Wochenende
Mehr, als nur Straßenverkehr – Kinder aus Ottobeuren lernen den sicheren Schulweg

'Eure Stimme ist Eure Waffe, schreit so laut, wie ihr könnt!' Die Vorschulkinder des Kindergartens St. Alexander in Ottobeuren haben zwei aufregende Tage hinter sich. Sie durften hinter die Kulissen der Polizeiinspektion Memmingen schauen und lernten einiges über Straßenverkehr, Selbstverteidigung und über sich selbst.

Bald geht für sie die Schule los. Für die Kinder des St. Alexander Kindergartens aus Ottobeuren beginnt dann der Ernst des Lebens. Seit einigen Jahren arbeitet der Kindergarten mit der Polizei Memmingen zusammen, um die Kinder gut auf das vorzubereiten, was dann kommt: den Schulweg beispielsweise.

Wie die Kinder sicher eine Straße überqueren zeigt ihnen Adelheid Depner. Sie ist seit Jahren im Bereich Prävention tätig und ist erfahren in der Arbeit mit Kindern. Heidi, wie die Kinder sie nennen, zeigt das Verhalten an der Bushaltestelle, auf dem Fahrradweg und natürlich das Überqueren der Straße.

Die Eltern sind in der Pflicht

'Man muss den Kindern gleichzeitig Selbstvertrauen und Vorsicht beibringen, das ist erst einmal schwierig', sagt Adelheid Depner. Die ausgebildete Pädagogin sieht da auch die Eltern in der Pflicht: 'Ich bin nur für ein paar Stunden hier, die Eltern sollten jeden Tag mit ihren Kindern üben und das Gelernte vertiefen.'

Aber die Straße birgt noch mehr Gefahren. Das weiß auch Anton Peter, Polizei-Einsatztrainer in Memmingen. Peter schult Kinder in Sachen Selbstverteidigung und sicheres Auftreten.

'Wenn Kinder von Fremden angesprochen werden, hilft oft schon ein lautes, deutliches 'nein', das stärkt die eigene Kompetenz und schüchtert das Gegenüber ein', sagt Anton Peter. 'Außerdem hören das auch andere Leute und werden aufmerksam auf die Situation, die Stimme ist die einzige Waffe, die Kinder haben', so Peter weiter.

Ein Tritt gegen das Schienbein und ein lauter Schrei

Damit das die Kinder auch merken, führt Peter mit ihnen eine Übung durch. Auf Zuruf schreien die Kinder: 'Halt!' und treten gegen ein Kissen auf der Höhe eines Erwachsenenknies. Sie sind selbst ein wenig erstaunt über ihre Lautstärke, aber auch stolz auf ihre Kraft.

Die Gruppe schaut sich in der ganzen Polizeiinspektion um. Ganz oben auf der Liste: natürlich die Einsatzfahrzeuge, Waffen und die Arrestzellen. Letztere werden, verglichen mit dem eigenen Kinderzimmer, dann doch als ungemütlich empfunden. Seit rund sieben Jahren gibt es die Präventionsarbeit mit erfahrenen Polizeibeamten.

Von Anfang an mit dabei ist Hauptkommissar Franz Sieber. Ihm liegt viel an einem guten Verhältnis zwischen der Polizei und der 'kleinen Bevölkerung'. Den Polizeialltag mit Waffen, Gewalt und Tod will Sieber nicht ausblenden: 'Das ist leider die Realität, die Gefahren sind ja da.

Aber wir erzählen natürlich kindgerecht und zeigen nichts, was die Kinder überfordern oder ängstigen könnte'. So gerüstet kann der Ernst des Lebens kommen und der Schulweg auch. Mutig und stolz gehen die Kinder aus der Polizeiinspektion – vorerst nur zum Bus, der sie wieder in den Kindergarten bringt.

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