Geschichte
Im Bauernhofmuseum in Illerbeuren wird der Schulalltag von früher unter die Lupe genommen

Mit einem Holzscheit in der Hand laufen zehn Kinder hinter Petra Fleschutz her - auf dem Weg in einen an ein histroisches Klassenzimmer angelehnten Raum im Bauernhofmuseum Illerbeuren (Unterallgäu).

Dort wurde kurz vor Schulanfang beim Ferienprogramm die Frage << Wie war der Schulalltag früher? >> beantwortet. Gleich zu Beginn löst Museumspädagogin Fleschutz das Geheimnis um das Holzscheit: << Die Schüler mussten Holz zum Heizen mitbringen, damit sie in die Schule durften. >>

Überhaupt lief früher einiges anders in Sachen Bildung: << Viele Eltern hätten ihre Kinder lieber zum Helfen zuhause behalten - vor allem im Sommer, wenn es auf dem Feld viel zu tun gab >>, sagt Fleschutz.

1802 Schulpflicht eingeführt

Kein Wunder also, dass die Einführung der Schulpflicht durch Herzog Max VI. im Jahr 1802 gerade auf dem Land gar nicht willkommen war. Um die Bevölkerung versöhnlich zu stimmen, gab es damals bereits Sommerferien. Die Kinder hatten von Juli bis September ganz frei und ab 1. Mai täglich nur zwei Stunden Schule. << Ohne ihre Mithilfe wäre es auf einem Bauernhof nicht gegangen >>, sagt Fleschutz. Dafür war dann über den Winter Ganztagsunterricht angesagt.

Die Einführung der Schulpflicht bedeutet aber nicht, dass erst ab diesem Zeitpunkt Unterricht erteilt wurde. In Illerbeuren etwa gab es laut Chronik schon seit 1606 eine Schule. Damals allerdings lag die Bildung meist noch in kirchlicher Hand. Ab 1802 übernahm der Staat.

Sieben Jahre mussten die Kinder zu der Zeit die Schulbank drücken. Dabei befanden sich meist alle Jahrgänge in einem Raum. Ein geregelter Unterricht erforderte Organisationstalent vom Lehrer. << Während die erste Klasse zum Beispiel Schönschreiben hatte, hatte die zweite Lesen. So störten sie sich nicht >>, erklärt Fleschutz. Voraussetzung für einen funktionierenden Unterricht war aber noch ein anderer Aspekt: Disziplin. << Deshalb waren die Lehrer sehr streng >>, sagt die Museumspädagogin. Die Kinder mussten strikte Regeln befolgen.

Verstießen sie dagegen oder machten im Unterricht Fehler, folgten Strafen. << Schimpfen und schlagen waren damals ganz normal >>, sagt Fleschutz. Da gab es die Tatzen, bei denen mit einem Stock auf die Finger geschlagen wurde. Oder die Schüler bekamen Hiebe auf den Hintern. Sehr schmerzhaft war das Knien auf einem Holzscheit und vergleichsweise harmlos das Stehen in der Ecke.

Schläge erst 1970 verboten

Diese Strafen machten vielen Kindern Angst vor der Schule. Aber erst 1910 kam die Überlegung auf, dass Furcht am Lernen hindert. Körperliche Strafen sollten deshalb auf Geheiß des Ministeriums allmählich unterlassen werden. Ganz verboten wurden sie schließlich 1970 - sehr zur Freude der Ferienprogramm-Kinder. Die nämlich sind sich einig, dass die Schule heutzutage vielleicht doch ihre positiven Seiten hat.

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