Basilika Ottobeuren
Symphonieorchester und Chor der Bayerischen Rundfunks begeistert bei Konzert in Basilika Ottobeuren

Eingebettet in das Chorgestühl spielt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Bernhard Labadie, der Dirigent, direkt hinter dem Triumphkreuz über dem Altar. Der Chor ihm gegenüber. Das alles eine geballte Kraft, die dem üppigen Raum und Publikum zu trotzen scheint. Ein großes Instrument, das sich aus vielen Einzelbausteinen zusammensetzt und zu leben, zu atmen beginnt.

Labadie weiß dieses Instrument beim letzten der drei diesjährigen Sinfoniekonzerte in der Basilika Ottobeuren zu spielen und exakt zu führen, sodass dieser große, akustisch nicht einfache Raum fast wie ein Klangkorpus zu schwingen beginnt. Die 'Paukenmesse' von Joseph Haydn steht auf dem Programm. Kein einziger Patzer, alles exakt. Timing, Intonation, harmonische Kommunikation.

Die Fächer des Chores sind hervorragend ausgebaut. Beeindruckend, wenn er beginnt, ganz leise zu werden. Wie ein lauerndes Raubtier auf sanften Pfoten. Atemberaubend, wenn der bedrohliche, leise anschwellende Gesang sich mit dem Orchester vereinigt. Beengend und befreiend zugleich. Bald ist dieses harmonische Instrument ganz zart, sanft und leise, bald kräftig und temperamentvoll, aber niemals schlägt es über die Stränge.

Seine Unberechenbarkeit liegt genau in dieser ständig stehenden und gehaltenen Spannung, die sich über die Bögen der einzelnen liturgischen Abschnitte des Ordinariums der 'Missa in tempore belli' legt. Eine hervorragende Kontrapunktierung. Dann betreten die Solisten die Bühne. Die Kyrie der jungen Sopranistin Anna Prohaska erleuchtet kraftvoll, aber dennoch weich den Raum, dass es einem das Herz öffnet.

Ihr gegenüber der Bass (Neal Davies), der sich glasklar über einen sehr breiten Lagenbereich durchsetzungsfähig präsentiert. Elisabeth Kulman, der Mezzosopran, von zielsicher tragend bis mäandernd verunsichernd, und der Tenor, Martin Mitterrutzner, schmetternd wie kriegerische Trompetenstöße. Insgesamt schmiegt sich alles in ein großes übergeordnetes Ganzes, das sich in der Unvorhersehbarkeit des Lebens nach Erlösung sehnt im Glauben.

Dann ist alles ruhig – andächtig verhallen die Klänge im großen Kirchenraum bis die Glocken der Basilika zum Dank applaudieren.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen