Konzert
Sinfonia Varsovia und der Schleswig-Holstein Festival Chor Lübeck verzaubern in Ottobeurer Basilika

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Solche Momente sind selten geworden im schnell wechselnden Konzert- beziehungsweise Musikleben: Musik von nahezu überirdischer Schönheit und Ruhe rückt den Menschen aus der Zeit. Im Fall des einzigartigen geistlichen Sonntagskonzerts in der Basilika Ottobeuren entzog nicht nur die Sopranstimme Simona Saturovás die Zuhörer der Zeitempfindung.

Wesentlichen Anteil daran hatten auch die schier endlos strömenden lyrischen Melodiebögen der Sinfonia Varsovia. Diese zentrale Stelle des Mess-Textes - und auch der c-Moll-Messe << Et incarnatus >> von Wolfgang Amadé Mozart - steht als Teil einer musikalischen Wunderarchitektur. Und die schufen ein herausragendes Solistenquintett.

Neben Simona Saturová, Lucia Duchoová (Mezzosopran), Wiebke Lehmkuhl (Alt), Benjamin Bruns (Tenor) und Jochen Kupfer (Bass) berührten ungemein klangschön, präzis und nuancenreich der Schleswig-Holstein Festival Chor Lübeck. Hochkonzentriert wie differenziert gestaltete das polnische Orchester Sinfonia Varsovia unter der charismatischen Leitung von Rolf Beck das Werk.

Johann Sebastian Bachs Magnificat in D (BWV 243) und Mozarts Fragment gebliebene Messe öffneten ein Fenster in eine Zeit, in der die Musik bildhaft, dramatisch wie auch friedlich, Erde und Himmel zeigt.

Sei es in dem jubelnden Lobpreis Gottes - wie am Beginn und Ende des Magnificat oder des Gloria - oder in der zerknirschten Geste des verzweifelten Menschseins (Kyrie, Qui tollis). Oder sei es in der Erhöhung der Schwachen und der Erniedrigung der Mächtigen (Magnificat).

Diese Bilder und Zusammenhänge stellte Beck über die Zeiten hinweg von Bach zu Mozart her. Der Dirigent zeigte die Nähe der nahezu kantatenhaften Messe Mozarts zur vershaften Reihenstruktur des Bachschen Magnificat. Dabei führte er die Chorstimmen manchmal wie Instrumente und die Instrumente wiederum wie menschliche Stimmen. Dadurch gelang es ihm, atmend und singend die dichten kontrapunktischen Strukturen, die bei Bach Abbild himmlischer Ordnung sind, zu durchdringen. Darüber hinaus verhalf er bei Mozart Textstellen zu einer besonderen Erhabenheit und Ausdruckskraft.

Und immer wieder ließ Rolf Beck Chor und Orchester diese phänomenalen Klangräume erschaffen, die dreifachen Kuppeln der Doxologie Bachs (Gloria Patri, gloria Filio, gloria et Spiritui sancto) oder die immer tiefer sinkenden Gewölbe der Bitte um Erbarmen im Qui tollis Mozarts.

Vor beziehungsweise nach solchen Klangwogen hoben sich dann umso plastischer die makellos schönen Soli wie einzelne Pfeiler und Ornamente ab. Das feierliche Glockengeläut war am Ende die konsequente Fortsetzung der abschließenden triumphalen Osanna-Rufe.

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