Fußball
Fünf Jahrzehnte Amateur-Spitzenfußball beim FC Memmingen

Vor zehn Jahren Bayernliga-Meisterschaft und Regionalliga-Aufstieg – 1970 erstmaliger Sprung in die Bayernliga.
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  • Foto: Olaf Schulze
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

„Nie mehr Bayernliga, nie mehr“ schallte es vor genau zehn Jahren durch die Memminger Arena und über den Memminger Marktplatz. Der FC Memmingen hatte sich souverän die Meisterschaft in der Fußball-Bayernliga geholt und war in die Regionalliga Süd aufgestiegen. Dort hielt sich der Allgäuer Traditionsclub zwei Jahre und betont noch heute, dass er als einziger bayerischer Amateurverein die damalige vierte Spielklasse sowohl sportlich als auch finanziell überlebt hat. Sämtliche vergleichbare Vorgänger waren nämlich aus dem einen und/oder dem anderen Grund auf der Strecke geblieben. Die Regionalliga Süd ging schließlich in einer Liga-Reform in der Regionalliga Bayern auf, der Memmingen als Gründungsmitglied seitdem angehört.

Bevor im Jahr 2010 der FCM den Sprung in die fast durchweg professionelle Regionalliga Süd wagte, hatte sich der Vorstand um den Präsidenten Armin Buchmann mehrfach dem Hindernis verweigert. Das aufwändige Lizenzierungsverfahren wurde trotz aussichtsreicher Tabellenposition gescheut, weil unter anderem die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht gegeben schienen. Bis der „Memminger Weg“ gefunden wurde. Die Amateurstrukturen wurden auch nach dem Aufstieg beibehalten, fast alle Spieler gingen neben dem Hobby Fußball weiterhin einem Vollzeitjob oder Studium nach.

Bevor die Stationen Kassel, Mannheim und Stuttgart hießen, lag hinter Memmingen die erfolgreichste Bayernliga-Saison. Am Ende waren 74 Punkte auf dem Konto, elf mehr als der Zweitplatzierte FC Ismaning schaffte. Die Nullnummer im letzten Heimspiel gegen den FC Ingolstadt II hatten die 2.300 Zuschauer bei strahlendem Sonnenschein schnell verziehen. Es war ein Nachmittag der Emotionen, den sich Buchmann genauso gewünscht hatte. Nach dem Abpfiff wurde einer der größten, wenn nicht der größte Erfolg der Vereinsgeschichte gebührend gefeiert. 26 Spieler, die in der Meistermannschaft zum Einsatz gekommen waren, holten sich mit dem Trainer- und Betreuerstab bei Verbandsspielleiter Jürgen Faltenbacher und BFV-Vize-Präsident Reinhold Baier die Meistermedaillen ab.

Die „Memminger Stadtmauer“ mit dem scheidenden Kapitän Alexander Späth, dem neuen Spielführer Stefan Pfohmann und dem „Spieler der Saison“ Johannes Rehm nahm den Meisterwimpel gemeinsam in Empfang. Es folgten feuchte Momente mit der obligatorischen ‑Weißbierdusche für Meistertrainer Esad Kahric, Buchmann und auch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger. Viele verfolgten den Ehrungsreigen mit Gänsehaut und rührungsnassen Augen.

Eine Woche später fand auf dem Memminger Marktplatz die offizielle Meisterfeier statt. Ganz nach Münchner FC-Bayern-Vorbild öffnete Holzinger nach einem Rathaus-Empfang und den Eintrag ins Goldene Buch erstmals für eine sportliche Ehrung den Balkon der Großzunft. Unten feierten 3.000 Fans ausgelassen in den Vereinsfarben mit, oben standen die Spieler in Lederhosen und rot-weiß-karierten Hemden. Unter dem Motto „FCM – Tradition, die rockt“ ließ es die Rockband „Heavens Gate“ kräftig krachen. Buchmann zog sich damals ein schmerzhaftes Andenken zu, stürzte beim zu ausgelassenen Feiern in einen Bühnenspalt, ließ sich im Klinikum verarzten und kehrte trotz Schmerzen zur Feier zurück. Anschließend lag er mit Schulterbruch im Krankenhaus.

Während seine Verletzung keine bleibenden Folgen hinterlassen hat, lassen sich die sportlichen Spuren des FC Memmingen nicht erst seit 2010 nachhaltig verfolgen. Vor exakt 50 Jahren gelang nämlich der erstmalige Sprung in die Bayernliga, die über lange Jahre sogar die dritthöchste Spielklasse im bundesdeutschen Fußball bildete. Über diese außergewöhnliche Spanne gehört der Verein nachhaltig zur Spitze des bayerischen Fußballs. Nur zwei kurzzeitige Aussetzer mit insgesamt drei Jahren Landesligadasein unterbrachen das Novum über einen so langen Zeitraum immer in der höchsten bayerischen Spielklasse vertreten zu sein.

1970 war es mindestens ein genauso großes Wagnis in höhere Sphären vorzudringen, wie 40 Jahre später. Nach der souveränen Landesliga-Meisterschaft mit zehn Punkten Vorsprung ließ FCM-Boss Florian Huber seinerzeit auf einer eigens einberufenen Versammlung die Mitglieder über den Aufstieg entscheiden. Das Votum war klar: Die damaligen Protagonisten Meistertrainer Kurt Helbig (+), Reinhold „Gogo“ Gögelein, Spielführer Kurt Kramer (+), Manfred Sudeck, Gero Weiß (+) & Co. durften das Abenteuer Bayernliga schließlich angehen und den Grundstein einer bis heute andauernden Ära in der insgesamt 113-jährigen Vereinsgeschichte legen. Sozusagen zum Gratulieren kamen damals übrigens auch Franz Beckerbauer, Sepp Maier, Gerd Müller & Co. Vor 7.500 Zuschauern absolvierte der FC Bayern München im Oktober 1970 ein „Werbespiel“ im Allgäu gegen den FCM und gewann mit 9:2.

Beide Aufstiegsjubiläen wollten die Memminger heuer eigentlich ausgiebig bei einem Ehrenabend feiern. Auch eine Einladung an die 1989iger Wiederaufstiegsmannschaft, die mit einem Sieg in einem Entscheidungsspiel vor 5.000 Zuschauern in Donauwörth gegen die SpVgg Fürth einen der beiden „Betriebsunfälle“ mit den Gastspielen in der Landesliga postwendend behob, war vorgesehen. Doch die anhaltenden Beschränkungen durch die Corona-Pandemie machen allen Feierplanungen, nicht nur in Memmingen, einen Strich durch die Rechnung.

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