Stadttour mal anders
Oberbürgermeister und Stadträte erproben bei einer Exkursion die Behindertenfreundlichkeit Memmingens

Wie behindertenfreundlich Memmingen ist, erprobten Oberbürgermeister Manfred Schilder und Vertreter des Stadtrates bei einer Exkursion durch die Innenstadt.

'Nur wenn man es wirklich am eigenen Leib erlebt, fallen einem Dinge auf, über die man sonst einfach hinwegsieht', vermutet Oberbürgermeister Schilder, während er sich mit 'seinem' Rollstuhl am Nachmittag bei über 30 Grad und strahlendem Sonnenschein über das beschwerliche Pflaster am Hallhof schieben lässt.

Eine grobe Vorstellung bekommt er dabei, wie es für Rollstuhlfahrer ist, dort den Wochenmarkt zu besuchen, wenn der Hallhof als Ausweichmöglichkeit dient. Gerade als sich die Gruppe am Weinmarkt über die barrierefrei umgebaute Bushaltestelle unterhält, kommt ein sogenannter Niederflurbus.

Der freundliche Busfahrer erklärt – trotz Zeitnot – wie Rollstuhlfahrer an dieser Haltestelle mit Hilfe einer ausklappbaren Rampe den Bus benutzen können. Die Vorsitzende des Behindertenbeirates, Verena Gotzes, weist darauf hin, dass im Rahmen der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention der Gesetzgeber eine Zielbestimmung im Personenbeförderungsgesetz (PBefG) verankerte. 'Bis 2022 sollte die Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr erreicht werden.'

In der Fußgängerzone angekommen erklärt Gotzes, dass nun 'die Behinderungsart gewechselt werden darf'. Mit einem Langstock und einer speziellen Brille, die die Netzhauterkrankung 'Diabetische Retinopathie' imitiert, erkunden Oberbürgermeister und Stadträte die dortige Blindenorientierungshilfe.

Prüfend lassen sie den Langstock über das Pflaster gleiten. Dass die Orientierungshilfe in den Zwischenbereichen immer wieder große Lücken aufweist, stellte Oberbürgermeister Schilder bald fest. Diese Lücken sollen jedoch in Kürze durch zusätzliche Fräsungen ergänzt werden. Am Marktplatz angekommen endet die Orientierungshilfe.

'Und jetzt?' fragt der 'fast blinde' Oberbürgermeister Schilder die Betroffene Yvonne Burkhardt, deren Langstock er am heutigen Tag ausleihen durfte. 'Trauen Sie sich allein überhaupt in eine komplett fremde Stadt?' Sichtlich beeindruckt zeigt sich Schilder, als Burkhardt davon berichtet, wie sie sich mit ihrem Blindenhund auch in fremden Städten zurecht finde.

Weiteres wichtiges Thema an diesem Nachmittag sind Zukunftsmodelle für bezahlbaren, barrierefreien Wohn-raum. Bei der anschließenden Sitzung des Behindertenbeirates gab Vorsitzende Verena Gotzes einen kurzen Rückblick über die Arbeit des Beirats im vergangenen Jahr.

Unter anderem unterstützt der Behindertenbeirat in Kooperation mit der Seniorenfachstelle seit einigen Jahren die Aktion zum europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Das diesjährige Thema lautete 'Wir gestalten unsere Stadt'.

Am Informationsstand hätten viele Passanten geäußert, dass sie sich mehr Sitzgelegenheiten in der Stadt wünschten. Dies nahm der Behindertenbeirat zum Anlass, einen Antrag für 'Mehr Bänke im öffentlichen Raum' an den Oberbürgermeister zu formulieren, den die Behindertenbeauftragte Anna Karrer bei der Sitzung vorstellte.

Des weiteren kamen ein barrierefreier Umbau des Freibades zur Sprache sowie ein barrierefreier ÖPNV. Positiv hob die Vorsitzende hervor, dass der Aufzug am Rathaus endlich in Betrieb genommen worden sei und eine Stelle für die Umsetzung des kommunalen Aktionsplans geschaffen und mit Anna Karrer besetzt wurde, die gleichzeitig auch das Amt der Behindertenbeauftragten übernimmt.

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Redaktion extra aus Kempten

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