Geburt
Der «rettende Engel» von Gottenau

Das Jahr 2010 war für Familie Herz aus Gottenau (Gemeinde Markt Rettenbach) ein besonderes. Zugegeben: Aufregend ist eine Geburt sicher immer. Aber Stephanie und Martin Herz können dennoch für sich in Anspruch nehmen, dass sich die Geburt ihrer Tochter Tabea von vielen anderen Geburten unterscheidet. Tabea kam Ende Oktober nämlich nicht wie geplant im Krankenhaus in Mindelheim zur Welt, sondern spontan im heimischen Bad - mit Unterstützung von Hebamme Susanne Kößler, die damals selbst hochschwanger war.

Als sie der Notruf übers Handy erreichte, war Kößler gerade auf dem Weg nach Mindelheim. Jetzt war Eile geboten, denn viel Zeit ließ ihr Tabea nicht. Dabei hatte so gar nichts darauf hingedeutet, dass die kleine Dame es plötzlich so eilig haben könnte. Sie hatte den Geburtstermin sogar um einen Tag überschritten und ihrer Mama Stephanie statt Wehen nur heftige Rückenschmerzen bereitet. Bei der Vorsorgeuntersuchung am Tag vor der Geburt hatte auch die Hebamme, eine Kollegin von Susanne Kößler, noch Entwarnung gegeben: «Der gehts gut. Die will noch nicht raus.»

Als Stephanie Herz am nächsten Morgen um kurz nach 6 Uhr zur Toilette ging, hatte sie immer noch keine Wehen. Dafür ihr Mann aber schon «so ein Gespür». Der 36-Jährige überredete seine Frau, schon mal die Mutter anzurufen, damit Bettina (5) und Leonie (3) nicht allein im Haus sind, wenn die werdenden Eltern zum Kreißsaal fahren müssen. Vorsorglich hat sich Stephanie Herz dann auch gleich die Zähne geputzt, die Haare gekämmt und eine Socke angezogen. «Zur Zweiten hats dann nimmer gelangt», erzählt die 25-Jährige. Sie konnte nur noch Bettina den Auftrag geben, den Papa aus dem Stall zu holen. Was für die Fünfjährige gar nicht so einfach war, wo doch das Stalltor so schwer ist und sies beinahe nicht aufgekriegt hätte.

Gewaltig ins Schwitzen gekommen

Der Papa wiederum hat sofort in der Klinik angerufen, die den Notarzt alarmiert hat - und Hebamme Kößler, die wie gesagt auf dem Weg zum Dienst war. Drei Minuten später stand sie im Bad der Familie. «Die Susi war unser rettender Engel», sind sich Stephanie und Martin Herz einig. Sie seien schon gewaltig ins Schwitzen gekommen - und zwar nicht nur, weil es im Bad so warm war.

Und auch Susanne Kößler stand der Schweiß auf der Stirn. Immerhin war sie selbst hochschwanger. Im Laufe ihres Berufslebens hat die 33-Jährige schon rund 400 Kindern auf die Welt geholfen - allerdings noch nie per Hausgeburt. Trotzdem blieb sie gelassen: «Wenns so gut läuft wie bei Tabea, braucht man nicht viel», sagt sie. «Eine Nabelklemme ist nicht ungeschickt und die hatte ich in der Handtasche und Handtücher gabs im Bad ja genug.»

Wenige Minuten später war Tabea da. Und ihre Mama so überrumpelt, dass sies erst gar nicht mitbekommen hat. Sie konnte die Kleine zunächst gar nicht auf den Arm nehmen. «Rein vom Kopf her war ich noch schwanger», sagt sie. Inzwischen kann sie über Tabeas ungewöhnliche Geburt lachen.

Damals fand sie das alles «nicht so toll». Zu einer Bekannten, die eine Hausgeburt plante, hatte Stephanie Herz noch wenige Tage zuvor gesagt: «Für mich wäre es das Schlimmste, wenn sie daheim auf die Welt käme.» Hinzu kommt, dass ihr und Tabea das Krankenhaus dann doch nicht erspart blieb: Erst gab es Komplikationen mit der Nachgeburt, dann musste Tabea mit einer Viruserkrankung eine Woche lang in die Klinik.

Mittlerweile hat die Familie die ganze Aufregung verdaut und freut sich mit ihrem «Engel» Susanne Kößler über deren Söhnchen Pius. Der hat sich an Tabea insofern ein Beispiel genommen, als er seinen Geburtstermin kurzerhand zwei Wochen vorverlegt hat. Für die Geburt selbst hat er sich - und seiner Mama - dann aber Zeit gelassen. «Ganz so schnell muss es gar nicht gehen», findet sie und Stephanie Herz widerspricht ihr nicht.

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