Interview
Gerüstet in die Pilzsaison

Mit dem nahenden Ende des Sommers zieht es wieder die ersten Pilzsammler in die Wälder. Dr. Manfred Fischer ist seit Kurzem offizieller Pilzberater im Landkreis Unterallgäu. Hier gibt der Apotheker aus Dirlewang Tipps für alle Pilzsuchenden.

Herr Dr. Fischer, für Sie sind Pilze nicht nur eine Zutat für leckere Gerichte. Warum?

Fischer: Neben der Tier- und Pflanzenwelt sind Pilze ein eigenes Reich. Es gibt mehr Pilz- als Pflanzenarten, gewiss auch Arten, die noch gar nicht entdeckt wurden. Der Fruchtkörper, auf den es der Pilzsammler abgesehen hat, ist der kleinste Teil des Pilzes. Die langen Pilzfäden wachsen verborgen unter der Erde. Pilze sind natürliche Müllverwerter und verdauen organisches Material, etwa Fichtennadeln, Laub und auch tote Tiere. Ohne sie würde es im Wald chaotisch aussehen.

Was sollten Pilzsammler beachten?

Fischer: Wichtig sind Grundkenntnisse, welche Pilze überhaupt genießbar sind. Völlige Neulinge sollten sich von einem erfahrenen Sammler begleiten lassen. Lehrreich sind auch die herbstlichen Pilzwanderungen, die zum Beispiel über die Volkshochschulen in Türkheim und Bad Wörishofen angeboten werden. Grundsätzlich gilt: Nur in Maßen sammeln! Das ist nicht nur besser für die Natur, es ist auch besser für die Gesundheit! Pilze sind zum Teil noch immer radioaktiv belastet. Zudem gibt es Arten, die Schwermetalle ansammeln. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als 250 Gramm Pilze pro Woche zu essen.

Wenn beim Sammeln nun doch mal Unsicherheit aufkommt, um was für ein Exemplar es sich handelt?

Fischer: Dann ziehen Sie unbedingt einen Pilzberater zurate. Am besten bringen Sie den ganzen Pilz mit, also mit der Stielbasis. Im Optimalfall legen Sie ein jüngeres und ein älteres Exemplar ungeputzt vor.

Haben Sie noch Tipps für die Verarbeitung von Speisepilzen?

Fischer: Betrachten Sie jeden Pilz genau! Manchmal wachsen mehrere, optisch ähnliche Arten nebeneinander – auch Speisepilze neben giftigen Exemplaren. Transportieren Sie Pilze luftig und verzehren Sie diese nur jung und frisch. Pilze zersetzen sich schnell, dabei können Giftstoffe entstehen. Roh sind sehr viele Pilzarten giftig! Ein genügend langes Erhitzen, mindestens 15 Minuten bei 80 Grad, ist deshalb sehr wichtig. Übrigens: Wenn Sie ein frisch gekochtes Gericht aus jungen und frischen Speisepilzen im Kühlschrank lagern und am nächsten Tag aufwärmen, können Sie es bedenkenlos essen.

So erreichen Sie den Pilzberater:

• Dr. Manfred Fischer, Mindeltal Apotheke in Dirlewang, Mindelheimer Str. 12. Bitte vorher telefonisch anmelden unter (0 82 67) 3 69.

• Bei möglichen Vergiftungen erreichen Sie den Giftnotruf unter Telefon (0 89) 1 92 40.

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