Auswanderer
Die Babenhauserin Ilonka Käßmeyer lebt seit August mit ihrem Mann und ihren Kindern in China

Für die zehnjährige Antonia ist es nicht immer leicht. Ihre Freunde sind elf Flugstunden von ihr entfernt. Die meisten ihrer neuen Klassenkameraden versteht sie nicht. Vieles ist anders: In der Schule trägt sie eine Uniform. Und es gibt Dinge zu Essen, die sie vorher noch nie gesehen hat. Seit August lebt Antonia zusammen mit ihrer Familie in Hangzhou - der Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang.

Dort geht sie auf die Hangzhou International School, eine internationale Schule nach amerikanischem Vorbild. Der Unterricht ist auf Englisch, ab nächstem Jahr soll Antonia auch Mandarin, also Chinesisch, lernen. Ihre Mutter, Ilonka Käßmeyer stammt aus Babenhausen.

Antonias Vater Jörgen arbeitet als Architekt bei einem großen Münchner Büro. Für ein bis zwei Jahre soll er einen chinesischen Bauherrn betreuen, der ein großes Forschungszentrum für einen Elektrotechnologiekonzern baut. Solange werden die Käßmeyers in Hangzhou bleiben, einer Stadt mit rund 6,8 Millionen Einwohnern etwa 190 Kilometer südwestlich von Shanghai.

Die Familie lebt im 15. Stock eines Hochhauses in einem sogenannten Compound, einer großen Wohnanlage mit Pool, Fitnesscenter und zwei kleinen Supermärkten. Trotzdem ist die 'Nahrungssuche' wie es Ilonka Käßmeyer scherzhaft nennt, nicht einfach: 'Ich muss schon mal eine halbe Stunde mit dem Taxi fahren, um ein gutes Brot zu bekommen.' Der Verkehr sei sehr chaotisch. Es gelte das Recht des Stärkeren.

Ihr Mann Jörgen hatte bereits einen Fahrradunfall, weil ihn eine Mopedfahrerin gerammt hat. Der Unfall ging zum Glück glimpflich aus.

Zweimal die Woche geht Ilonka Käßmeyer zum Chinesisch-Unterricht – und der trägt Früchte. 'Ich kann immerhin schon mit unserer Haushaltshilfe telefonieren und mich mit Leuten auf der Straße unterhalten – und das mit einem geschätzten Wortschatz von zehn Wörtern.' Ihr vierjähriger Sohn Oskar hat im Kindergarten einen deutschen Freund gefunden, der chinesisch spricht. Der kann ihm helfen, wenn die Sprachbarriere zu groß wird. In der Schule werde viel Wert auf Disziplin und Ordnung gelegt. An der chinesischen Mittelschule etwa beginne der Tag mit körperlicher Ertüchtigung, so die Babenhauserin.

Wenn die Kinder am späten Nachmittag nach Hause kommen, müssten sie manchmal noch bis in die Nacht hinein Hausaufgaben machen. 'Das Einzige, was in chinesischen Schulen eher weniger vermittelt wird, ist selbstständiges Handeln und Denken', so die Mutter.

Sohn Oskar gefällt es gut in China. Besonders die vielen exotischen Dinge faszinieren ihn – zum Beispiel, wenn im Supermarkt an der Frische-Theke Frösche und Schildkröten angeboten werden. Dass die hygienischen Vorstellungen in China recht großzügig gehandhabt werden, störe ihn wenig.

Vornehme Blässe bewahren

Derzeit sei die schönste Zeit in China, morgens herbstlich frisch, tagsüber um die 24 Grad. Im August machten Käßmeyer Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Die Chinesinnen würden nur mit Sonnenschirm nach draußen gehen, um sich eine vornehme Blässe zu bewahren, berichtet sie. Besorgt blickt sie dem Winter entgegen. Denn dann werde es nass und kalt und die Heizungen in China seien nicht vergleichbar mit dem deutschen Standard.

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