Buchbinder
Der Weg vom Notizblock zum Buch

Mit einem Hammer schlägt Herbert Müller auf das Buch ein. Doch er richtet dabei nicht den geringsten Schaden an. Was auf den ersten Blick ruppig erscheint, rundet den Buchrücken ab, bevor das Werk seinen Einband bekkommt.

'Jetzt schaut es wie ein Buch aus, vorher war es bloß ein Notizblock', sagt der 64-Jährige. Er zeigt, wie er Bücher per Hand bindet. Zwar haben Maschinen viele Arbeitsschritte überflüssig gemacht, doch benötigt er die traditionellen Techniken immer wieder.

Beispielsweise dann, wenn er einzelne Exemplare präpariert. Das gehört neben Sortimentsbuchbinderei oder Auflagen bis zu 500 Stück zu seinen Hauptaufgaben. In der Werkstatt liegt an diesem Tag unter anderem ein Stapel Broschüren einer Steuerkanzlei. Müller nimmt sie auseinander und bindet sie zu Büchern zusammen – als Nachschlagewerk oder für das Archiv. Ebenso landen oft verschiedene Gästebücher auf seiner Werkbank.

Müller führt die verschiedenen Schritte vor, wie aus einzelnen Blättern ein Buch mit festem Einband, Prägung und farbigen Blatträndern wird. Bei den Steuer-Zeitschriften wendet er etwa die Klebebindung an. Er spannt den dicken Stapel auseinandergeschnittener Blätter in einen sogenannten Planax Fächer ein, raut das Papier mit einem scharfen Gegenstand auf und streicht Leim zwischen die Seiten. Es muss schnell gehen Jetzt muss es schnell gehen.

Bevor der Leim trocknet, legt er ein leichtes Gaze-Gewebe auf den Rücken und trägt noch einmal Leim auf. Sobald das ganze Konstrukt zwischen zwei Pappdeckeln und unter einem 8,6 Kilogramm schwerem Bleiblock liegt, ist es erstmal erledigt. Der Leim muss bis zum nächsten Tag trocknen. 'Das ist auch der Grund, warum ein Buch nicht am gleichen Tag fertig werden kann', sagt Müller.

Am nächsten Tag wird er die gebundenen Seiten in einen selbst hergestellten Einband geben. Doch das ist nur ein Detail, eine Momentaufnahme. Ein Blick in die Werkstatt der Buchbinderei zeigt jede Menge Maschinen und Geräte: Hier eine alte, dort eine moderne Schneidemaschine.

Der Vorteil des neuen Geräts: Es vereinfacht nicht nur die Arbeit und verbessert das Ergebnis, sondern erhöht auch die Sicherheit. Lichtschranken und ein Auslösemechanismus, für den beide Hände notwendig sind, sorgen dafür, dass Buchbinder sich heutzutage viel seltener die Hände abschneiden. Auch eine Fadenheftmaschine aus dem Jahr 1957 ziert den Raum.

Und nicht nur das – sie erfüllt immer noch ihren Zweck. Eine neuere und schnellere Maschine benötigt Müller nicht. 'Da braucht man zwei oder drei Bücher, um sie einzurichten. Aber wir arbeiten ja oft mit Einzelstücken.' Wir – das sind Herbert Müller und sein Sohn Rainer (36), der die Buchbinderei zwischenzeitlich übernommen hat. Doch sein Vater will weiterhin mitanpacken, so lange seine Gesundheit es zulässt.

Dazu bereitet ihm der Beruf einfach noch immer zu viel Freude. 'Dabei war es nicht mal mein Traumberuf', sagt er und lacht. Eigentlich wollte Müller Radio- und Fernsehmechaniker werden. Doch er fand keine Lehrstelle. Also lernte er einen 'Modeberuf' – ein Handwerk, das heute durch immer mehr Preisdruck vom Aussterben bedroht ist.

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