Interview
Stefan Anderl vom FC Memmingen: Gekommen, um zu bleiben

Mit einem Auswärtsspiel beim Tabellennachbarn SV Wacker Burghausen (Samstag, 14 Uhr) startet der FC Memmingen bereits in die Rückrunde der Fußball-Regionalliga Bayern.

Die Hälfte der Runde liegt schon hinter dem Allgäuer Traditionsclub, der zu Saisonbeginn einen größeren personellen Umbruch hatte und mit Stefan Anderl auch einen neuen Trainer verpflichtet hatte.

Der 51-jährige Chefcoach und Berufsschullehrer zieht eine Zwischenbilanz.

Neuer Trainer, neues Spielsystem – die Ausbeute sind 24 Vorrunden-Punkte und Rang acht. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Anderl: Zufriedener kann ein Trainer eigentlich nicht sein. Ich hatte schon etwas Magenkrümmen bei den vielen Abgängen und vielen Neuen, die ja aus unteren Klassen kamen. Was uns auszeichnet: Wir haben ein Team und eine Mentalität. In den 17 Spielen haben wir überwiegend super gearbeitet – das ist eine Arbeitsmannschaft. Dass Stefan Schimmer als Torjäger so einschlägt, war nicht unbedingt zu erwarten. Mit Muriz Salemovic haben wir einen, der das Künstlerherz aufleben lässt. Und ein paar Neuentdeckungen wie Fabian Lutz, der sensationell spielt oder Fabian Krogler in seiner neuen Rolle auf der rechten Seite. Dazu bieten die alten Hasen, wie Martin Gruber im Tor, Stefan Heger oder Dennis Hoffmann eine gute Basis.

Geht Ihre Fußball-Philosophie in Memmingen also auf?

Anderl: Spielerisch gehören wir sicher nicht zu den zehn besten Mannschaften. Also müssen wir körperlich, athletisch dagegenhalten. Wir spielen offensiv, da gehört eine Portion Leidensbereitschaft dazu, weil die Wege nach hinten damit länger werden. Aber das machen meine Jungs.

Auswärts läuft es gut, nur zuhause könnte die Punkteausbeute besser sein:

Anderl: Da komme ich auch ins Grübeln. Aber wir haben auch daheim richtig gute Spiele gezeigt, beispielsweise auch gegen Unterhaching tollen Fußball geboten. Unterm Strich haben wir aber zuhause zu wenig Punkte geholt. Das ist schade. Das Maß aller Dinge bleibt für uns der Klassenerhalt. Wenn wir das hinkriegen, hat der FC Memmingen eine gute Saison gespielt.

Bei der Mannschaftspräsentation äußerten Sie scherzhaft nicht entlassen zu werden als Ihr Ziel. Über welchen Zeitraum sehen Sie Ihr Engagement in Memmingen?

Anderl: Mich reizt die Regionalliga, die ich nicht so stark erwartet hätte. Die Arbeit ist aufwändig, aber sie macht Spaß. Wenn ich wo zusage, mache ich es eigentlich nicht nur für ein Jahr. Die Mannschaft braucht einen längeren Zeitraum, bis sie so tickt, wie es sich ein Trainer vorstellt. Ich weiß auch, dass Memmingen ein sicherer Hafen sein kann und man nicht gleich in Panik verfällt, wenn es nicht gleich so läuft. Ich schätzte das familiäre Umfeld mit einem Vorsitzenden Armin Buchmann, der die Fäden in der Hand hält, auf eine menschliche Art und Weise. Ich kriege hier Vertrauen und jede Unterstützung. Das ist für mich eine Verantwortung und auch für die Spieler. Ich habe den Eindruck, jeder kommt gerne hierher.

Es haben sich einige Dinge unter Ihrer Regie auch im direkten Mannschaftsumfeld und in der Organisation verändert. Haben sich noch Wünsche?

Anderl: Es gibt für die Regionalliga noch einige strukturelle Dinge, die man noch machen kann. Zum Beispiel wird der Trainingsplatz von vielen Mannschaften frequentiert. Im Trainerteam müssen wir uns umstrukturieren, weil unsere beiden Torwart-Trainer Tobias Kirchenmaier und Martin Kelz zeitliche Probleme haben.

Vor dem Spiel sind Sie immer der Erste auf dem Platz, schnappen sich einen Ball und laufen sich warm. Anschließend coachen Sie in kurzer Hose und Trikot. Warum?

Anderl: Damit bin ich näher bei der Mannschaft. Wenn ich mich bewege, bin ich dann auch mental auf der Bank fit für die 90 Minuten.

Sie haben auch lieber den Begriff Torspieler statt Torhüter.

Anderl: Fußball entwickelt sich. Man muss einfach mit der Zeit gehen und das Maximale rausholen. Der Torwart ist noch mehr als Mitspieler gefordert als früher. Es ist einfach ein anderer Ansatz wegen der taktischen Ausrichtung.

Was ist in den vier Spielen bis zur Winterpause für den FCM noch drin?

Anderl: Ich hoffe, dass wir von Verletzungssorgen frei bleiben, dann werden wir unsere Punkte holen. Die meisten Spiele waren bis zur Nachspielzeit immer eng.

In der Halle ist der FC Memmingen in der Winterpause erstmals nicht aktiv, warum?

Anderl: Einfach wegen der Verletzungsgefahr. Ich weiß, Stefan Schimmer spielt gerne in der Halle, aber ein Ausfall von ihm wäre fatal. Und irgendwann muss jeder auch mal zur Ruhe kommen.

Autor:

Andreas Schales aus Kempten

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