Reportage
Von Schleckerfrauen zu Powerfrauen: Ehemalige Mitarbeiterinnen feiern einjähriges Bestehen ihres Dorfladens in Steinheim

Es war das Topthema des vergangenen Jahres: Die Insolvenzanmeldung der Drogeriekette Schlecker. Knapp 27.000 Mitarbeiter wurden entlassen und standen ohne Job auf der Straße, unter ihnen hauptsächlich Frauen. Mittlerweile hat rund die Hälfte der Entlassenen wieder einen Job gefunden.

Karola Müller aus Wolfertschwenden gehört unter anderem zu den Glücklichen. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen hat sie sich im November 2012 einen Dorfladen in Steinheim aufgebaut und feiert am Samstag, den 30. November das einjährige Bestehen. Unterstützt wird das Dorfladenprojekt von der Metzgerei Knauer, die sich nebenan befindet. Ums Eck heißt der Nahversorgungsladen, der oftmals mit einem Tante Emma Laden verglichen wird. Drogerieartikel, frische Nahrungsmittel, Tiefkühlware, Spielsachen und Dekorationsartikel, hier findet man beinahe alles, was man für den Alltag benötigt.

Einen reinen Drogeriemarkt wollten die Frauen nicht eröffnen, da der Kunde in Steinheim schon zu Schleckerzeiten immer nach Dingen des täglichen Bedarfs und hauptsächlich nach Lebensmitteln gefragt hat. Vor allem der Kontakt zu den Kunden sei Karola Müller besonders wichtig. Diese Bindung, die man zur Bevölkerung hat, spüren sie auch. Das sei der Grund, warum die Arbeit im Dorfladen so viel Spaß mache.

Im Leben der ehemaligen Schleckerfrauen hat sich einiges verändert. Sie sind nicht mehr an strikte Vorgaben gebunden und sind bei der Arbeit nicht mehr eingeengt. "Alle Ideen, die sich ergeben und die wir haben, werden sofort umgesetzt." Im Team herrsche keine Hierarchie, denn jeder hat Mitspracherecht und darf seine Meinung einbringen.

28 Jahre lang hat Karola Müller bei der Drogeriekette Schlecker gearbeitet. Diese Zeit möchte sie nicht missen. "Hätte ich die 28 Jahre Verkaufserfahrung nicht gemacht, könnte ich heute den Dorfladen nicht führen." Sie habe bei Schlecker unter anderem gelernt, selbständig und eigenständig zu arbeiten.

Es sei nicht einfach, einen Dorfladen zu führen, und es bedarf viel harter Arbeit. Darum wäre es wichtig, dass die Kunden das unterstützen, honorieren und die Produkte, die sie im Dorfladen kaufen können, auch dort einkaufen. Und dabei spielt gerade die Mundpropaganda eine wichtige Rolle.

Und die funktioniert: Jede Woche kämen neue Kunden, die sich in dem Steinheimer Tante Emma Laden wohlfühlen. Karola Müller ist sich sicher, dass die Zeit, in der immer mehr Dorfläden aufmachen kommen wird.

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