Schwerer Verkehrsunfall
Auto prallt gegen Baum: Vier junge Menschen (16, 17 und 18) sterben bei Markt Rettenbach

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Bei einem schweren Verkehrsunfall nördlich von Markt Rettenbach im Unterallgäu sind am späten Samstagabend ein 18 Jahre alter Autofahrer und drei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren ums Leben gekommen. Ein weiterer junger Mann wurde schwer verletzt. Alle jungen Leute kommen nach Polizeiangaben aus dem Unterallgäu.

Der 18-jährige Fahranfänger – er hatte den Führerschein erst seit vier Wochen – war mit seinem Auto von Markt Rettenbach kommend auf der Staatsstraße 2013 in Richtung Norden unterwegs. In einer langgezogenen, aber übersichtlichen Rechtskurve zwischen Lannenberg und Eutenhausen kam das Auto gegen 23 Uhr nach links von der Fahrbahn ab und krachte gegen einen am Fahrbahnrand stehenden Baum.

Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Fahrzeug in zwei Teile gerissen. Drei Insassen und der Fahrer waren vermutlich auf der Stelle tot, ein Jugendlicher wurde schwer verletzt geborgen und in eine Klinik gebracht. 'Es war einfach schrecklich, wir standen vor einem riesigen Trümmerfeld', berichtet Michael Steinle, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Markt Rettenbach.

Insgesamt 60 Feuerwehrler aus den umliegenden Orten Erisried und Eutenhausen, aus Mindelheim und Markt Rettenbach waren im Einsatz. Ihre Aufgabe: Absperren des Unfallortes, Ausleuchten und die Totenbergung. 'Das war wirklich schlimm', sagt Steinle.

Die Polizei geht davon aus, dass der Wagen mit Tempo 150 unterwegs war. 'Die jungen Leute waren in Markt Rettenbach bei so einer Art Adventsfeier und wollten nach Eutenhausen zu einem Jugendtreff in einem Bauwagen', berichtet Gerhard Zielbauer, Chef der Polizeiinspektion Mindelheim. Noch in der Nacht beschäftigt sich auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein Sachverständiger mit dem Unfallhergang. Bis 5 Uhr ist die Straße im Unfallbereich gesperrt.

Die Bilder des Grauens im Kopf

Zu diesem Zeitpunkt endet auch für die letzten Feuerwehrler die Arbeit. Kommandant Steinle sagt: 'Das war wohl einer meiner schlimmsten Einsätze'. Gegen 5.30 Uhr ist er zu Hause. Zuvor hat er noch mit Kameraden geredet: Über die Eindrücke des Grauens, über die Bilder des Dramas im Kopf. Und dann? 'Ins Bett gehen und nicht schlafen können', sagt der Feuerwehrler. 'Weil man die Bilder nicht aus dem Kopf bekommt.'

Gestern am Unfallort an der Staatsstraße 2013: Immer wieder halten Autos an, Menschen steigen aus und nähern sich der Unfallstelle. Sie haben Tränen in den Augen, umarmen sich.

Junge Leute trauern um ihre Freunde, Verwandte und Angehörige der Opfer sind fassungslos. 'Mein Neffe ist unter den Toten', sagt eine Frau. Die Trauerszenen seien 'sehr bewegend', schildert Polizeichef Zielbauer. Er erinnert auch an die vielen anderen Retter und an die Polizisten, die mit diesem schrecklichen Unglück befasst und innerlich aufgewühlt sind.

Inzwischen stehen einige Kerzen und rote Grablichter an dem Baum am Unglücksort. Glassplitter, Kunststoffteile und Kabelreste liegen verstreut in der angrenzenden Wiese und im Straßengraben. Die letzten Radspuren haben sich in den matschigen Boden eingegraben. Es riecht nach Benzin.

Ein weiß-blauer Polizeihubschrauber kreist über der Unfallstelle. Die Besatzung macht Aufnahmen aus der Luft. Solche Fotos können bei der Ermittlung der Unfallursache und bei der Klärung des genauen Hergangs von Interesse sein.

Feuerwehrleute, die in der Nacht zuvor im Einsatz waren, treffen sich zu dieser Zeit mit professionellen Helfern. Sie sollen sprechen über das Erlebte. Sie sollen sich fragen, ob sie damit fertig werden oder ob sie weitere therapeutische Hilfe benötigen. Über das alles zu sprechen, sei wichtig, sagt Feuerwehrkommandant Steinle. Denn: 'Es muss ja weitergehen.'

40 Prozent mehr Verkehrstote

Die Polizei wird möglicherweise heute weitere Einzelheiten zum Unfallhergang bekannt geben. Zugleich beschäftigt man sich im Polizeipräsidium Schwaben Süd/West mit der Frage, warum die Zahl der Verkehrstoten heuer im Vergleich zu 2015 so stark angestiegen ist. So stieg die Zahl der bei Unfällen getöteten Menschen bis Ende Oktober im Vorjahresvergleich um über 40 Prozent an. Die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt im Präsidiumsbereich hat sich in den vergangenen Jahren auf 24.000 bis 25.000 eingependelt.

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