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Herzstillstand
Nicht tatenlos dastehen, sondern handeln: Erste Hilfe auch in Corona-Zeiten wichtig

Erste Hilfe kann Leben retten (Archivfoto).
  • Erste Hilfe kann Leben retten (Archivfoto).
  • Foto: Ralf Lienert
  • hochgeladen von Lisa Hauger

Nicht tatenlos dastehen, sondern handeln – So lautet die Devise, wenn ein Mitmensch einen Herzstillstand erleidet. Dass es auch in Corona-Zeiten wichtig ist, Erste Hilfe zu leisten, betonten Anästhesisten des Klinikum Memmingen: "Man kann dabei nichts falsch machen. Das einzige, was man falsch machen kann, ist, nichts zu tun!", appelliert Professor Dr. Lars Fischer, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operativen Intensivmedizin und Schmerztherapie. 

Nicht panisch davonrennen, sondern handeln

"Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen und jeder kann helfen", erklärt der Chefarzt. "Wichtig ist, dass man nicht panisch davonrennt, sondern handelt, wenn jemand bewusstlos wird."Auch in Corona-Zeiten sei es wichtig, Erste Hilfe zu leisten: "Das Infektionsrisiko bei reiner Herzdruckmassage und einem Maske-tragenden Helfer ist nicht höher als sonst", so Fischer. Ein Tuch oder Kleidungsstück, das über das Gesicht des Patienten gelegt werde, könne zusätzlichen Schutz vor Aerosol-Bildung bieten.

Mund-zu-Mund-Beatmung nicht zwingend erforderlich

Was genau zu tun ist, wenn ein Mitmensch einen Kreislaufstillstand erleidet, demonstrieren die Anästhesisten Dr. Eva-Maria Bauser und Dr. Michael Laupheimer an einer Puppe. "Die Formel lautet: Prüfen, rufen, drücken", erklärt Bauser. "Das bedeutet im Klartext: Als Erstes prüft man, ob der Mensch noch ansprechbar ist und atmet. Als Zweites ruft man andere um Hilfe und informiert den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112."

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Und als Drittes werde mit der Reanimation begonnen: „Dabei drückt man 30 Mal fest und schnell auf den Brustkorb“, erklärt Dr. Laupheimer. Anschließend folgt normalerweise die Mund-zu-Mund-Beatmung. Diese sei aber nicht zwingend erforderlich. "Die Mund-zu-Mund-Beatmung ist auch schon vor der Corona-Pandemie für Laien nicht zwingend empfohlen worden", erklärt Chefarzt Fischer. Wichtiger als die Beatmung sei die Herz-Druck-Massage.

Brustkorb mindestens fünf Zentimeter eindrücken

Der Druckpunkt bei der Herzmassage liege in der Mitte des Brustbeins, erläutert Funktionsoberärztin Bauser. "Man beugt sich senkrecht über den Patienten und hält die Arme ausgestreckt, denn dann braucht man weniger Kraft, als wenn die Arme angewinkelt sind." Bei der Herzdruckmassage müsse der Brustkorb um mindestens fünf Zentimeter eingedrückt und anschließend wieder vollständig entlastet werden. "Nur so kann man die Pumpfunktion des Herzens übernehmen, das in diesem Fall nicht mehr schlägt."

Sofortige Herzdruckmassage verdopple bis verdreifache die Überlebenschance

Durch die Reanimation hält man den lebenswichtigen Blutkreislauf in Gang, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist. Die sofortige Herzdruckmassage verdopple bis verdreifache die Überlebenschance des Patienten: "Denn jede Körperzelle kann nur überleben, solange sie Sauerstoff bekommt", erklärt Chefarzt Fischer. "Schon nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff kommt es beispielsweise zu unwiederbringlichen Schäden im Gehirn."

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vergingen aber im Schnitt bis zu acht Minuten. "Dieses kritische Zeitfenster kann man als Ersthelfer überbrücken", so Fischer.

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  1. An erster Stelle steht immer die eigene Sicherheit, gerade jetzt, da mit der Ansteckungsgefahr ein zusätzliches Risiko besteht. Wenn möglich sollte ein Mindestabstand von 1,50 Meter gewahrt werden. Dies liegt jedoch im Ermessen der helfenden Person.
  2. Wenn näherer Kontakt notwendig ist, zum Beispiel bei Verletzungen, sollten Sie alle umsetzbaren Hygienemaßnahmen anwenden. Mund und Nase der hilfebedürftigen Person sollten mit einem Tuch abgedeckt und auch das eigene Gesicht geschützt werden. Auch das Tragen von Einweg-Handschuhen ist sinnvoll.
  3. Unabhängig von der Distanz ist es eine wesentliche Erste Hilfe, den Notruf 112 anzurufen.
  4. Wenn die verunglückte Person bei Bewusstsein ist, sollten Sie mit ihr sprechen, sie beruhigen, sie darüber informieren, dass Hilfe unterwegs ist und so lange bleiben, bis der Rettungsdienst vor Ort ist.
  5. Wenn der Verunglückte bewusstlos ist, aber normal atmet, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage.
  6. Bei einem Herz-Kreislaufstillstand sollten Sie in der aktuellen Situation auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten und nur die Herzdruckmassage durchführen (100- 120 Mal pro Minute) – und zwar solange, bis der Rettungsdienst übernimmt.
  7. Nach der Hilfeleistung sollten Ihre Hände gründlich und sorgfältig gewaschen und desinfiziert werden.
  8. Geben Sie den Einsatzkräften Ihre eigenen Kontaktdaten, um erreichbar zu sein, für den Fall, dass bei der betroffenen Person nachträglich eine infektiöse Erkrankung festgestellt wird.
  9. Wenn Sie zu einer Risikogruppe zählen, sollten Sie grundsätzlich zu Hause bleiben. Werden Sie dennoch draußen Zeuge eines Notfalls, müssen Sie abwägen, ob Hilfeleistungen an Fremden unter Rücksichtnahme auf die eigene Sicherheit möglich sind.
  10. Ein Risikopatient mit Symptomen sollte an einem Patienten keine direkte Erste Hilfe leisten, sondern sich auf die Organisation der Hilfe beschränken und den Notruf 112 wählen.
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