"Schmuckstück statt Schandfleck"
Nach millionenschwerer Sanierung: Eröffnung des Zehntstadels in Memmingen

Zehntstadel Steinheim: Eröffnung nach Sanierung
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Der Steinheimer Zehntstadel ist fertig. Nach einer Sanierungszeit von knapp zwei Jahren erstrahlt der ehemalige Schandfleck nun in neuer Pracht. "Es ist ein Tag um sich zu freuen", betonte Oberbürgermeister Manfred Schilder in seiner Begrüßungsrede. "Das marode Gebäude ist zu einem wahren Schmuckstück geworden, das sicherlich zu einem tollen Treffpunkt wird."

Im Rahmen der abgeschlossenen und vom Stadtrat bewilligten Vorbereitenden Untersuchung (VU) Steinheim, wird das Dorfgemeinschaftshaus einen Teil der neuen Mitte Steinheims bilden. Den insgesamt 238 Seiten dicken Abschlussbericht des zwei Jahre andauernden Prozesses, an dem sich die Steinheimer Bürgerinnen und Bürger rege beteiligten, überreichte Schilder an den 1. Vorsitzenden des Bürgerausschusses Steinheim, Klaus Kern.

"Beste Werbung für den Denkmalschutz"

Auch Bezirkstagsvizepräsident Edgar Rölz brachte seine Begeisterung über die Sanierung zum Ausdruck: "Das ist die beste Werbung für den Denkmalschutz. Sie können wirklich sehr stolz auf dieses Gebäude sein." Auch lobte er die Nachhaltigkeit, die durch die Neunutzung des denkmalgeschützten Gebäudes umgesetzt wurde. "Indem man alte Häuser wieder instand setzt, kann man unnötige Flächenversiegelung vermeiden – das ist ein Gewinn für alle."

Oberbürgermeister Manfred Schilder dankte in seiner Rede allen Beteiligten für ihr Engagement beim Umbau und im Besonderen den Fördergeldgebern, ohne die das Projekt nicht hätte realisiert werden können.
  • Oberbürgermeister Manfred Schilder dankte in seiner Rede allen Beteiligten für ihr Engagement beim Umbau und im Besonderen den Fördergeldgebern, ohne die das Projekt nicht hätte realisiert werden können.
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Architekt und Planer Sebastian Dellinger von Beer Bembé Dellinger, Architekten und Stadtplaner GmbH schaute mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Fertigstellung des Gebäudes. "Sechs intensive Jahre sind vorbei. Meinem Team und mir fällt es sehr schwer, uns von diesem Projekt zu trennen. Es hat uns sehr viel Spaß bereitet, etwas Identitätsstiftendes zu schaffen." Die große Herausforderung war es, das Gebäude nicht "tot" zu restaurieren, sondern alle Geschichten der zeitlichen Entwicklung zu erhalten. So wurde beispielsweise im Multifunktionsraum das Volumen und die charakteristische Eigenart eines Stadels zur Lagerung des Zehnten wieder freigesetzt, indem man den Raum sehr offen und hoch gestaltete und ihn im rohen Industriestil ausstattete. Im Gegensatz dazu kamen im alten Wohnraum feinere Elemente zum Einsatz.

Langer Weg: Allgäuer Sturheit hat geholfen

"Es war ein langer, harter und steiniger Weg bis hierher. In den über 18 Jahren, die ich mich mit diesem Projekt beschäftigt habe, hat manchmal nur noch die Allgäuer Sturheit geholfen", so Thomas Barth, 1. Vorsitzender des Fördervereins Dorfgemeinschaftshaus Steinheim. Er sieht das endgültige Ziel aber erst dann erreicht, wenn sich der Zehntstadel bewährt hat und sich Menschen "oft und gerne hier aufhalten".

Im Anschluss an seine Begrüßung überreichte Oberbürgermeister Manfred Schilder (links) den Abschlussbericht der Vorbereitenden Untersuchung Steinheim an Klaus Kern, 1. Vorsitzender des Bürgerausschusses.
  • Im Anschluss an seine Begrüßung überreichte Oberbürgermeister Manfred Schilder (links) den Abschlussbericht der Vorbereitenden Untersuchung Steinheim an Klaus Kern, 1. Vorsitzender des Bürgerausschusses.
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Dass der Zehntstadel noch einmal in solchem Glanz erstrahlen würde, hatte in den 90er Jahren, als die Diskussionen um Abriss oder Sanierung drehten, wohl keiner zu hoffen gewagt. Mit dem Stadtratsbeschluss zum Umbau im Frühjahr 2016 und dem überstandenen Bürgerbegehren im Herbst, das gegen die Sanierung des Stadels war, konnte der Startschuss fallen. Im Herbst 2018 begannen die Arbeiten an dem Gebäude, das seinen Ursprung im späten Mittelalter hat. Zunächst wurde es zur Lagerung des Zehnten genutzt, einer steuerlichen Abgabe in Form von Naturalien, die im Mittelalter üblich war.

1448 wurde das Dorf Steinheim mit Gerichtsrechten, Kirchenvogtei und einigen Höfen von den Rittern von Eisenburg an das Memminger Unterhospital verkauft. 1750 wurde er in der Breite erweitert, etwas erhöht sowie mit einer neuen Tenne und einem neuen Dachstuhl ausgestattet. Der Anbau wurde 1751 vollendet, wie die Sandsteintafel mit dem Doppelkreuz (Wappen des Unterhospitals) in der Ostfassade dokumentiert. Mit der Auflösung des Spitals im Jahr 1803, verlor der Stadel zunächst an Bedeutung. Mitte des 19. Jahrhunderts fand mit der "Bauernbefreiung" das feudale Gesellschaftssystem ein Ende. Das scheinbar nutzlose Gebäude wurde zu einem Bauernhof umgebaut und wechselte häufig den Besitzer. Es entstand der heute so charakteristische und das äußere Erscheinungsbild prägende Mittertennhof.

750 Quadratmeter Nutzfläche, barrierefrei

Nach dem Umbau und der Sanierung liegt die Nutzfläche des Gebäudes bei rund 750 Quadratmetern, die sich auf einen Mehrzweckraum, einen Proberaum für die Musikkapelle sowie zwei Sitzungszimmer, eine Küche, einen Schankraum und zwei Lagerräume für die Instrumente und Noten der Musikkapelle verteilen. Durch den Aufzug ist im barrierefrei gestaltet Bau jede Ebene zu erreichen.

Der Zehntstadel ist Teil der geplanten neuen Ortsmitte der Gemeinde Steinheim. Er ist ortsprägend für den prosperierenden Memminger Stadtteil mit seinen derzeit rund 3.000 Einwohnern. Zukünftig wird der mit viel Liebe zum Detail sanierte Zehntstadel mit seinem gemütlichen, einladenden und einzigartigen Charme für viele Veranstaltungen wie Vereinsfeste, Geburtstagsfeiern oder auch Hochzeiten zur Verfügung stehen. Gleichzeitig hat auch die Musikkapelle im Obergeschoss ihren schon lange angestrebten neuen Probenraum beziehen können, nachdem der seit Jahren genutzte Behelfsraum im örtlichen Kindergarten dringend für die steigende Kinderzahl benötigt wird. Die Stadt wird das umgebaute Gebäude an den Verein "Dorfgemeinschaftshaus Steinheim" kostenlos vermieten. Nur die anfallenden Nebenkosten muss der Verein übernehmen.

4,4 Millionen Gesamtkosten

Schilder dankte nicht nur den engagierten Steinheimer, dem Förderverein, dem Bürgerausschuss und den Handwerkern der ausführenden Firmen, sondern im Besonderen auch den Fördergeldgebern, ohne die dieses Projekt nicht realisierbar gewesen wäre. So gaben das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, die Städtebauförderung, die Bayerische Landesstiftung, der Bezirk Schwaben und der Kulturfonds Bayern insgesamt rund 2,35 Millionen Euro an Fördergeldern zu dem etwa 4,4 Millionen Euro teuren Umbau dazu.

Dekan Christoph Schieder (rechts) und Kaplan Florian Bach segneten das ganze Haus.
  • Dekan Christoph Schieder (rechts) und Kaplan Florian Bach segneten das ganze Haus.
  • Foto: V. Weyrauch/ Pressestelle Stadt Memmingen
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Abschließend segneten die beiden Geistlichen, der evangelische Dekan Christoph Schieder und Kaplan Florian Bach zusammen das Dorfgemeinschaftshaus. "Damals wie heute wird dieses Haus mit dem wertvollsten Besitz der Bürgerinnen und Bürger gefüllt", konstatierte Schieder. "Damals waren es Lebensmittel, die in Notzeiten das Überleben sicherten, heute ist es die Gemeinschaft."

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