Griechenland
Der gebürtige Grieche Vassilios Mavrodis aus Ottobeuren über die Finanz-Tragödie in seinem Heimatland

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Vassilios Mavrodis ist Optimist. «Wie die meisten Griechen», betont der 56-Jährige, der mit 16 Jahren nach Deutschland kam und seit 1995 ein Reisebüro in Ottobeuren betreibt. Nun will er aber das Unterallgäu verlassen. Denn Mavrodis erfüllt sich einen lang gehegten Wunsch.

Er zieht mit seiner deutschen Frau und seinen beiden Töchtern (13 und 18 Jahre) am 23. September nach Griechenland, wo sich die Familie ein Haus gebaut hat. Als Optimist ist ihm vor der Rückkehr in das hoch verschuldete Land, dessen Wirtschaft so stetig schrumpft wie die Arbeitslosenquote steigt, nicht bange.

Zum einen werde er in der Tourismusbranche sein Auskommen haben und zum anderen ist er sich sicher, dass sich die Griechen mit den Jahren an den eigenen Haaren aus dem Schuldensumpf ziehen werden. << Man muss uns nur etwas Zeit geben >>, sagt Mavrodis und schickt hinterher: << In ein, zwei Jahren werden die geplanten Reformen greifen, sodass es dem Land in zehn Jahren wohl wieder gut geht. >>

<< Kann nur aufwärtsgehen >>

Letztlich ist er davon überzeugt, dass die Griechen jetzt zu der Einsicht gelangen werden, dass man an einer Verschlankung des Staatsapparats, an Privatisierungen und an der Bekämpfung der Steuerhinterziehung nicht mehr vorbeikommt. In diesem Zusammenhang zitiert er ein griechisches Sprichwort: << Es gibt eine Zeit, in der man rudern muss, und eine Zeit, in der man segeln kann. >> Und jetzt sei eben die Zeit, die Ruder in die Hand zu nehmen und hart zu arbeiten. Zudem sei Griechenland so weit unten, << dass es nur aufwärts gehen kann >>.

Bei der Frage nach den Gründen für die griechische Finanz- und Wirtschaftstragödie verweist der Noch-Ottobeurer auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zum einen herrsche zwischen Politikern und Wählern ein << engeres Verhältnis >> als in Deutschland. So hätten Politiker als Dank für Wählerstimmen und nach dem Prinzip << Eine Hand wäscht die andere >> vielen Leuten Pöstchen im Staatsdienst verschafft.

<< Wir haben bei etwa elf Millionen Einwohnern rund 1,2 Millionen Beamte >>, rechnet Mavrodis vor. Zudem sei die staatliche Verwaltung nicht nur aufgeblasen, sondern auch unproduktiv. << Die Bürokratie ist der größte Hemmschuh >>, sagt er: << Letztlich geht ohne Beziehungen in vielen Fällen nichts in Griechenland.

>> Darüber hinaus würden die meisten seiner Landsleute einen << romantischen Patriotismus >> pflegen, der beim eigenen Geldbeutel aufhöre - zumindest, was Abgaben an den Staat anbelangt. << Ein Grieche gibt Freunden in einer Notlage sein letztes Hemd, aber dem Staat so wenig wie möglich >>, erklärt Mavrodis: << Die Menschen identifizieren sich einfach nicht mit dem Staatsapparat. >>

Jeder wolle sein eigener Chef sein, seine eigenen Geschäfte machen, in die sich der Staat möglichst nicht einmischen solle. Auf diese Weise hätten es in seinem Heimatland in den vergangenen << guten Jahren >> zahlreiche Menschen zu Wohlstand gebracht. Nicht umsonst heiße es: << Armes Griechenland, reiche Griechen. >>

Allerdings will Mavrodis auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass alle Griechen kleine Gauner sind. Denn das sei sicherlich nicht so. Aber es gebe eben über die Jahre eingespielte Mechanismen zwischen Politikern, Beamten und Bürgern, die dem Wohl der Allgemeinheit nicht förderlich seien. << Hier muss ein Umdenken her >>, fordert Mavrodis: << Und zwar in allen Köpfen. >>

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