Arbeitsgruppe
Das Klinik-Ethikkomitee des Memminger Klinikums beschäftigt sich mit muslimischer Sterbekultur

Der ethisch richtige Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Patienten muslimischen Glaubens ist derzeit Thema in einer Arbeitsgruppe des noch jungen Ethikkomitees am Klinikum Memmingen, das sich um ethische Probleme im Klinikalltag kümmert. Dabei trafen sich die Komitee-Mitglieder mit einem Vertreter der Islamischen Gemeinde Memmingen.

Wie möchte ein muslimischer Patient im Sterbeprozess begleitet werden? Wie sieht der ethisch richtige Umgang mit Verstorbenen muslimischen Glaubens aus? Welche Konflikte gibt es im Klinikalltag mit den trauernden Angehörigen von schwerstkranken oder sterbenden Muslimen?

Um diese Themen kreiste jetzt ein zweistündiges Treffen im Klinikum Memmingen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Islamischen Gemeinde Memmingen, Sebahattin Kasimfirtina.

'Bei evangelischen oder katholischen Sterbenskranken wissen wir, welchen Seelsorger wir rufen können. Leider fehlen uns die Kontaktdaten von muslimischen Geistlichen', schilderte die stellvertretende Stationsleiterin der Station EG1, Bettina Ölberger, ein allgemeines Problem auf den Stationen.

Konflikte entstünden zum Teil auch, weil sich während des Sterbeprozesses eines muslimischen Patienten sehr viele Angehörige sehr lange bei dem Kranken im Zimmer aufhalten. Zum Teil sind einfach zu viele Besucher in einem Zimmer, um Pflegetätigkeiten angemessen ausführen zu können.

Kasimfirtina von der Islamischen Gemeinde erklärte das hohe Besucheraufkommen mit der muslimischen Tradition: 'Bei uns ist es Brauch, dass sehr viele Angehörige den Kranken im Sterbeprozess begleiten.'

Wichtig sei es für beide Seiten – den Sterbenden und seine Angehörigen – sich am Sterbebett noch einmal zu sehen und auszusprechen: 'Das Vergeben vor dem Tod ist in unserer Religion ein sehr hohes Gut.'

Um dennoch die Besucherzahl im Patientenzimmer zu reduzieren, machte Ethikkomitee-Mitglied und Pathologie-Chefarzt Dr. Walter Hofmann den Vorschlag, den Besucherkreis auf zwei bis drei Personen zu beschränken und auch ein zeitliches Limit vorzugeben.

Bestattungskultur

Ist ein Patient muslimischen Glaubens verstorben, gehört es zur Bestattungskultur im Islam, dass der Tote schnellstmöglich gewaschen wird. Hierfür stünden in der Memminger Moschee geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung, wie Kasimfirtina betonte.

Die Pathologie des Klinikums als nicht optimale Örtlichkeit für eine rituelle Waschung sollte nur als Notlösung genutzt werden, ergänzte Chefarzt Hofmann. Mittlerweile können Verstorbene laut Hofmann auch ohne Standesamtsurkunde innerhalb der Stadt befördert werden, so dass eine zeitnahe Überführung in die Memminger Moschee möglich sei und die Waschung dort zügig stattfinden könne.

Um muslimischen Patienten mit einer seelsorgerischen Be-gleitung weiterhelfen zu können, sollen in Zukunft Kontaktdaten der muslimischen Geistlichen auf den Stationen und an der Pforte ausgelegt werden.

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