Krankheit
Blind in der Nacht: Ilenia De Vito (21) aus Kempten hat eine seltene Augenerkrankung

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Sobald das Licht aus geht, ist Ilenia De Vito auf die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen. Sie ist nachtblind und kann im Dunkeln nichts mehr sehen. Erst in der Pubertät hat die 21-Jährige von ihrer seltenen Augenerkrankung erfahren. Sie leidet an Retinitis Pigmentosa. 

Retinitis Pigmentosa (RP) ist die Bezeichnung für eine Gruppe von erblichen Augenerkrankungen, die eine Zerstörung der Netzhaut, des sehfähigen Gewebes am Augenhintergrund, zur Folge hat. Nachtblindheit ist meist das erste Merkmal dieser Krankheit. Schubweise und in unregelmäßigen Abständen kann sich das Gesichtsfeld verengen, Kontrast- und Farbsehen und auch die Sehschärfe können sich verschlechtern. Ilenia De Vito muss immer mit dem Gedanken leben, dass sie irgendwann komplett blind sein könnte. Ob und wann eine Erblindung eintritt, kann ihr aber niemand sagen.

In Deutschland leiden etwa 30.000 bis 40.000 Menschen an RP. Weil die Krankheit so selten ist, waren für die 21-jährige Kemptenerin die ersten Besuche bei Augenärzten eine Katastrophe. "Die Ärzte waren total panisch und wussten nicht, wie sie mit mir umgehen sollen." Ein eigentlicher Kontrolltermin wurde für sie zum Horror: "Mir wurde nur gesagt, dass ich blind werde." 

Nach zahlreichen, unnötigen Arztbesuchen wurde De Vito schließlich im MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) in München über ihre Krankheit aufgeklärt und nach Tübingen in die Augenklinik überwiesen. Zahlreiche Tests und Untersuchungen folgten. Auch jetzt muss die 21-Jährige regelmäßig zur Kontrolle. 

Bis heute ist RP unheilbar. Es gibt bislang keine Therapie, die die Zerstörung der Sehzellen stoppen kann. Das Behandlungsziel ist, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen, damit der Betroffene möglichst ein Leben lang, seine Sehfähigkeit behält.

Inzwischen kann die 21-Jährige mit ihrer Krankheit ganz gut umgehen. Im Dunkeln muss sie sich voll und ganz auf ihre Mitmenschen verlassen können. "Meine Familie lässt mich im Dunkeln nicht alleine auf die Straße gehen." Einen Blindenstock möchte De Vito aber nicht benutzen.

Nicht auf alle Mitmenschen kann sie sich so gut verlassen, wie auf ihre Familie und ihren Partner. "Manche vergessen, dass ich im Dunkeln nichts sehen kann und lassen mich alleine stehen." Andere glauben ihr auch nicht, dass sie nachtblind ist "und testen, ob ich wirklich nichts sehe, indem sie mich irgendwo dagegen laufen lassen." 

Über Facebook tauscht sie sich weltweit mit anderen Mitleidenden aus. Im Allgäu kenne sie bisher aber leider niemanden, der auch an der Krankheit leidet. "Schön wäre es, wenn sich jemand aus dem Allgäu bei mir melden würde, der auch an RP erkrankt ist." Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid.

Haardünne Drähte werden Ilenia De Vito ins Auge gesetzt, um die Reaktion ihrer Augen zu testen.
Autor:

Camilla Schulz aus Memmingen

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