Interview
Unterallgäuer Kabarettist Maxi Schafroth: „Ich will auf dem Nockherberg kein Richter sein“

Maxi Schafroth ist der neue Fastenprediger auf dem Nockherberg.
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  • Foto: Matthias Becker
  • hochgeladen von Pia Jakob

Maxi Schafroth folgt Luise Kinseher als Fastenprediger. Er erzählt, wie er sich auf seinen großen Auftritt vorbereitet, welche Politiker er sich zur Brust nehmen will – und dass er vor dem Einschlafen an Hubert Aiwanger denkt

Herr Schafroth, schlüpfen Sie auch in eine Rolle wie Ihre Vorgängerin Luise Kinseher, die als Mama Bavaria zu den Politiker-Kindern sprach?

Maxi Schafroth: Das muss vorerst noch ein Geheimnis bleiben.

Verraten Sie uns wenigstens, ob Sie sich von der tadelnden Mama Bavaria absetzen.

Schafroth: Ich werde in meiner Fastenpredigt nicht den richtenden Blick von oben haben, sondern den eines Menschen, der von der Politik betroffen ist und Stellung bezieht. Das ist mein Ansatz. Jemand, der von unten etwas sagt, dem nimmt man’s nicht so übel, als wenn er von oben herab spricht. Das nehmen die Politiker vielleicht auch besser an.

Sie wollen die Politiker zum Nachdenken anregen?

Schafroth: Natürlich wäre es toll, wenn ich mit der Predigt sensibilisieren könnte. Nicht nur die Politiker, die da sitzen, sondern auch die Leute daheim in ihren Wohnzimmern. Der Nockherberg ist ja eine Dreiecks-Konstellation mit mir, den Politikern und den Fernsehzuschauern.

Reizt es Sie nicht, den Politikern von Angesicht zu Angesicht richtig scharf den Marsch zu blasen?

Schafroth: Nein, diese Haltung habe ich nicht. Watschen um des Watschens willen ist nicht meins. Ich möchte maximal kritisch sein – und gleichzeitig maximal unterhaltend. Das Schlimmste wäre, als der große Fastenprediger zu erscheinen, der mit erhobenem Zeigefinger auf die Bühne geht. Ich will kein Richter sein. Ich möchte eine Verbindung zum Gegenüber behalten, allein schon aus Respekt. Das ist gerade in unseren politisch aufgeheizten Zeiten wichtig. Aber ich will mir auch keinen Maulkorb verpassen lassen. Mein Mittel ist, von unten zu graben, den Humus zu lockern, bis die schweren Bäume rutschen.

Wobei die Bäume die Politiker sind?

Schafroth: Genau. Ich fühle mich nicht als Motorsäge, sondern als einer, der gräbt. Es kommt immer drauf an, wie man etwas sagt. Ich kann nicht auf die Bühne gehen und sagen: Ich bin der Gute, ihr seid die Bösen. Ich bin ja auch nicht perfekt.

Ist das Derblecken auf dem Nockherberg ein Traumjob? Oder ein Himmelfahrtskommando?

Schafroth: Das ist definitiv der Olymp! Eine große Ehre. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass die Paulaner-Brauerei mich fragt, auch wegen meines Alters. Ich bin ja noch jung. Das ist eine riesige Bestätigung meiner Arbeit und auch meiner Haltung. Ich habe es immer vermieden, nach deutscher Kabarettistenart so richtig reinzuhauen. Für mich liegt das Politische in einer ganz menschlichen Dimension. Offensichtlich hat man meine Sicht auf die Dinge verstanden und schätzt sie.

Haben Sie auch Bammel vor der Rede?

Schafroth: Ich muss gestehen: Derzeit bin ich geradezu bedenklich gelöst. Das war im November, als ich die Themen sondiert habe und überlegte, wo das hingehen und was ich sagen soll, noch anders. Da dachte ich mir: Das ist ein ganz schöner Berg, auf den ich hinaufkraxeln muss. Nun ist die Rede geschrieben, ich bin oben. Aber natürlich ist die Arbeit noch nicht zu Ende. Gestern etwa habe ich die Rede auf einer Bühne komplett durchgesprochen, um ein Gespür dafür zu entwickeln.

