Interview
Sanierung der Ottobeurer Basilika kostet 6,4 Millionen Euro

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Etwas mehr als zehn Jahre ist es her, als im Sommer 2000 Putz aus der Engelskuppel der Basilika in Ottobeuren (Unterallgäu) in den Altarbereich stürzte. Diese Begebenheit war Auslöser für eine rund 6,4 Millionen Euro teure statische Sanierung, die seit dem Jahr 2004 am Laufen ist.

Im Interview spricht Cornelia Bodenstab, Baudirektorin beim Staatlichen Bauamt Kempten, über diese große Maßnahme: die Arbeiten am Dachstuhl und an den drei Kuppeln.

Frau Bodenstab, wie gefährlich war die Situation in der Basilika, als damals Putz herunterbröckelte?

Cornelia Bodenstab: Verletzt wurde niemand. Aber es war schon eine große Menge, die da aus rund 25 Metern herunterkam. Von unten schauen die Kuppeln sehr gut aus, aber beim Blick durchs Fernglas werden Risse sichtbar. Es war ganz klar, dass Handlungsbedarf besteht und man die Kräfte, die dort wirken, sich nicht selbst überlassen konnte. Bei der Engelskuppel haben wir damals Sofortmaßnahmen eingeleitet und im Anschluss mit den Schadensaufnahmen und Planungen für das Dachtragewerk begonnen.

Was sind das für Kräfte, von denen Sie sprechen?

Bodenstab: Durch weitere Untersuchungen hatten sich erste Vermutungen bestätigt: Primäre Ursache war der nicht kompensierte Dachschub. Das bedeutet konkret, dass die Schubkräfte aus der Dachkonstruktion die Außenwände nach außen drücken konnten. Weil die Kuppeln der Basilika gemauert sind und auch auf den Außenwänden ablasten, wurden die Kuppeln praktisch auseinandergezogen. Bei der Chorkuppel waren im Bereich der Risse bereits Verschiebungen von zwei Zentimetern vorhanden und das bei einer Schalendicke von cirka 14 Zentimetern. Mit dem Einbau zusätzlicher Stahlträger können die Schubkräfte aus dem Dach aufgenommen werden.

Die Sanierung des Dachstuhls ist abgeschlossen, das Außengerüst abgebaut. Jetzt ist das Innere der Basilika eingerüstet. Werden dadurch nicht Konzerte oder andere Veranstaltungen beeinträchtigt?

Bodenstab: Nein, alle großen Basilika-Konzerte können stattfinden. Wir haben jetzt beim Gerüst für die Benediktuskuppel besonders darauf geachtet, dass der Innenraum und der Blick auf den Hochaltar nicht verstellt werden. Beim Gerüst für die Vierungskuppel werden wir das auch so machen. Letztlich werden heuer nur einige Sitzplätze entfallen.

Was genau wird an den Kuppeln gemacht?

Bodenstab: Die Kuppelschale muss in sich kraftschlüssig sein. Die Risse müssen also sorgfältig verschlossen werden - sowohl vom Innenraum her als auch von oben, also vom Dachraum aus. Zum Stopfen verwenden wir einen bestimmten Kalkmörtel, entsprechend dem historischen Material. Zementmörtel als Füllung beispielsweise wäre zu starr und es würde alles wieder herausfallen. Und weil das Gerüst schon steht, nutzen wir die Chance, um die Fresken zu reinigen. Die dann verschlossenen Risse müssen natürlich retouchiert werden.

Wann werden die Arbeiten im Innenbereich abgeschlossen sein?

Bodenstab: Wir haben kurz vor Weihnachten eingerüstet. Momentan sind drei Leute damit beschäftigt, den Bestand zu dokumentieren. Sie machen sich ein Bild vom Schadensstand. Wenn der Frost vorbei ist, können die Sanierungsmaßnahmen starten. Wir rechnen damit, dass die Benediktuskuppel im Mai oder Juni fertig wird. Dann geht es weiter in der Vierungskuppel. Voraussichtlich Ende 2011 soll das letzte Gerüst abgebaut werden.

Ende des Jahres ist bei der Basilika damit also auch «hinter der Fassade» wieder alles in Ordnung und die Feierlichkeiten zum 1250-jährigen Bestehen der Benediktinerabtei im Jahr 2014 können kommen?

Bodenstab: Ja sicher. Wir nutzen aber jetzt die Gelegenheit, um die Bausubstanz für ein mögliches Innenrestaurierungskonzept zu untersuchen. Es kann also nach 2014 noch weitergehen.

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