MZ-Aktion
Ottobeurens Umweltreferent für Nachtabschaltung der Straßenlaternen

Was halten Sie von dem Vorhaben, die Straßenlaternen in Ottobeuren auf Dauer in den Nachtstunden abzuschalten? Haben Sie negative Erfahrungen gemacht oder befürworten Sie die Abschaltung, weil Sie nachts ohnehin nicht mehr auf den Straßen unterwegs sind oder der Umweltgedanke für Sie im Vordergrund steht? Das wollte die Memminger Zeitung von ihren Lesern wissen und hat daher in einem Aufruf Gegner und Befürworter darum gebeten, ihre Meinungen an die MZ zu senden. Insgesamt war die Beteiligung an der MZ-Aktion vergleichsweise gering. Ottobeurens Bürgermeister Bernd Schäfer kann sich das nicht erklären, denn in der Gemeindeverwaltung sei man 'positiv überrascht' vom bisherigen Rücklauf der Fragebögen zum Thema Nachtabschaltung.

Genau gezählt habe man noch nicht, aber es seien 'weit über 1000', so der Rathauschef. Wie berichtet haben die Bürger noch bis Dienstag Zeit, die Bögen im Rathaus abzugeben.

Elisabeth Keidler aus Ottobeuren begrüßt es, dass 'die Ottobeurer Bürger Widerstand gegen diese unsinnige Lichtabschaltung' leisten. Für Keidler 'war das Ganze ein Schnellschuss, ohne genaue Kostenrechnung und Suche nach anderen praktikablen Alternativen'.

Sie findet, dass sich Ottobeuren ein Beispiel an Wolfertschwenden nehmen sollte. Dort würden im Rahmen eines Förderprogramms des Bundesumweltministeriums alte Lampen gegen neue LED-Lampen ausgetauscht. Damit würden der Co2-Wert und die Kosten für die Straßenbeleuchtung gesenkt.

'Nicht sauber argumentiert'

Helmut Scharpf, Gemeinderatsmitglied und Umweltreferent der Gemeinde, sagt, dass beim Thema LED-Beleuchtung 'nicht sauber argumentiert wird'. Natürlich würden sich gewisse CO2-Einsparungen ergeben, aber diese müsse man in Relation zu den Investitionen sehen. Er habe hochgerechnet, dass es die Gemeinde Ottobeuren über 500 000 Euro kosten würde, die momentane Beleuchtung auf LED umzurüsten.

Er schließt aber nicht aus, dass die Gemeinde in ein paar Jahren auf die neue Technik umsattelt, denn 'sie wird günstiger und vor allem effizienter werden'.

Laut Scharpf kann die Gemeinde durch eine nächtliche Abschaltung der Laternen bis zu 100 000 Kilowattstunden im Jahr einsparen. Im Zuge des Atomausstiegs erwarte er, dass Bürger 'kleine Einschränkungen' in Kauf nehmen. Egal ob Stirnlampe oder Mini-LED-Taschenlampe am Schlüsselanhänger: 'Da sollte sich jeder, der um die Zeit noch unterwegs ist, mit kleinsten Maßnahmen selbst behelfen können', so Scharpf. Die Nachtabschaltung ist für ihn auch eine 'Frage der Gewohnheit'. Ottobeuren habe das Rad nicht neu erfunden. 'Wir machen nach, was unter anderem im benachbarten Württemberg seit Jahren erfolgreich praktiziert wird.

' Und wenn einer einem anderen etwas antun will, dann sei es egal, ob es hell oder dunkel ist.

Die Versuchsphase sei nun beendet, so Scharpf. Jetzt gehe es um Verbesserungen. So sei er dafür, dass die Feuerwehr künftig im Alarmierungsfall die Nachtabschaltung sofort per Knopfdruck oder Handy aufheben kann. Bisher sei dies an den Schaltkästen über einen Schlüssel möglich. Auch bei Unwettern sollte schneller reagiert werden können. Zudem lasse sich 'an den Zeiten was drehen'. So könne man die Beleuchtung nachts später aus- beziehungsweise morgens früher wieder anschalten – auch mit Blick auf die Jahreszeiten.

Anders als Scharpf sieht Dr. Diethard Briegel aus Ottobeuren die Sache: 'Auf die sadistische und menschenverachtende Idee, unseren nachts arbeitenden Mitbürgern einfach das Licht abzudrehen, unkalkulierbare, kostenintensive Gefahren für Leib und Leben und unschätzbares menschliches Leid zu riskieren oder billigend in Kauf zu nehmen , muss man ja erst mal kommen', schreibt er. Diejenigen, die 'diesen Unsinn kreiert haben, haben wohl noch nie im Rahmen eines nächtlichen Notfalleinsatzes um 3 Uhr in stockfinsterer Nacht verzweifelt nach einem Straßenschild und einer Hausnummer gesucht'.

Hoflicht einschalten

Was die Diskussion um das Finden von Straßenschildern und Hausnummern angeht, verweist Scharpf auf Navigationsgeräte, mit denen die Rettungskräfte ausgestattet seien. Zudem könne man sein Hoflicht einschalten, das bei Dunkelheit sogar besser zu sehen sei. Aus Scharpfs Sicht sollten die Bürger zeigen, 'dass sie nicht nur auf die höhere Politik setzen'. Jeder könne einen Beitrag zum Atomausstieg leisten.

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