlwürmer als Futter für Reptilien. Foto: Eisele

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