Klinikum Memmingen
Darmspiegelung reduziert Risiko an Darmkrebs zu erkranken um bis zu 90 Prozent

Rund 100 Darmkrebsoperationen pro Jahr werden am Zertifizierten Darmkrebszentrum des Klinikums Memmingen durchgeführt (im Bild von rechts: Chefarzt Professor Dr. Dr. h.c. Carsten N. Gutt und Oberärztin Dr. Walburga Rauner).
  • Rund 100 Darmkrebsoperationen pro Jahr werden am Zertifizierten Darmkrebszentrum des Klinikums Memmingen durchgeführt (im Bild von rechts: Chefarzt Professor Dr. Dr. h.c. Carsten N. Gutt und Oberärztin Dr. Walburga Rauner).
  • Foto: Klinikum Memmingen
  • hochgeladen von Svenja Moller

Jedes Jahr erkranken rund 70.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs. Ein Großteil davon wäre aber vermeidbar, wenn die Menschen regelmäßig zur Vorsorge gehen würden. "Krebs-Vorsorge ist auch in Zeiten von Corona wichtig", betonen Ärzte des Zertifizierten Darmkrebszentrums am Klinikum Memmingen.

Der Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern und Frauen. Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, kontinuierlich an."Einer von circa 20 Menschen bekommt im Lauf seines Lebens Darmkrebs. Dabei wäre eine Erkrankung grundsätzlich vermeidbar", meint der Leiter des Zertifizierten Darmkrebszentrums, Prof. Dr. Dr. h.c. Carsten N. Gutt (Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie).

Das Erkrankungsrisiko lasse sich durch Bewegung um bis zu 25 Prozent minimieren, so Gutt. Rauchen dagegen erhöhe das Erkrankungsrisiko um bis zu 50 Prozent. Auch rotes und verarbeitetes Fleisch wurde von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft: "Der wöchentliche Verzehr sollte deswegen 300 bis 500 Gramm nicht übersteigen." Der Durchschnittsbürger konsumiere allerdings mehr als das Vierfache.

Vorstufen von Krebs können bei Darmspiegelung erkannt werden

Frühe Vorstufen von Krebs, der meist durch entartete Polypen im Darm entsteht, können bei einer Darmspiegelung diagnostiziert und entfernt werden. "Die Spiegelung wird ab dem 50. Lebensjahr empfohlen", erklärt Oberärztin Dr. Walburga Rauner. Eine Darmspiegelung könne das Erkrankungsrisiko um 80 bis 90 Prozent reduzieren. Bei einer Spiegelung können laut Rauner nicht nur Polypen im Darm, sondern auch ganz frühe Stadien von Krebsgeschwüren entfernt werden.

"Bestehen allerdings bereits Symptome wie Blut im Stuhl, eine Änderung des Stuhlgangs oder Bauchbeschwerden, ist der Tumor meist schon weiter fortgeschritten", erklärt die Oberärztin. In diesen Fällen helfe nur eine Operation, möglicherweise in Verbindung mit einer Chemo- und Strahlentherapie. "Während einer Operation entfernen wir nicht nur den Tumor selbst, sondern auch den angrenzenden Darmanteil mit entsprechendem Sicherheitsabstand sowie das dazugehörige Lymphabflussgebiet", sagt Rauner. Denn hier gelegene Lymphknoten könnten ebenfalls befallen sein. "Sitzt der Tumor in der Nähe des Schließmuskels, kann es vorkommen, dass wir einen künstlichen Darmausgang anlegen müssen", so die Chirurgin. Allerdings könne dieses sogenannte Stoma nach Ausheilung des Darmes zum Großteil wieder zurückgelegt werden.

Darmkrebs an zertifiziertem Zentrum behandeln lassen

Als Risiken einer Operation gelten laut Rauner Wundheilungsstörungen oder eine undichte Darm-Naht. Auch Probleme beim Stuhlgang oder Störungen der Sexualfunktion können auftreten. "Eine Operation im Bauchraum ist diffizil", unterstreicht die Oberärztin. Deshalb sei es wichtig, sich in einem zertifizierten Zentrum behandeln zu lassen: "Denn hier haben die Ärzte am meisten Erfahrung und arbeiten mit Spezialisten anderer Fachabteilungen zusammen."

Rund 100 Darmkrebsoperationen jährlich in Memmingen

Das Darmkrebszentrum am Klinikum Memmingen wurde im Jahr 2008 als erstes Zentrum in ganz Schwaben zertifiziert. Rund 100 Darmkrebsoperationen werden laut Chefarzt Gutt jährlich in Memmingen durchgeführt.
"Viele Patienten schätzen unsere Expertise und kommen zu uns, um sich – vor einer bereits geplanten Behandlung – eine Zweitmeinung bei uns einzuholen", erklärt Gutt.

Nimmt man alle Tumorstadien zusammen, bestehe eine Fünf-Jahres-Überlebensrate von etwa 63 Prozent. Bei sehr frühen Stadien betrage die Rate 90 Prozent. "Selbst ein spätes Krebsstadium mit Metastasen in Leber und Lunge ist noch kein Todesurteil", unterstreicht Gutt. "Auch solche Patienten haben wir hier am Darmkrebszentrum schon geheilt."

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