Marianum
Pater Ulrich Schrapp über die Schließung des Buxheimer Internats

Pater Ulrich Schrapp läuft am Internatsgebäude des Buxheimer Marianums entlang und deutet auf die Fenster der oberen Stockwerke. «Hier habe ich 1963 selbst als Schüler angefangen.» Heute ist der Salesianer Direktor des Marianums, das ein Gymnasium, ein Tagesheim und das Internat umfasst. Ende des Schuljahres wird das Internat geschlossen (wir berichteten). In 85 Jahren waren Generationen von Schülern dort zu Hause.

«Die Schließung tut mir sehr weh», sagt Schrapp, «aber wir schaffen das nicht mehr». Aus wirtschaftlichen Gründen, erklärt er. Denn das Internat habe sich finanziell nicht selbst tragen können. Das Defizit habe bisher die Provinzgemeinschaft der Salesianer ausgeglichen. Rund 300 Mitbrüder zählen heute zur deutschen Provinz. «Aber wir werden weniger und älter, also sinkt auch das Einkommen, das wir erwirtschaften», sagt Schrapp. «Wir haben hochgerechnet, wenn wir weiter so zuschießen, sind wir 2015 finanziell am Boden.»

28 Schüler leben derzeit im Internat, sie gehen ins benachbarte Gymnasium oder besuchen andere Schulen in Memmingen und Amendingen. Der Bedarf an Internaten sei nicht mehr so groß, erzählt der Pater. «Früher ist jemand aus Boos, der auf das Gymnasium kam, ins Internat gegangen. Heute hat er eine Busverbindung, der Weg ist kein Problem mehr.»

«Wie eine große Familie»

Leo Künzler kommt aus der Nähe von Nördlingen, er geht in die 11. Klasse des Gymnasiums, und ihm gefällt es im Internat. «Wir haben alle viel Spaß. Für mich war das Internat der einzige Weg, meine Faulheit zu überwinden», gesteht der 18-Jährige. Hier klappe es mit dem Lernen besser. «Wir sind wie eine große Familie», sagt Felix Reichhart (18) aus Augsburg. Er macht heuer Abitur und würde das Internat sowieso verlassen. «Aber ich finde es trotzdem schade, dass es zumacht.» Die jüngeren Schüler gehen in ihre Heimatorte zurück oder finden andere Lösungen, erklären die beiden Schüler. Für Leo und andere Absolventen bieten die Salesianer an, im kommenden Schuljahr bei den Patres im Haus zu wohnen. «Das ist auch mit Betreuung gedacht, für acht Schüler hätten wir Platz», sagt Schrapp.

Neben dem Internat werde auch die Küche aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. «Die Küche ist zu groß für die Nachfrage», erklärt der Pater. Gekocht werde für rund 170 Gymnasiasten, für das Internat und für die Salesianer. Die Verpflegung der Schüler werde an ein Catering-Unternehmen gegeben. Die Salesianer selbst hätten beschlossen, sich vom nahe gelegenen Pflegeheim des Roten Kreuzes versorgen zu lassen.

Mit der Schließung verlieren einige Mitarbeiter im Internat und in der Küche ihren Arbeitsplatz, es seien rund zehn Voll- und Teilzeitstellen. «Wie es mit ihnen weitergeht, macht uns Sorgen», sagt Schrapp. «Soweit wir helfen können, helfen wir.» So gebe es eine Art Stellenpool innerhalb der Provinz.

In der Nähe von Fulda, sagt der Pater, würden im kommenden Jahr zehn Erzieher gebraucht. «Aber das ist natürlich nicht so einfach, es ist eine Frage der Mobilität.» Von seinem Büro aus kann Schrapp auf das Internatsgebäude schauen. Das Haus, sagt er, werde an das Schulwerk der Diözese übergeben. Wie es dann genutzt werde, sei noch unklar. «Ich denke, dass die Schule das Gebäude und auch die Küche mit den Speisesälen nutzen kann. Aber da finden noch Gespräche statt.»

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