Prozess
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Drückerkolonne: Chef steht vor Gericht

Der Chef einer Drückerkolonne aus Mindelheim wohnte und agierte fünf Jahre lang in einer Gemeinde im Landkreis Lichtenfels (Oberfranken). Seine Mitarbeiter wurden von dort aus zum Hausieren geschickt. Dabei boten sie Telefonverträge und Zeitschriftenabonnements feil. Nun muss sich der 48-jährige Chef vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Coburg verantworten. Die Vorwürfe: Vorenthalten und Veruntreuung von Arbeitsentgelt in Höhe von rund 310000 Euro in insgesamt 103 Fällen.

Die Anklagebank musste der Kaufmann schon einmal in diesem Jahr wegen einer Reihe von Straftaten im Lichtenfelser Amtsgericht drücken. Die Vorwürfe lauteten damals: Versuchte Nötigung, Diebstahl, Unterschlagung, Körperverletzung und Beleidigung. Das Verfahren wurde aufgrund des jetzt gestarteten Prozesses in Coburg vorläufig eingestellt.

Vor Gericht wollte sich der Angeklagte nicht äußern. Laut früheren Angaben sei er noch immer in dem Job tätig, zwischenzeitlich würden jedoch Stromverträge an Haustüren verkauft. Der Teamleiter erklärte als Zeuge, dass der Sitz in eine andere Gemeinde im Unterallgäu verlegt wurde. Zum Prozess kam es im Frühherbst, da vier Ex-Mitarbeiter heimlich flüchteten und Anzeige gegen den Angeklagten erstatten. Man habe sich damals auf eine Zeitungsanzeige mit dem Wortlaut «Topjob, heute anrufen morgen arbeiten» beworben, versprochen wurden rund 500 Euro pro Monat.

In Lichtenfels angekommen, habe man zuerst das Haus des Angeklagten putzen müssen. Immer wieder sei ihnen gedroht worden, dass man sie krankenhausreif schlagen würde, wenn keine Aufträge ins Haus kommen.

Mitarbeiter aus ganz Deutschland

In der Anklage wird dem 48-Jährigen nun vorgeworfen, dass er die Drücker als Scheinselbstständige beschäftigt habe. Erneut wurden einige ehemalige Drücker aus dem gesamten Bundesgebiet vernommen. So habe der Angeklagte bestimmt, dass die Mitarbeiter im Haus wohnen mussten. Zusätzlich mussten für Kost und Unterkunft 180 Euro bezahlt werden. Jeden Morgen sei man zum Hausieren chauffiert worden. Wenn zu wenig Aufträge geschrieben wurden, habe man an Wochenenden nicht nach Hause fahren dürfen. Nur Feiertage seien frei gewesen, ansonsten gab es keinen Urlaub. Der Prozess wird fortgesetzt.

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