Interview
Dirigent Rolf Beck über sein erstes Konzert in Ottobeurer Basilika

Rolf Beck ist Jurist, Manager, Musiker, Chorleiter, Kapellmeister und Dirigent. Studierte bei Helmut Rilling. Er ist Gründer und Leiter der Chorakademie des Schleswig-Holstein Festivals mit jungen Sängern aus zwölf Nationen.

Mit diesem Chor, dem Orchester Sinfonia Varsovia und fünf Solisten hat Beck in der Basilika Ottobeuren Johann Sebastian Bachs << Magnificat >> und Wolfgang Amadeus Mozarts << Große Messe c-Moll >> aufgeführt. Unsere Mitarbeiterin Anne-Marie Lange sprach mit ihm nach den Proben.

Herr Beck, sind Sie eher Dirigent oder eher Manager?

Rolf Beck: Für mich liegt zwischen dem Dirigieren und dem Managen kein großer Unterschied. Sie müssen in beiden Fällen die Gabe haben, den anderen davon zu überzeugen, dass er das tut, was er selbst gerne möchte. Ich weiß, dass ich der einzige bin, der als erfolgreicher Manager - das kann ich schon von mir sagen - gleichzeitig auf die Bühne geht und sich der künstlerischen Bewertung stellt. Und ich sage, man kann vieles an Handwerk lernen, aber das Letzte kann man nicht lernen, man muss es sein.

<< Diese Arbeit ist ein Geben und Nehmen >>

Es verlangt sehr viel Sensibilität und Autorität, Chor und Orchester zu führen. Sie arbeiten sehr viel mit jungen Leuten. Wie motivieren Sie die?

Beck: Diese Arbeit ist ein Geben und Nehmen. Die jungen Leute geben einem so viel Kraft zurück. Ich habe jetzt eine Woche mit Chor und Orchester gearbeitet. Wir waren vor zwei Tagen noch im säkularisierten Kloster Eberbach - und sind jetzt hier mitten im Barock angelangt. Und wir haben seit Montag zwei verschiedene Programme geprobt. Die Kraft, die ich da hinein gebe, bekomme ich sehr vielfältig zurück.

Sie dirigieren heute das erste Mal in der Basilika, Applaus werden Sie an diesem Ort aber nicht bekommen

Beck: Das ist ja die eigentlich interessante Geschichte. Seit 1981 bin ich oft in Ottobeuren gewesen, damals als Intendant der Bamberger Symphoniker. Ich habe auch Eugen Jochum, Horst Stein, Herbert Blomstedt begleitet, war also viele Male hier, aber immer nur als Manager.

Ich sehe noch immer Eugen Jochum vor mir, wie er aus der Klausur kommt und sich dann ans Dirigierpult stellt. Es war ein Herzenswunsch, einmal selbst als Dirigent hier zu stehen und der wird heute erfüllt. Und ein Ort ohne Applaus? Das ist wunderbar! Ich bin nur ein bisschen skeptisch, was Bach angeht, ob die Akustik das aushält. Aber der Mozart passt hervorragend in diese Basilika.

Wolfgang Hildesheimer sagt, << Mozart ist ein unverdientes Geschenk an die Menschheit. >> Stimmen Sie dem zu?

Beck: Das ist ein sehr poetischer Satz. Im Kern kann ich ihm zustimmen.

Musik an << unglaublichen Orten >> gemacht

Die Uraufführung der c-Moll-Messe war in der Peterskirche in Salzburg. Finden Sie, Ottobeuren ist ein vergleichbarer Ort?

Beck: Also die Basilika ist sicherlich noch eine ganze Portion majestätischer und auch architektonisch in meinen Augen gelungener - es ist ein sehr spezieller, sehr besonderer Ort. Wir waren mit dem Chor vor drei Wochen in der Alhambra in Granada und vorher in Istanbul in der Aya Irini, direkt neben der Hagia Sofia. Der Chor hat in den letzten vier Wochen unglaubliche Orte kennengelernt, wo man Musik machen kann. Und jetzt Ottobeuren: ich bin ein großer Fan der Basilika.

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