Fußball
BFV-Toto-Pokal-Halbfinale: FC Memmingen verliert mit 2:3 gegen den FC Schweinfurt 05

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Eines vorweg: Es war ein rassiges, hochemotionales Pokalspiel, das für den neutralen Zuschauer höchsten Unterhaltungswert bot. Wer aber mit dem FC Memmingen mitlitt, für den war es eine Tortur. FCM-Trainer Cheftrainer Stefan Anderl wollte sich auch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff nicht beruhigen.

Mit 2:3 (1:2) waren seine Jungs im Halbfinale des BFV-Toto-Pokals am Regionalliga-Kontrahenten FC Schweinfurt 05 gescheitert. Besser gesagt, nicht allein am Gegner. Gegen 12 Mann kannst Du nicht gewinnen, brachte es Kapitän Dennis Hoffmann auf den Punkt. Er selbst stand nach seiner Verletzungspause nicht im Pokal-Aufgebot und verfolgte das Spiel einigermaßen fassungslos von der Tribüne.

Sein Trainer, der sich in der Beurteilung von Schiedsrichterleistungen in dieser Saison bislang merklich zurückgehalten hatte, explodierte förmlich. Es war einiges nicht Druckreifes dabei. Arrogant, selbstherrlich, parteinehmend, waren noch die freundlichsten Worte, die Anderl für den Zweitliga-Referee Florian Badstübner (Windsbach) fand. Er habe die Partie entscheidend beeinflusst und seine Spieler erniedrigt. Die Herren haben keine Ahnung, wie viel Arbeit dahintersteckt und was sie kaputtmachen, kriegte sich der Memminger Chefanweiser nicht mehr ein.

Anders Schweinfurter Kollege Gerd Klaus erschien nicht zur Pressekonferenz. Bisher war er ein Trainerfreund, dem er aber diese Freundschaft an diesem Abend aufgekündigt hat. Der Grund lag in der 69. Minute. Branko Nikolic hatte genau vor der Schweinfurter Bank ein taktisches Foul begangen. Gelb-würdig, ja. Aber Nikolic flog vom Platz, weil Klaus auf den Platz stürmte und heftig die Rote Karte forderte. Das war unsportlich hoch Zehn, wetterte Anderl.

Badstübner wollte nämlich schon Gelb aus der Brusttasche zücken, ließ sich beeinflussen und die Hand an die Gesäßtasche zur Roten Karte wandern. Dass Christopher Kracun in dieser Situation aus dem eigenen Strafraum angestürmt kam und Nikolic mit voller Wucht umstieß, blieb ungeahndet. 700 Zuschauer an diesem nasskalten Abend skandierten lautstark Schiri raus. Badstübner quittierte es mit Lachen.

Provokant war auch das Verhalten Ende der ersten Halbzeit. Die Stadionuhr zeigte 44 Minuten und 57 Sekunden, als der Unparteiische vorzeitig zur Pause pfiff, als Memmingen aus seiner Sicht einen Eckball nicht schnell genug ausführte. Es war die Summe der Ereignisse, die die FCM-Verantwortlichen auf die Palme brachten.

In der ersten Halbzeit sah Stefan Schimmer wegen angeblicher Schwalbe Gelb. Sein Gegenspieler Marco Haller war auf dem tiefen Gegenboden in ihn reingerutscht, der Torjäger fiel – für so etwas gab es auch schon einen Elfmeterpfiff. Strafstoßwürdig war auch eine Szene kurz darauf. Der schon erwähnte Kracun, klatschte Muriz Salemovic ab, als der den Rückpass des Schweinfurters zu seinem Torhüter erlaufen wollte.

Umstritten war der Elfmeterpfiff in der 81. Minute für die Gäste. Dass Torhüter Martin Gruber gegen Haller und auch den Nachschuss von Herbert Paul parierte, beruhigte die Gemüter nur kurzzeitig. Den Schweinfurter Siegtorschützen Philip Messingschlager (85.) wähnten beim 2:3 viele im Abseits.

Trotz vieler Unterbrechungen durch Auswechslungen, Elfmeter, Rudelbildung und Verletzungsbehandlungen gab es nur drei Minuten obendrauf. Badstübner ließ in der Nachspielzeit auch noch drei Schweinfurter Wechsel zu, ohne noch was draufzupacken. Dass die Schweinfurter Delegation mit ihrem Präsidenten Wolf den Unparteiischen schon im Vorfeld sehr vertraut begrüßte, bekam im Nachhinein durch das Geschehen auch noch ein besonderes Gschmäckle.

Der Vollständigkeit halber sei noch die vorherige Torfolge erwähnt: Überraschend war der FCS nach einem schnellen Konter durch Adam Jabiri in Führung gegangen (10.). Schimmer glich nach einer Nikolic-Ecke volley zum 1:1 aus (22.). Vor der Pause war es Haller zum 1:2 (40.), kurz nach der Pause traf Sebastian Schmeiser per Kopfball nach einer weiteren Nikolic-Ecke (47.) zum 2:2.

Der FC Memmingen hat mit der Niederlage den erstmaligen Einzug ins bayerische Pokalfinale verpasst. Schweinfurt darf dagegen weiter von der DFB-Pokal-Hauptrunde träumen. Dazu ist ein weiterer Sieg im BFV-Toto-Pokal-Endspiel am 25. Mai beim SV Wacker Burghausen nötig. Weil es der Spielplan so will, sehen sich Schweinfurt und Memmingen schon am kommenden Freitag im Punktspiel wieder. Dazwischen liegen nur vier Tage, um die Gemüter wieder zu beruhigen.

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