Milchmarkt
Wirtschaftliche Situation der Landwirte hat sich kaum verbessert

Protestfahrten mit den Traktoren nach Berlin, Demonstrationen vor dem Landratsamt in Lindau oder Milchstreiks, bei denen Bauern ihre Milch in den Gulli gekippt haben - mit diesen und anderen Aktionen haben auch die Westallgäuer Landwirte vor zwei Jahren auf ihre dramatische Situation aufgrund des starken Milchpreisverfalls aufmerksam gemacht. Inzwischen ist es ruhig geworden um die Landwirte. Bei der Gebietsversammlung des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Maria-Thann entsteht der Eindruck, dass sich die Wogen geglättet haben.

«Die wirtschaftliche Situation hat sich entspannt», bestätigt Armin Eugler, Kreissprecher des BDM. Doch die rund 30 Landwirte aus den Gemeinden Hergatz, Heimenkirch und Opfenbach, die an diesem Abend im Bürgerstüble sitzen, beschäftigt vor allem eines: Wie soll es nach 2015 weitergehen, wenn die staatliche Milchquote als Instrument zur Regulierung des Milchmarkts wegfällt?

Derzeit liegt der Milchpreis bei rund 32 Cent, in der Tiefphase im Jahr 2009 ist er bis auf 22 Cent abgestürzt. «Allerdings sind auch die Einkaufspreise zum Beispiel für Kraftfutter oder Sprit gestiegen - dadurch relativiert sich das alles wieder», sagt Eugler.

Unter den Bauern hat sich - so der Eindruck an diesem Abend - Ernüchterung, teils auch Resignation breitgemacht. «Die meisten haben inzwischen erkannt, dass sie nicht zu den Gewinnern gehören werden, wenn der freie Markt kommt», sagt auch Eugler. Viele seien verunsichert darüber, wie es weitergeht. «Das Problem ist: Wir haben keine definierten Zukunftsaussichten», sagt beispielsweise Manfred Biggel aus Hergatz.

Mögliche Optionen

Über mögliche Optionen für die Bauern nach 2015 referierte deshalb Kreissprecher Eugler. Am Erfolg versprechendsten sei die Steuerung des Milchmarktes in Verantwortung der Milcherzeuger. «Die Idee des BDM ist, dass es drei Ebenen gibt: eine EU-Ebene, eine nationale und eine regionale Ebene», erklärte Eugler. Wie genau die Abstimmungen dann jedoch von statten gehen sollen, sei noch nicht im Detail geklärt.

Auch wenn nach den Milchstreiks und anderen Aktionen die großen Erfolge ausgeblieben sind - die meisten BDM-Mitglieder sind sich einig, dass sie notwendig waren. «Es ist zwar nicht messbar, was sich dadurch geändert hat. Wir haben ja keinen Vergleich», sagt Eugler. Jedoch: «Durch diese Aktionen hat sich das Image der Landwirte in der Bevölkerung verbessert und das Verständnis ist wieder mehr da.» Auch sei das Thema so wieder in die Köpfe der Menschen gekommen, stimmt Gerhard Kempter aus Heimenkirch zu. «Die Bauern stehen wieder in der Mitte der Gesellschaft, nachdem sie fast am Rand standen», bringt es Euger auf den Punkt.

«Der Milchpreis ist derzeit stabil», schätzt Martin Rädler vom Kreisteam des BDM die derzeitige Lage in seinem Vortrag über die Entwicklung des Milchpreises ein. Im Vergleich zu 2009 sei das vergangene Jahr eher ruhig gewesen. «Viele sagen: Gibt es euch überhaupt noch? Man hört gar nichts mehr. Doch auch wenn es derzeit keine großen Aktionen gibt, im Hintergrund laufen viele Gespräche», fügt Mathias Schütz, ebenfalls Mitglied im Kreisteam, hinzu. Aktuelle Erfahrungen hätten zudem gezeigt, dass Naturkatastrophen und Zufälle Auswirkungen auf den Milchmarkt haben, so Rädler weiter. Sein Fazit: «Die Katastrophe kann sich jederzeit wiederholen, deshalb müssen wir weiter präsent sein.»

Fehlende Einigkeit der Bauern

Die teils fehlende Einigkeit untereinander beschäftigt viele der Landwirte. «Wir müssen die Gräben zuschütten. Wir werden immer weniger, da es ist es wichtig, dass wir zusammen halten», forderte Gerhard Kempter im Hinblick auf der Verhältnis zwischen BDM und Bauernverband. Nur gemeinsam könnten sie etwas erreichen, war die Meinung vieler. «Wir waren ja einmal eins, das hat auch nicht funktioniert», relativiert jedoch Mathias Schütz.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen