Kriminalität
Nach dem Überfall: Taxifahrerin Heike G. aus Memmingen immer noch unter Schock

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Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder Taxifahren kann. Das Leben von Heike G. (38) ist nachhaltig erschüttert. Der mittlerweile festgenommene Fahrgast hat sie gewürgt, geschlagen und ihr den Geldbeutel mit den Einnahmen (knapp 300 Euro) geraubt.

Update: Donnerstag, 30.10.2014

Die Kriminalpolizei Memmingen hat den Überfall auf die Taxifahrerin Heike G. aufgeklärt. .

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Mit Tränen in den Augen schildert sie vor der Kamera, was ihr passiert ist. Nach einer kurzen Unterbrechung kann sie weitererzählen. , eigentlich eine für Taxifahrer eher ruhige Tageszeit. Nicht Samstagnacht, wenn betrunkene Nachtschwärmer den Fahrern oft das Leben schwer machen, unhöflich und teilweise aggressiv sind.

Der Mann steigt am Memminger Bahnhof ein, lässt sich nach Amendingen bringen. Er sitzt hinter dem Fahrersitz von Heike G.. In einer Seitenstraße lässt er das Taxi anhalten. Er tut, als suche er nach seinem Geldbeutel. Im nächsten Moment greift er nach vorne, würgt Heike G.. Schlägt mit der Faust auf sie ein, bis sie den Geldbeutel herausgibt. Springt aus dem Auto und flüchtet.

Geistesgegenwärtig macht Heike G. mit dem Handy . Es ist unscharf, verwackelt, aber es ist so gut, wie sie es in ihrer Situation hinbekommen hat. Wie sie das überhaupt geschafft hat, weiß sie nicht. "Ich war wie in Trance", sagt sie.

Ein traumatisches Erlebnis, das sie jetzt versucht, zusammen mit einem Psychologen zu verarbeiten. An Taxifahren ist momentan nicht zu denken. Zu tief sitzt der Schock, zu groß ist die Angst, dass so etwas wieder passieren könnte. Hilfreich wäre sicherlich, wenn die Polizei den Unbekannten finden würde. Im Geldbeutel war auch der Taxiausweis von Heike G., der Täter hat also ihre Adresse. Vernünftig betrachtet, wird der Täter die Adresse wohl eher dazu verwenden, sich besser von ihr fernhalten zu können. Aber Vernunft fällt schwer, wenn man Angst hat.

Laut Polizeipressesprecher Christian Owsinski sind seit der Veröffentlichung des Fahndungsfotos sieben Hinweise eingegangen. Die Informationen haben aber noch nicht zur Klärung der Tat geführt. Die Ermittlungen dauern laut Owsinki weiter an.

Taxifahrerin Elfriede K. (59) war, wie alle anderen Kollegen auch, geschockt, als sie von dem Überfall erfahren hat. Sie fährt seit 25 Jahren in Memmingen Taxi. Seit einiger Zeit macht sie keine Nachtfahrten mehr. Früher war Freitagnacht ihre Taxinacht. Mittlerweile allerdings stellt sie fest, dass die Fahrgäste sich verändert haben. "Speziell die Jungen sind ziemlich rüpelhaft geworden, kein Respekt mehr vor älteren Fahrern." Obwohl gewalttätige Übergriffe zumindest in Memmingen so gut wie nicht vorkommen, lässt sie einzelne Fahrgäste nicht hinter sich Platz nehmen. Vor allem nicht, wenn die Person ihr nicht ganz geheuer ist. Dann bittet sie darum, dass der Fahrgast auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. Das Pfefferspray hat sie griffbereit.

Der Überfall auf Heike G. hat die Memminger Taxifahrer sensibilisiert. Täglich steigen fremde Menschen ins Taxi. Wie sollen Taxifahrer sich schützen? Elektroschocker, Trennscheiben? Selbstverteidigungskurse? Markus Schmidt, Chef von Heike G. und Elfriede K., empfiehlt seinen Fahrerinnen und Fahrern das griffbereite Pfefferspray. Er ist froh, dass beim Überfall auf Heike G. "zumindest keine Waffe im Spiel war." Trennscheiben, sagt er, gab es früher, wurden aber vom Gesetzgeber wieder abgeschafft, aus Sicherheitsgründen(!). Denn: Ein nicht angeschnallter Fahrgast könnte beim Bremsen mit dem Kopf an die Scheibe knallen.

In jedem Taxi Vorschrift ist zumindest der Alarmknopf im Fußraum. Betätigt der Fahrer diesen Notalarm, geht die Hupe los. Dass Heike G. ihn nicht gedrückt hat, kann er nachvollziehen. Die Ereignisse hätten sich in der Situation so überschlagen, dass er nicht wüsste, ob er selbst den Notalarm gedrückt hätte.

Heike G. wünscht sich eine versteckte Kamera im Auto. Das hätte zum einen eine abschreckende Wirkung, zum anderen hätte es die Polizei hinterher bei der Fahndung leichter. Hier stößt der Taxiunternehmer allerdings auf neue Probleme, Stichwort Mitarbeiterüberwachung und Datenschutz.

Heike G. hatte vor vier Jahren den Beruf ergriffen, weil sie gerne mit Menschen arbeitet und gerne Auto fährt. Jetzt ist die Erinnerung an den Überfall allgegenwärtig.

Wenn sie das Haus verlässt, sieht sie in fast jedem Mann den Täter. Ihre Kollegen halten den Kontakt, rufen an oder schreiben, fragen nach, wie es ihr geht. Ihr Psychologe glaubt an sie: "Er sagt, ich bin eine Kämpfernatur und ich schaffe das. Aber er kann auch noch nicht sagen, ob ich überhaupt nochmal in ein Taxi steigen kann oder nicht."

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