Müssen Sie die Rede noch von der Paulaner-Brauerei oder dem Bayerischen Rundfunk absegnen lassen?

Schafroth: Wenn sie fertig ist, werde ich sie vorlegen. Aber da geht es nicht ums Absegnen, sondern darum, dass die Fernsehleute den Ablauf kennen. Die müssen wissen, wann ich über wen rede.

Sie haben also völlig freie Hand?

Schafroth:
Mir redet niemand drein. Es geht mir wie den Abgeordneten: Ich bin nur meinem Gewissen verpflichtet. Eine sehr luxuriöse Position. Ich bin stolz darauf, dass ich dieses Vertrauen genieße.

Beim Derblecken können Sie aus dem Vollen schöpfen, denn seit dem letzten Starkbieranstich ist viel passiert: Söder ist jetzt Ministerpräsident, Seehofer wechselte nach Berlin und hat viel Porzellan zerschlagen, Scheuer muss sich mit Diesel und Feinstaub herumschlagen …

Schafroth: Natürlich kann ich kein großes Thema aussparen. Aber ich werde auch Dinge, die mir persönlich wichtig sind und aus meiner Sicht falsch laufen, ansprechen. Ich kann mich sehr empören, etwa über die Flüchtlingspolitik der CSU. Wenn man von einem christlichen Menschenbild ausgeht, stecken viele Fehler drin. Die CSU hat sich eine Zeit lang rhetorisch der AfD angenähert, und ich habe eine Partei im Zustand der Angst erlebt.

Sie werden sich den Söder vornehmen, und den Aiwanger …

Schafroth: Den Aiwanger ganz sicher. Im Unterallgäu, wo ich aufgewachsen bin, gibt es genug Aiwangers. Die fahren Traktor und springen mit der Motorsäge herum. Je mehr man von den Menschen versteht, desto witzigere Sachen kann man über sie sagen.

Und was ist mit den Grünen, die sich zur zweitstärksten politischen Kraft gemausert haben?

Schafroth: Da fällt mir auch genug ein. In jeder Szenekneipe in München spüre ich die grüne Attitüde: Wir sind fürs Klima, und deswegen fahren wir einen Range Rover Hybrid. Auch da stellt sich die Frage: Wer ist echt, und wer macht fürs gute Gewissen auf Grün?

Wie recherchieren Sie?

Schafroth: Ich lese sehr viel, mehrere Stunden am Tag, Zeitungen und online. Ich sondiere von früh bis spät Meldungen und Berichte. Das macht wahnsinnig Spaß. Auf komische Ideen komme ich oft kurz vor dem Einschlafen. Da beginnt das Gehirn kreativ zu arbeiten, dann denk’ ich an den Aiwanger, muss lachen und wach wieder auf.

Wie halten Sie die Ideen fest?

Schafroth: Ich habe Zettel neben dem Bett und schreibe das dann gleich auf. Es gibt auch Tage, an denen ich mir vornehme, gar nichts zu machen – und witzigerweise kommen genau dann die besten Ideen.

Werden Sie die Fastenpredigt im Allgäuer Dialekt halten?

Schafroth: Ich kann ja gar nicht anders. Meine Mundart wird man durchhören, das will ich auch. Aber der Dialekt wird gemäßigt ausfallen. Die Leute sollen mich verstehen.

Was würde Sie nach der Rede mehr freuen: Wenn Sie von den derbleckten Politikern gelobt werden – oder wenn die sich über Ihre Schärfe beklagen?

Schafroth: Das Allerliebste wäre mir, wenn sie in den Interviews danach nicht wissen, was sie sagen sollen. Weil sie’s witzig fanden, total unverschämt und wahr. Dann weiß ich: Ich habe die Kritik und den Charme perfekt in Einklang gebracht.

Autor:

Klaus-Peter Mayr aus Kempten

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