Kunsthandwerk
Der Messermacher von Treherz

In Treherz, einem kleinen Dörfchen oberhalb von Aitrach in Richtung Bad Wurzach, lebt der 40-jährige Robert Kaufmann mit seiner Familie. Der «Hersteller von Schneidewerkzeugen», wie er sich selber nennt, passt irgendwie zum historischen Dorfmittelpunkt der Aitracher Teilortgemeinde: Die Dorfkirche, ein ehemaliger Gasthof und der historische Gutshof erinnern an jene Zeit, als Waldarbeiter, Bauern und Handwerker in und um Treherz lebten und arbeiteten. Kaufmann wohnt und arbeitet seit elf Jahren im Wohntrakt des ehemaligen Kameralgutes. Er stellt seine Werke in New York und im europäischen Ausland wie Italien, der Schweiz und Ungarn aus. In Japan können Besucher des Messermuseums in Seki eines seiner Schwerter bewundern.

In Treherz verwirklichte Kaufmann seinen Lebenstraum, der vor über 20 Jahren begann. Schon während seiner Lehre als Industriemechaniker faszinierten den gebürtigen Memminger Klingen. Und obwohl er bereits an seinem ersten Arbeitstag erkannte, dass Industriemechanik «nicht meine Welt ist», wurde in seiner Ausbildungszeit der Grundstock für seine spätere Tätigkeit gelegt.

Begonnen hat es in Lappland

Nach seiner Lehre verschlug es Kaufmann von Memmingen mit dem Fahrrad nach Schweden. Begonnen hat dann alles in Lappland, wo ihm das Handwerk des Messermachens begegnete und er sein erstes Messer fertigte. «Der Griff war aus Kiefernholz und die Scheide aus Leder. Das brauchte man im hohen Norden als Werkzeug», erinnert er sich. Hinzu kamen weitere Messer und Hornschmuckobjekte, die sich gut auf Märkten verkaufen ließen. «Das war eine wichtige Zeit für meine persönliche Entwicklung.»

Ende des Jahres 1993 kam Kaufmann nach Deutschland zurück, ein Jahr später machte er sich selbstständig. Er begann, die traditionelle Form des nordischen Messers in steter Arbeit zu verändern. «Nur» Rentiergeweih, Holz und Gravur seien ihm zu wenig gewesen, sagt er heute. Neue Materialien wie Mammut-Elfenbein, Perlmutt, Leder, Hölzer aus aller Welt, Knochen, Edelsteine und Edelmetalle wie Gold und Silber mussten her. Damit verbreiterte er das Spektrum, woraus ein Griff bestehen kann.

In seiner Schmiede bringt der 40-Jährige an zwei Essen (Feuerstellen) Metall zum Glühen, um daraus Klingen verschiedenster Formen und Muster zu kreieren. Mit seinem «Studium am Amboss», wie er es nennt, schuf er sich das Wissen über die diffizile Fertigung von Damastklingen. Bei dieser Technik wird Stahl aus unterschiedlichen Legierungen zu einer Klinge geschmiedet.

Die Feinarbeiten an Klingen und Griffen erledigt Kaufmann in einem ehemaligen Wohnwagen in seinem Vorgarten. Auf zehn Quadratmetern Arbeitsfläche sägt, schleift, graviert und bohrt er. Klingen, Griffe und Scheiden, Gebrauchsmesser bis hin zu Schwert oder Axt fertigt Kaufmann in Preisklassen von einigen Hundert bis einigen Tausend Euro an. Mal braucht er dafür Monate, mal Jahre. Das alles macht er «für Menschen, die ein ästhetisches Gefühl haben, die etwas Schönes wollen». Seine Tätigkeit sieht Kaufmann als seinen «größten Schatz» - neben Familie und Freunden.

Kontakt Robert Kaufmann ist über E-Mail zu erreichen unter: info@cuttingart.net

Mehr Informationen im Internet:

www.cuttingart.net

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