Interview
Drehen kann Live-Auftritte nicht ersetzen - Maxi Schafroth bleibt Kabarettist

Das Allgäu kommt groß heraus in der neuen Kino-Komödie 'Der Sommer der Gaukler' von Marcus H. Rosenmüller – in Person des Bergarbeiters Vester. Diesen schüchternen Kerl, der unversehens zum Oberrevolutionär wird, spielt Maxi Schafroth, Kabarettist aus dem Unterallgäuer Örtchen Stephansried, im Allgäuer Dialekt. Im Gespräch erzählt Schafroth (26), der inzwischen in München lebt, von der unkomplizierten Zusammenarbeit mit Rosenmüller, von einer Filmszene, die er über Nacht neu schrieb und von seiner kreativen Pause in den USA, die er sich in den nächsten Monaten gönnen will.

Herr Schafroth, wie haben Sie es geschafft, eine Hauptrolle in einem Rosenmüller-Film zu ergattern?

Schafroth: Ich habe seine Casting-Agentin in einem Schwabinger Café, wo sich viele Filmleute treffen, kennen gelernt. Ich schickte ihr meinen Film 'Preußens Gloria', Rosenmüller sah ihn, lud mich zum Vorspielen – und ich bekam die Rolle.

Die Figur des Vester scheint Ihnen auf den Leib geschrieben zu sein.

Schafroth: Laut Drehbuch ist der Vester ein Tiroler. Aber das passte nicht zu mir. Also haben wir aus dem Vester einen Ostallgäuer gemacht. Er kommt aus Ratzenried – ein Fantasieort

den es aber im Westallgäu tatsächlich gibt. Wie arbeitet es sich mit Rosenmüller?

Schafroth: Das ist eine tolle Sache für uns Schauspieler. Er ist sehr offen und flexibel. Ihm ist es wichtig, ein kreatives Gesamtkunstwerk zu schaffen, in das sich die Schauspieler einbringen können. Das gibt viel positive Energie – und bei den Dreharbeiten herrscht eine gewisse Anarchie. Der Blues, den die Bergarbeiter singen, ging zum Beispiel auf eine Idee von mir zurück. Und eine Szene durfte ich auch beisteuern.

Wie ging das?

Schafroth: Eines Abends rief Rosenmüller an und sagte, er sei mit einer Szene unzufrieden. Ich solle sie umschreiben. Noch in der gleichen Nacht habe ich zwei Varianten geschrieben, eine gemäßigte, eine absurde. Er nahm die absurde. Sie kam super an: Als sie gedreht wurde, hat das gesamte Team gelacht.

Wird es eine Fortsetzung der Arbeit mit Rosenmüller geben?

Schafroth: Das ist schon geschehen. Inzwischen habe ich einen zweiten Kinofilm mit ihm gedreht. Er heißt 'Wer’s glaubt, wird selig' und kommt im August 2012 in die Kinos. Rosenmüller hat ein bisschen einen Narren an mir gefressen. Ich mag ihn auch. Wir sind schon zusammen in München aufgetreten. Rosenmüller ist super. Unser Humor passt gut zusammen. Und er kann den Leuten auf dem Land aufs Maul schauen.

Das hört sich fast so an, als ob Sie lieber Filme drehen wollen, anstatt Kabarett zu machen.

Schafroth: Ich mag beides, Schauspielern und Kabarett. Das Filmen kann keinen Live-Auftritt ersetzen. Am liebsten wäre es mir, ein bis zwei Filme pro Jahr zu machen und Zeit für Live-Auftritte zu haben.

Worin besteht für Sie der Unterschied zwischen beidem?

Schafroth: Filme zu drehen, ist ein ruhiges, entspanntes Arbeiten. Man kann ja alles wiederholen. Im Kabarett dagegen fährt der Zug los, und man kann ihn nicht mehr anhalten. Das ist aufregend, und das mag ich.

Ihr aktuelles Programm 'Faszination Allgäu' ist fast drei Jahre alt. Gibt es bald ein Folge-Programm?

Schafroth: Das steht noch nicht an. Aber es ist ja auch so, dass sich 'Faszination Allgäu' dauernd verändert. Nach dem Auftritt in der Kemptener Big Box gehe ich erst einmal zweieinhalb Monate lang in die USA, nach Kalifornien, und mache eine kreative Pause.

Was heißt das?

Schafroth: Ich entspanne mich und sammle – zusammen mit meinem Gitarristen Markus Schalk – neue Ideen.

Und warum ausgerechnet Kalifornien?

Schafroth: Dort lebt meine Patentante Gusti, die in den 60er Jahren von Stephansried ausgewandert ist. Sie tischt richtig gutes Bauernbrot mit Leberwurst auf. Das ist wie Allgäu mit täglich zehn Stunden Sonne.

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